Stand: 30.11.2017 11:12 Uhr

Kinderarmut im Norden: Zahlen und Fakten

Die NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" unterstützt in diesem Jahr Kinder und Familien in Not. Diese entsteht auch durch Armut. Sie beeinträchtigt Kinder und behindert ihre Entwicklung. Der Anteil armer Kinder in Deutschland ist seit 2011 um 0,4 Prozent leicht angestiegen und lag 2015 bei 14,7 Prozent. In absoluten Zahlen sind das im Norden 402.587 Kinder, bundesweit 1.931.474 Kinder unter 18 Jahren, die in Familien leben, die eine Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB-II) beziehen.

Kinderarmut ist immer auch die Armut der Eltern

Bei den Ursachen für Kinderarmut spielen die Erwerbstätigkeit der Eltern und die finanzielle Situation in der Familie eine große Rolle. Die damalige Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles (SPD) spricht in ihrer Rede am 28. Juni 2017 zum 5. Armuts- und Reichtumsbericht vor dem Deutschen Bundestag das Thema Kinderarmut deutlich an: "Die wichtigste Maßnahme zum Abbau der Kinderarmut ist die Beschäftigung der Eltern. In Familien, in denen kein Elternteil beschäftigt ist, liegt das Armutsrisiko der Kinder bei über 60 Prozent. Schon bei einem Elternteil in Vollzeit sinkt diese Quote auf 15 Prozent. Arbeiten beide, liegt das Risiko bei drei Prozent, unterhalb der allgemeinen Armutsrisikoquote."

Armut - was heißt das genau?

Die Europäische Union definiert: Wer mit 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) in der Bevölkerung auskommen muss, ist armutsgefährdet. Arm ist, wer mit weniger als 50 Prozent haushalten muss. Das ist in Deutschland ein Jahreseinkommen von weniger als 11.530 Euro. 2016 liegt die Armutsgefährdungsquote in Deutschland bei 15,7 Prozent. Zum Vergleich: Spanien liegt bei 22,3, Frankreich bei 13,6 und Dänemark bei 11,9 Prozent.

Begriffsklärung

Armutsgefährdet, Armutsrisiko: Weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens
Armutsgrenze: Weniger als 50 Prozent des mittleren Einkommens
Mittleres Einkommen (Median): Die Einkommen einer bestimmten Gruppe werden von niedrig nach hoch sortiert. Der mittlere Wert definiert das Medianeinkommen.
Durchschnittseinkommen: Alle Einkommen werden zusammengerechnet und durch alle Haushalte dividiert, das Ergebnis ist der rechnerische Mittelwert der Einkünfte
Äquivalenzeinkommen: Alle Einkommen in einem Haushalt werden zusammengerechnet und dann durch die Mitglieder nach einem bestimmten Berechnungsschlüssel geteilt
SGB-II-Bezug: Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch, Grundsicherung für Arbeitssuchende
OECD-Skala: OECD steht für "Organisation for Economic Co-operation and Development" und die Skala ist ein Faktor zur internationalen Vergleichbarkeit von Einkommensberechnungen

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Dieses Thema im Programm:

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