Stand: 20.03.2017 17:53 Uhr

Wenn die Hand ins Leere greift

Der verweigerte Handschlag ist die maximale Kränkung des Gegenübers. Das hat am Sonntag Arjen Robben vom FC Bayern München bewiesen, als er beim Verlassen des Feldes die ausgestreckte Hand seines Trainers demonstrativ wegschlug. Und Robben ist nicht der Einzige, der diese Form der Kränkung beherrscht.

Eine Glosse von Detlev Gröning

Nur gut, dass der FC Bayern mit Thomas Müller jemanden hat, der einen verweigerten Handschlag an den Trainer zu deuten weiß: Das sei ein klares Zeichen für den Hunger nach maximalem Erfolg. Wir erinnern uns: Um diesem Appetit Ausdruck zu verleihen, musste früher ein Jürgen Klinsmann noch 'ne Werbetonne eintreten.

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"Willst Du echt nicht, Donald?" Trump verweigert Merkel den Handschlag.

Auch Donald Trump ahnt: Tritte gegen Sessellehnen oder Bodenvasen nach einem enttäuschenden Gerichtsurteil könnten der Weltöffentlichkeit recht unvorteilhafte Bilder liefern. Andererseits: Vom FC Bayern lernen heißt siegen lernen. Im Kampf um die Weltspitze genügt es heutzutage vielleicht schon, die ausgestreckte Hand der deutschen Kanzlerin einfach mal links liegen zu lassen, auch wenn die den US-Präsidenten nicht ausgewechselt hat.

Der Handschlag wird ohnehin überschätzt

Sei's drum: Der Handschlag wird in seiner Bedeutung ohnehin überschätzt. Traut man der Verhaltensforschung, ist er ursprünglich aus dem Winken hervorgegangen, also lediglich dem Präsentieren der leeren Waffenhand. Erst nachdem zu viele arglose Winker erhobenen Armes zu Schaden kamen, ergriff man irgendwann vorsichtshalber die Hand des Gegenübers, um sie auf Stich- und Schusswaffen zu kontrollieren.

In der Neuzeit erlangte der Handschlag zusätzlich Rechtskraft bei der Veräußerung von Nutztieren, als die Preisfindung per Handschlag besiegelt wurde. Eine Bedeutung, die man zuletzt beobachten konnte, als der türkische Staatspräsident einen Kuhhandel in der Flüchtlingsfrage mit landwirtschaftlichem Händedruck zum Abschluss bringen wollte, während sich die deutsche Kanzlerin schon gemütlich im Sultanatsgestühl eingerichtet hatte und dort erst mit einiger Verzögerung zum Einschlagen wieder herausfand. Bei diesem Kontakt soll es beiden übrigens leise auf die Jackettärmel geschneit haben, weil sich über den verschränkten Handflächen eine lokale Kaltfront bildete.

Europäischer Handschlag vs. Nasereiben oder Bruderkuss

Rein medizinisch ist das asiatische Dienern dem europäischen Handgeschüttel vorzuziehen. Wer wüsste das besser als einer, der bei "Wetten dass" sämtliche Staatsgäste am Händedruck erkannt hätte, also ein Bundespräsident nach zwei Amtszeiten und austrainiert vom großen Pfötchengeben beim Neujahrsempfang. Da gibt es kein Entrinnen, und wenn unter 200 Botschaftern auch nur 20 Schraubstöcke in der Schlange stehen, dann ist abends ein nicht minder großes Eincremen mit Gelenksalbe angezeigt.

Trotzdem haben wir es mit dem europäischen Handschlag noch gut getroffen. Ignorieren Sie mal jemanden, der sich zum gegenseitigen Nasereiben anpirscht oder einen, dem schon die Zunge zum sozialistischen Bruderkuss heraushängt. Ein hingehaltenes Händchen kann man mal übersehen, und was einem Fußballtrainer recht ist, kann der Kanzlerin doch billig sein.

Arjen Robben vom FC Bayern München © imago/MIS

Der verweigerte Handschlag

NDR Info -

Arjen Robben vom FC Bayern-München hat gestern die ausgestreckte Hand seines Trainers zurückgewiesen. Das war die maximale Kränkung.

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NDR Info | Auf ein Wort | 20.03.2017 | 18:25 Uhr