Stand: 02.01.2017 09:41 Uhr

Dank Elterngeld nehmen sich mehr Väter Zeit fürs Kind

von Elisabeth Weydt, NDR Info

Vor zehn Jahren wurde das Elterngeld eingeführt. Damals hatte es heftige Diskussionen ausgelöst: Eine Mutter habe möglichst lange bei ihrem Kind zu bleiben, ergo müsse der Vater Vollzeit arbeiten, hatten konservative Kritiker behauptet. Heute sprechen Politiker, Wirtschaftswissenschaftler und Eltern von einem Erfolg.

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Kommen regelmäßig zum Väterverein: Niko und sein Sohn Erik.

Beim Frühstückstreff des Vätervereins in Hamburg sitzen sieben Väter in Socken auf Matten. Ihre Kleinen krabbeln um sie herum. Es gibt Spielzeug, Kaffee und Käsebrot. Niko Steiner kommt regelmäßig mit seinem fast einjährigen Sohn Erik. Als Selbstständiger organisiert er Outdoor-Aktivitäten. Gerade nimmt er sechs Monate Elternzeit plus. Das heißt, er arbeitet so lange halbtags, seine Frau ebenfalls. Er sagt, sie hätten sich schon immer fast alles aufgeteilt: "Meine Frau ist ebenso arbeitswütig wie ich, aber wir wollen auch beide unser Kind betreuen, von daher ist es die perfekte Mischung gewesen.“

Vor der Einführung des Elterngeldes war es üblich, dass Mütter für mehrere Jahre, manchmal auch für immer zu Hause bleiben. Mittlerweile geht fast jede zweite Frau nach einem Jahr wieder zur Arbeit. Umgekehrt nehmen heute gut 30 Prozent der Väter zumindest eine kurze Elternzeit, verglichen mit drei Prozent vor der Reform. Niko Steiner sagt, er sei dankbar, dass sowohl er als auch seine Frau ihr Kind aufwachsen sehen können. "Das ist ein großes Geschenk, wirklich ganz toll.“

Zwölf Monate Elternzeit - und dann ohne Job

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Roland Jenner hilft Vätern, die - so wie er - die Elternzeit wahrnehmen wollen.

Auch der Geschäftsführer des Vätervereins, Roland Jenner, nahm Elternzeit, ganze zwölf Monate, danach wollte ihn sein Arbeitgeber - eine Bank - allerdings nicht mehr haben. Seitdem arbeitet er hauptamtlich in dem Verein, hört solche Geschichten in der Beratung allerdings so gut wie nie, sagt er. Sorgen machten sich die Väter trotzdem. Sie fragten sich etwa, ob sie in der Elternzeit überhaupt noch als Mann wahrgenommen werden oder ob sie vielleicht belächelt werden. Es würden aber immer mehr Väter die Elternzeit-Monate einfordern. "Es gibt viele, die sagen, das ist es mir einfach wert, diese Zeit zu verbringen, die kommt so nicht wieder und ich möchte sie, auch wenn ich das Gefühl habe, es wird nicht so positiv aufgenommen im Unternehmen.“

Großteil der Väter nur zwei Monate in Auszeit

Ein Großteil der Väter nimmt aber dennoch lediglich die zwei zusätzlichen Partnermonate, die es nur zu den üblichen zwölf Monaten dazu gibt, wenn beide Elternteile in Elternzeit gehen. Anna-Sophie Hoffmanns Mann ist so jemand. Die Ärztin ist gerade zum zweiten Mal in Elternzeit. Von Anfang an war klar, dass die Aufteilung so läuft: zwölf Monate sie, zwei Monate er. "Wir haben uns nie groß darüber unterhalten, obwohl ich manchmal gedacht habe, dass ich meinen Job schon echt super finde.“ Aber sie hätte die Stillzeit nicht früher beenden wollen.

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Die Elternzeit wird bei Familie Hoffmann von beiden Partnern beansprucht.

Anna-Sophie Hoffmann sieht das Elterngeld als gesellschaftliche Anerkennung für die Elternarbeit. Es ist mit ungefähr zwei Drittel des vorherigen Gehalts oft deutlich mehr als das frühere Erziehungsgeld von 300 Euro monatlich. Anna-Sophie Hoffmann war ein Jahr in den USA und hat dort ganz anderes beobachtet. "Meine Freundinnen von dort haben Kinder gekriegt, und die mussten eigentlich nach acht bis zwölf Wochen nach der Geburt wieder zurück kommen, weil sie sonst keinen gesicherten Arbeitsplatz mehr gehabt hätten. Sie fände es nur schwer vorstellbar, ihr Kind, das jetzt gerade fast zwölf Wochen alt ist, schon abgeben zu müssen.

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NDR Info | 02.01.2017 | 10:08 Uhr