Stand: 17.03.2016 17:25 Uhr

Die Franzosen sind wirklich nicht zu beneiden

Sollen wir Mitleid haben? In Frankreich ist zurzeit die halbe Nation auf Namenssuche. Im Rahmen einer Gebietsreform wurden 22 Regionen zu 13 neuen Großregionen zusammengelegt. Und die Hälfte dieser neuen Verwaltungsgebilde hat bisher provisorische Bindestrich-Bezeichnungen, die nun durch neue, sprechende Namen ersetzt werden sollen. Gar nicht so leicht ...

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So schön ist Frankreich, doch das Land hat es schwer: Wie sollen die Großregionen nur heißen?

Wissen Sie, wo "Nouvelle Austrasie", auf deutsch Neu-Austrasien, liegt? In Australien vielleicht? Austria, also Österreich? Keine Idee? Nein? Okay, das macht nichts. "Nouvelle Austrasie" ist ein Name, den man einmal gehört hat - und dann ganz schnell wieder vergessen kann. Oder aber sich auf ewig merken muss. "Nouvelle Austrasie" hat es bei der Suche nach einem Namen für die neue französische Groß-Region "Elsass-Champagne-Lothringen-Ardennen" nämlich in die Endausscheidung geschafft.

"Nouvelle Austrasie"? "Rhine-Champagne"? "Acalie"?

"Elsass-Champagne-Lothringen-Ardennen" ist definitiv zu lang, ein wahrer Zungenbrecher noch dazu. Das wollten die Verantwortlichen wirklich niemanden zumuten. Und deshalb dürfen die Menschen im Osten Frankreichs nun bis zum 1. April abstimmen, wie "Elsass-Champagne-Lothringen-Ardennen" künftig heißt. Neben "Nouvelle Austrasie" - in Anlehnung an einen historischen Namen - stehen noch "Rhine-Champagne" und "Acalie" zur Wahl - eine Abkürzung aus den französischen Anfangsbuchstaben von "Elsass-Champagne-Lothringen-Ardennen" - zur Wahl.

Ein bisschen zu viel des Guten

Und "Grand Est". Großer Osten! Größer geht's nicht. Ist aber - zugegeben - leicht zu merken. Und deutlich besser als die anderen Vorschläge, die es gar nicht erst bis in die Endrunde geschafft haben. Wie "Region Route du Vin" - also Region der Weinroute. Wie langweilig. Dann schon eher: "Le Trèfle de bonheur à l’est". Das Glückskreuz im Osten! Ist allerdings auch durchgefallen. Vielleicht war es ein bisschen zu viel des Guten.

Plattes Land heißt "Hoch-Frankreich"

Auch in anderen Landesteilen sind die Franzosen eifrig auf Namenssuche. Im Gebiet Auvergne-Rhône-Alpes steht zum Beispiel "Aura" auf der Beliebtheitsskala ganz oben, das verleiht der Region doch gleich noch eine besondere Note.

Die ersten, die eine neue Bezeichnung gefunden haben, sind übrigens die Franzosen im Norden, im Gebiet der Sch'tis. Aus den Regionen Nord, Pas-de-Calais und Picardie wird nun "Hauts-de-France" - Hoch-Frankreich. Das klingt einfach und großartig. Erinnert allerdings an Berge, obwohl das Land dort in Wahrheit platt ist wie eine Flunder. Auch egal!

Fast unten rechts, aber eben nicht ganz

Zu verdanken haben die Bürger ihre Groß-Regionen übrigens ihrem Präsidenten und seiner Gebietsreform. 22 Regionen wurden so zurechtgeschnitten, dass am Ende 13 herauskamen. Und dank Monsieur Hollande können sich Karikaturisten und kreative Menschen im Internet nun so richtig bei der Namenssuche austoben. Ein Vorschlag: In Anlehnung an Hoch-Frankreich sollten die restlichen Regionen einfach auch nach der geografischen Lage benannt werden. "Zentrum von Frankreich" erklärt sich von selbst. Die Region im Westen heißt künftig "Links-Frankreich". Und dann gibt’s noch die Region "Presqu’en-Bas-À-Droite-De-France-Mais-Pas-Tout-À-Fait". Was so viel bedeutet wie: die Region fast unten rechts in Frankreich, aber eben nicht ganz.

Wie wäre es mit "MeckPomSchleHo"?

Na gut, unbeteiligte Beobachter können sich ja leicht lustig machen. Dabei ist es wirklich nicht einfach, einen passenden Namen zu finden. Jetzt stellen Sie sich diese Aufgabe mal in Deutschland vor. Nehmen wir nur mal die Bindestrich-Länder Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein und fügen sie - rein theoretisch nur natürlich - zu einem neuen Bundesland zusammen. MeckPomSchleHo? Die Region der Meere? Oder Hoch-Deutschland? Einfach ist die Namenssuche nicht. Die Franzosen sind wirklich nicht zu beneiden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 17.03.2016 | 18:25 Uhr