Stand: 16.11.2017 14:10 Uhr

400 Millionen für den Weltenherrscher

400 Millionen Dollar plus 50 Millionen Gebühren gingen jetzt in New York bei einer Auktion für Leonardo da Vincis "Salvator Mundi" über den Tisch. Der "Heiland der Welt" ist damit das teuerste gehandelte Gemälde der Welt.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Millionen für den Meister. Warum nicht gleich so, fragt Detlev Gröning.

Das war wieder mal einer dieser Tage, an denen die alten Meister in ihren Gräbern rotieren. Es ist ja zum Auswachsen: Immer erst sterben müssen bevor das eigene Werk Jahrhunderte später zu einem halbwegs fairen Preis gehandelt wird, das wird mit jeder Auktion frustrierender. "Warum nicht gleich so?", fragt sich mancher mittelalterliche Künstler posthum, etwa ein Johann Sebastian Bach angesichts entgangener Aufführungsentgelte für alles was aus seiner Feder Jahr für Jahr weggeorgelt wird.

Nun muss uns ein Leonardo nicht ganz so leid tun. Für den Salvatore Mundi hat ihm seinerzeit der französische König satte 6250 Golddukaten überwiesen - da stand die Rente mit 66 auf sicheren Beinen, wenn auch auf ärgerlich kurzen, wie sich ein Jahr nach dem letzten Pinselstrich herausstellte.

Aber jetzt gleich 400 Millionen? Da fällt uns Besitzern des Elfenreigens doch der Heiland vom Kreuz! Dabei ist der Da Vinci-Jesus nur das am teuersten gehandelte Gemälde, nicht jedoch das wertvollste, da hat der italienische Tausendsassa sogar noch Luft nach oben: Legt man die Mona Lisa und den Weltenherrscher - also die Mona Lisa mit Bart, die augenfällig gerade über den gleichen Scherz schmunzelt - legt man also diese beiden Werke zusammen, dann bekommt man für das gleiche Geld vier brasilianische Mittelstürmer, den halben deutschen Kulturhaushalt und kann gleichzeitig einen Formel-1-Weltmeister sechs Jahre lang im Kreis fahren lassen.

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

400 Millionen für den Weltenherrscher

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400 Millionen Dollar plus 50 Millionen Gebühren gingen bei einer Auktion für Leonardo da Vincis "Salvator Mundi" über den Tisch. Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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Aber wenn alte Gemälde so teuer sind, was ist dann mit dem jugendstilgerahmten Damoklesschwert, das jahrzehntelang über dem Sofa der Großeltern schwebte? Genauer gefragt: Warum wird jemand für irgendeinen düsteren Renaissance-Schinken mit Kohle zugeschüttet und ich kriege für die lauschige Wassermühle vor dem Alpenpanorama mit Glück achzisch Euro bei "Bares für Rares"?

Ja nun: Warten Sie einfach mal in Ruhe zwanzig, dreißig Generationen ab. Das wird einem irgendwann nicht mal mehr schwerfallen. Der DaVinci von gestern hat auch mal klein angefangen, als er 1958 verkannt und für 45 britische Pfund verhökert wurde. Danach hat die Zeit so lange für sein Jesusbild gearbeitet, bis heute in einem zutiefst christlich durchdrungenen Scheichtum die passenden Dübellöcher in die Palastwand gebohrt werden.

Das muss kein Einzelfall bleiben, und darum hüten Sie Ihre diskreditierten Kunstschätze! Der röhrende Hirsch auf der Waldlichtung frisst doch kein Brot auf dem Dachboden. Und wer weiß: Eines fernen Tages geht da vielleicht was...

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 16.11.2017 | 18:25 Uhr