Sendedatum: 22.03.2016 18:25 Uhr

Fall Max Kruse: Was darf ein Fußballer und was nicht?

Bundestrainer Joachim Löw hat die Nase voll von Max Kruses Eskapaden abseits des Fußballplatzes. Der Wolfsburger Profi gehört vorerst nicht mehr zur Nationalmannschaft. Damit ist er nicht der erste, der aus der Nationalelf fliegt. Dabei gab es doch ganz andere Fälle von nicht "knigge-gerechtem" Verhalten.

Eine Glosse von Michael Augustin, NDR Hörfunk Sportredaktion

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Nationalelf vorerst adé - Max Kruse ist über seine jüngsten Eskapaden gestolpert.

Das waren noch Zeiten, als Uli Stein den "Fußball-Kaiser" und damaligen Teamchef der Nationalmannschaft Franz Beckenbauer als "Suppenkasper" bezeichnet hat. Majestätsbeleidigung. Streng verboten beim DFB. Das gab bei der WM 1986 die Rote Karte. Stein hat nie wieder ein Spiel für die Nationalmannschaft gemacht.

Stinkefinger und Suppenkaspar waren schlimmer

Stefan Effenberg hat acht Jahre später bei der WM in den USA den deutschen Fans den Mittelfinger gezeigt. Berti Vogts setzte ihn dafür sofort in den Flieger, allerdings mit Rückflug-Ticket. Effenberg feierte nämlich 1998 sein Comeback im DFB-Trikot. Suppenkasper geht gar nicht, Stinkefinger ein bisschen. So war das damals in den wilden 80-ern und 90-ern beim DFB.

Jogis ganz eigene Moralvorstellungen

Und heute? Max Kruse bekommt bei einem Länderspiel Damenbesuch, er lässt 75.000 Euro in bar aus Versehen in einem Taxi liegen und sich dabei erwischen, wie er seinen Geburtstag feiert. Und zwar in Berlin, nicht in Wolfsburg. Da spielt er, da lebt er. Aber da kann man offenbar nicht feiern. Aber darum geht`s gar nicht. Sondern vielmehr um die Doppelmoral beim DFB. Jogi ist nicht Berti und schon gar nicht der Fußball-Kaiser. Aber der aktuelle Bundestrainer hat offenbar seine ganz eigenen Moralvorstellungen. Autofahren ohne Führerschein ist zwar eine Straftat, aber definitiv erlaubt. Also nicht in Deutschland, sondern in "Jogis Welt". Marco Reus hat das jahrelang gemacht und ist trotzdem Stammgast beim DFB-Team. Und nur mal so ganz nebenbei: Jogi Löw war sechs Monate lang auch nur Beifahrer, weil er das Gaspedal zu doll durchgetreten hatte.

Frauengeschichten gibt es immer wieder

Zurück zu Kruse: Der kommt offenbar ziemlich gut bei den Mädels an, wie wir nun wissen. Frauengeschichten sind in der "Testosteron-Welt" des Fußballs aber doch Heldengeschichten. Blicken wir mal vier Jahre zurück: Vier Tage vor der EM 2012. Damals traf sich Jerome Boateng mit einem Nackt-Model namens Gina Lisa. Und zwar in keinem Dessous-Geschäft, sondern in einem Berliner Hotel, nachts um zwei! "Wir sind dann später zu dritt auf mein Zimmer", hat die Dame damals ausgeplaudert. "Um uns zu unterhalten." Ach so. Nachtschwärmer Boateng war trotzdem bei der EM dabei.

SOKO Jogi muss ermitten

Und Lukas Podolski hat sogar schon 126 Mal für Deutschland gespielt, obwohl er vor langer Zeit Michael Ballack eine Backpfeife verpasst hat. Dem Capitano! Hallo? Geht's noch? Das war damals Majestätsbeleidigung im kleinen Stil. Mindestens. Doch Löw war's egal. Der hat ja selbst Kevin Großkreutz 2014 mit zur WM genommen, obwohl der eine Hotel-Lobby mit einem Großraum-WC verwechselt hatte. Doch dieser Großkreutz ist ein herzensguter Mensch. Vor allem hat er ein Herz für Max Kruse. "Man sollte ruhig bleiben", teilte er seine Fangemeinde im Internet mit, "jeder Mensch hat 'ne Leiche im Keller und sollte sich an die eigene Nase packen." Moment mal: Eine Leiche im Keller? Klingt fast so, als müssten wir uns demnächst auf weitere Skandale gefasst machen. Hat womöglich sogar ein Nationalspieler den Bundestrainer "Suppenkasper" genannt? Die "SOKO Jogi" sollte dringend ihre Ermittlungen aufnehmen.

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NDR Info | Auf ein Wort | 22.03.2016 | 18:25 Uhr