Stand: 27.01.2016 17:41 Uhr

Der Wunderheiler hat Langeweile

Er ging im Streit mit dem Star-Trainer Pep Guardiola: Für Bayern Müchens Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ging's erzwungenermaßen aufs Abstellgleis. Doch wenn die Trainer-Legende im Sommer den Abflug macht, können die Bayern ja die Sportmediziner-Legende aus dem einstweiligen Ruhestand zurückholen.

Eine Glosse von Taufig Khalil, Bayerischer Rundfunk

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Bald könnte man sich wieder auf die Verletzungspausen beim FC Bayern freuen ...

Zugegeben, die Spiele des FC Bayern sind ja schon länger eher etwas langweilig. Gegner verschanzen sich in Wagenburgen rund um das eigene Tor und der Rekordmeister schiebt sich solange den Ball hin und her bis er unvermeidlich im Tor landet. Abwechslung brachten da in der Vergangenheit bestenfalls Verletzungspausen. Aber nicht wegen der Verletzungen, sondern seinetwegen: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Wenn der Bayern-Doc mit wehendem Haar in einem Tempo auf den Platz rannte, das selbst seinem Patienten Usain Bolt zu Ruhm und Ehre gereicht hätte, dann erhoben sich die Massen zu stehenden Ovationen. Winnetou schien auferstanden aus den ewigen Jagdgründen. Die Haut gebräunt wie beim Häuptling der Apachen, im Gesicht trotz 73 Jahren keine Falte. Die Spieler, gerade noch scheinbar mit dem Tod ringend, plötzlich wieder in der Lage Real Madrid im Alleingang zu besiegen. Wunderheilungen per Handauflegen, die man bestenfalls aus dem neuen Testament kannte. Und dann im vergangenen Frühjahr, nach 37 Jahren: Ende. Aus. Alles schien noch viel schlimmer als bei Winnetous Tod durch den Banditen Rollins.

Streit zwischen Trainer und Mannschaftsarzt

Nach monatelangem Sperrfeuer durch den Schurken Guardiola gab der Doc auf. Der Katalane im Dauerkrieg mit "Mull", wie Müller-Wohlfahrt von seinen Patienten liebevoll genannt wird. Angeblich wollte "Mull" angeschlagene Spieler schützen, Pep sie aber lieber verheizen. Viel wahrscheinlicher konnte Guardiola nur nicht ertragen, dass da einer im Trainingsanzug noch besser aussieht als er in seinen eng geschnittenen Anzügen und den glänzenden Halbschuhen.

Guardiola zum Zusehen an der Seitenlinie verdammt, bestenfalls mit Körperkontakt zu Linienrichtern und vierten Offiziellen - der andere im Fokus der Kameras und Zigtausend jubelnden Fans beim Wunderheilen.

Fliegender Wechsel: Pep weg, "Mull" wieder da

Fliegende Mähne kontra Glatze. Zwei Götter sind einer zu viel. Die Kritik an "Mull": Majestätsbeleidigung oder gar Götterdämmerung. "Mull" weg, aber Pep alleine zu Hause. Die Spieler folgten ihrem Messias. Und jetzt bald: Pep weg, "Mull" wieder da. Gut so, denn auch wenn die Spiele der Bayern mangels Konkurrenz auch künftig nicht spannender werden: Auf die Verletzungspausen freut man sich schon fast wieder ein bisschen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 27.01.2016 | 18:25 Uhr