Stand: 17.02.2017 16:40 Uhr

Ein Eisbad hat noch niemandem geschadet

Zu kalt fürs Freibad? Quatsch! Auch Mitte Februar lässt es sich ganz wunderbar unter freiem Himmel schwimmen. Nur das anschließende Trocknen auf der sonnigen Liegewiese könnte problematisch werden.

Eine Glosse von Matthias Brodowy

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Auf die Plätze, fertig - nass!

Die Freibadsaison hat begonnen! Pünktlich um Punkt 10 Uhr öffnete das "Sonnenbad" in Karlsruhe seine Pforten. Freibaden im Winter, das ist letztlich nichts Besonderes in einer Welt, in der es Spekulatius im August und Osterhasen im Januar gibt. Und auch das Münchner Oktoberfest startet - machen wir uns nichts vor - stets Mitte September.

28 Grad Wassertemperatur - Anbaden für Weicheier

Die ersten Schwimmer sind übrigens im Pyjama ins Wasser gesprungen, um symbolisch den Winterschlaf zu beenden. Der Pyjama ist ja so eine Art Burkini für Murmeltiere. Wer jetzt denkt, dass man bei den Temperaturen sehr wohl was Langärmeliges braucht, irrt gewaltig. Von wegen "nur die Harten komm' in Garten". Das Wasser in Karlsruhe hatte eine Temperatur von satten 28 Grad. Sozusagen ein Weicheier-Anbaden.

Über so was kann man bei den Weltmeisterschaften im Eisschwimmen nur lachen. Diese finden stets bei mindestens minus 10 Grad Celsius Außentemperatur in einem zugefrorenen See statt, aus dem man ein Schwimmbecken von 25 Meter Länge und zwölf Meter Breite aus dem Eis heraus sägt. Wer also schon immer mal wissen wollte, wie sich ein Eiszapfen fühlt, der sollte einmal bei der WM im Eisschwimmen mitmachen. Extremer Kältereiz, so sagt man, stärke ja auch das Immunsystem. So hat man es im antiken Sparta auch schon praktiziert. Übrigens, Sparta ist untergegangen!

Geschichte schreiben am 17. Februar

Insofern lieber bei 28 Grad Wassertemperatur an diesem schönen 17. Februar in Karlsruhe plantschen. Wussten Sie eigentlich, was am 17. Februar 1801 los war? Da wurde Thomas Jefferson zum dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt! Und zwar im 36. Wahlgang! Was das mit der Eröffnung der Freibadsaison in Karlsruhe zu tun hat? Nichts! Außer, dass ich im Moment ständig an irgendwas mit amerikanischem Präsident denken muss. In diesem Fall zum Beispiel, dass Jefferson es eher verdient hätte, im ersten Wahlgang gewählt zu werden, während ich Trump 35 verfehlte Durchgänge durchaus gegönnt hätte.

Auch Donald Trump täte ein Eisbad sicher gut

Ach, und noch was, wo wir schon mal bei Trump sind: Karlsruhe ist ja nicht nur Ort des ersten Anbadens in Deutschland, sondern auch Sitz des Bundesverfassungsgerichts. Vielleicht kann man sich also beim Rundendrehen im Warmwasserbecken mal Gedanken darüber machen, was wir für ein Glück haben, dass es sowohl bei uns als auch in den USA so etwas wie Gewaltenteilung gibt. Auch, wenn es Herr Trump vielleicht ganz gerne so machen würde wie der Herr Kaczyński in Polen oder der Herr Erdogan in der Türkei, damit ihm nicht noch einmal ein - wie Trump es ausdrückte - "sogenannter Richter" in seine Dekrete rein funkt.

Manchmal möchte man all diese Herren doch gerne mal zum Eisbaden schicken. Und während die dort einen kühlen Kopf bekommen können, drehen wir unsere Runden bei 28 Grad.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 17.02.2017 | 18:25 Uhr