Stand: 06.12.2017 11:20 Uhr

Hilfe für Kinder aus Suchtfamilien in Osnabrück

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Isabella, Chantall und Luci lernen in der "Trampolin"-Gruppe spielerisch, wie sie Probleme besprechen und neuen Mut fassen können.

Das Projekt "Trampolin" in Osnabrück fängt Kinder aus suchtbelasteten Familien auf. Ziel des Projekts ist es, den Kindern einen Raum dafür zu geben, spielerisch ihre Stärken zu entdecken und ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Auch Isabella nimmt die Angebote des Projekts wahr. Sie ist zwölf Jahre alt, ihr Vater ist Alkoholiker. Schon seit sie fünf Jahre alt ist, weiß sie, dass ihr Vater anders ist und eine Krankheit hat: "Schon damals ist es mir aufgefallen, dass er immer Bier in der Wohnung hat. Und das war nicht so schön. Dann war er immer am Schlafen und das war auch doof."

Spielerisch lernen, über Probleme zu sprechen

Der Vater wohnt nicht mehr zu Hause - doch er und seine Krankheit beschäftigen Isabella noch immer. Seit einem Jahr besucht sie die "Trampolin"-Gruppe. Dort trifft sie Kinder, die auch Erfahrungen mit alkoholkranken Familienmitgliedern gemacht haben. Durch Spiele und Gespräche hat sie gelernt, über ihre Gefühle zu reden: "Auf der einen Seite finde ich schon, dass es sein Leben ist, aber auf der anderen Seite ist man natürlich auch traurig, weil wir keinen Kontakt mehr zu ihm haben, und das kränkt einen dann auf der anderen Seite auch. Der hat sich halt noch nie wirklich um uns gekümmert, das hat immer unsere Mutter gemacht."

Ängste werden schnell abgebaut

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Die Mädchen in der "Trampolin"-Gruppe haben viel Spaß zusammen. Sie treffen sich ein Mal in der Woche.

Tobias von der Heyde leitet das Projekt "Trampolin". Zurzeit kommen drei Mädchen - einmal in der Woche verbringen sie anderthalb Stunden Zeit zusammen: "Es ist gar nicht so leicht, eine Gruppe zu füllen in dem Bereich. Und das ist sehr verständlich. Erst mal wird so das Thema Sucht nicht gerne öffentlich gemacht. Hier bestünde ja auch die Gefahr, dass sich die Kinder austauschen - dass man es auch nicht mehr kontrollieren kann, wer spricht mit wem." In der Regel werden aber diese Ängste der Familien schnell abgebaut.

Der Gruppe geht es keinesfalls darum, Familien auseinanderzubringen - der Fokus liegt auf den Kindern. Sie sollen gestärkt werden. Viele Kinder würden sich anfangs noch Vorwürfe machen, dass sie etwas falsch gemacht hätten und sie verantwortlich dafür seien, dass die Eltern trinken, so von der Heyde. "Wir versuchen hier, dieses System Abhängigkeit darzustellen und dass die Kinder an der Abhängigkeit der Eltern nicht schuld sind."

Die "Trampolin"-Gruppe macht Mut

Die elfjährige Chantall genießt die Zeit in der Gruppe. Ihr Großvater ist Alkoholiker. Sie hat sich getraut, ihm einen Brief zu schreiben und zu sagen, dass sie es nicht mag, wenn er trinkt und deswegen lügt. Mut und vieles mehr gibt ihr die "Trampolin"-Gruppe: "Dass man nicht immer auf das Äußere schauen soll, auch auf das Innere. Ich lerne auch, besser mit mir selbst umzugehen, manchmal komme ich einfach nicht klar." In der Gruppe merkt sie dann, dass sie nicht alleine ist. Im Team wird eine Grundlage geschaffen, damit alle auch in Zukunft mit schwierigen Situationen besser umgehen können. Die zehnjährige Luci scheint ihren Weg gefunden zu haben. Über ihren alkoholkranken Vater sagt sie: "Ja, ich bin schon sauer, aber man kann ja nichts daran ändern."

Hilfe und Informationen zum Thema bietet die Broschüre der Drogenbeauftragten der Bundesregierung.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 06.12.2017 | 11:20 Uhr