Stand: 16.12.2016 17:30 Uhr

Hospize leisten eine sehr wichtige Arbeit

Der NDR hat bei seiner Spendenaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" in diesem Jahr die Hospize in den Mittelpunkt gestellt. Aber was ist das eigentlich genau? Und wie steht es in Deutschland um die Palliativmedizin?

Ein Kommentar von Peter Mücke, NDR Info

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Peter Mücke wünscht sich, dass Alten- und Pflegeheime in Zukunft besser vom Hospiz- und Palliativgesetz profitieren.

Der Begriff "Palliativmedizin" leitet sich vom lateinischen Verb "palliare" ab: mit einem Mantel umhüllen oder auch verbergen. Doch das bedeutet nicht, dass der Tod aus der Öffentlichkeit verbannt oder das Sterben verborgen werden soll. Im Gegenteil: In der Palliativmedizin geht es um die Lebensqualität eines Sterbenskranken, sein subjektives Wohlbefinden, seine Wünsche und Ziele in der Endphase des Lebens.

Für die Mediziner heißt das: Es geht nicht mehr darum, den Patienten zu heilen - also den Tod zu bekämpfen -, sondern im Gegenteil dem Patienten das Sterben zu erleichtern. Nicht durch Sterbehilfe, sondern durch die Linderung von Schmerzen und anderen Krankheitsbeschwerden, aber auch von psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen. Der Patient wird also im besten Falle mit einem Mantel der Fürsorge umhüllt.

Dank an Ehrenamtliche kann nicht groß genug sein

Ein Ort, an dem ein Sterbender so auf seinem letzten Weg begleitet wird, ist das Hospiz. Die erste stationäre Einrichtung dieser Art wurde 1967 in Großbritannien gegründet, in Deutschland erst 21 Jahre später. Inzwischen gibt es hierzulande rund 230 stationäre Hospize, mehr als 1.500 ambulante Hospizdienste und 300 Palliativstationen in Krankenhäusern.

Dass die Palliativversorgung in Deutschland inzwischen vergleichsweise gut ist, ist vor allem den vielen Ehrenamtlichen zu verdanken, die sich in Hospizen engagieren oder Todkranke und ihre Angehörigen zu Hause betreuen. Denn Palliativversorgung ist mehr als nur das medizinische Lindern von körperlichen Schmerzen. Oft geht es einfach um Reden und Zuhören - um Seelsorge im besten Sinne.

Viele Einrichtungen sind überfordert

Aber auch der Gesetzgeber hat einiges getan, auch wenn das im Getöse um die Sterbehilfedebatte vor einem Jahr etwas untergegangen ist. So bekommen stationäre Hospize jetzt pro Gast 250 Euro am Tag von der Pflegekasse bezahlt, 52 mehr als zuvor. Auch ambulante Hospizdienste bekommen höhere Zuschüsse. Ärzte und Krankenhäuser profitieren auch vom Hospiz- und Palliativgesetz, das jedoch ein großes Manko hat: Alten- und Pflegeheime werden kaum berücksichtigt.

Schon heute stirbt jeder vierte Mensch in Deutschland in einem Pflegeheim - Tendenz steigend. 90 Prozent von ihnen bräuchten eine palliative Versorgung am Lebensende, schätzen Experten. Doch viele Einrichtungen sind mit dieser Aufgabe überfordert. Zu viele alte Menschen werden für ihre letzten Lebenstage noch in ein Krankenhaus verlegt, obwohl die meisten lieber in einer häuslichen Umgebung sterben würden.

Den Tod nicht verdrängen

Und auch in manchen Krankenhäusern fällt es schwer, von der Heilung auf die Sterbebegleitung umzustellen. Noch immer geht es häufig um eine Lebensverlängerung um jeden Preis, auch wenn das zulasten der Lebensqualität der Patienten geht. Hier sind nicht nur die Ärzte gefordert, sondern jeder Einzelne: Den Tod nicht zu verdrängen, sondern sich frühzeitig Gedanken um das eigene Sterben zu machen.

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NDR Info | Kommentare | 16.12.2016 | 17:08 Uhr