Stand: 14.03.2017 09:20 Uhr

55 Jahre nach der Sturmflut: Das Wiedersehen

von Petra Volquardsen

Anfang Februar haben NDR 90,3 und das Hamburg Journal sich zusammen mit Hörern und Zuschauern an die Sturmflut vor 55 Jahren erinnert. Viele Hamburgerinnen und Hamburger haben die Namen der Hamburger Opfer eingesprochen - unser akustisches Denkmal, das auch im Hamburger Michel zu hören war. Durch diese Berichte ist jetzt etwas richtig Schönes entstanden: Ein Retter und ein Geretteter von damals haben sich wiedergetroffen.

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Ein Wiedersehen nach Jahren: Harald Freese, seine Tochter Birgit Masch und sein Retter in der Sturmflutnacht, Ekkehart Heidtmann.

Bei Harald Freese in Kirchdorf ist die Kaffeetafel gedeckt, seine Frau hat Kuchen gebacken. Mit am Tisch sitzt Ekkehart Heidtmann. "20 Meter Deich kamen in Bewegung und rutschten als Ganzes über die Straße", erinnert sich Harald Freese, pensionierter Polizist. Er erzählt noch einmal, wie das damals war in der Sturmflutnacht - als er im Streifenwagen bei Stillhorn vom Deichbruch überrascht wurde. Das Wasser stieg rasant an und umspülte das Fahrzeug, einen Ford Taunus. Ekkehart Heidtmann saß damals mit im Streifenwagen, in der Sturmflutnacht war er als Bundeswehr-Helfer im Einsatz. "Ich war mit drei Lkw und Soldaten unterwegs", erinnert er sich. Der Peterwagen habe ihnen den Weg gewiesen, "und um Kontakt zu halten, bin ich hinten rechts in den Peterwagen rein." Da sei es dann auch schon losgegangen, ein frischer Deichbruch in Stillhorn.

Aus dem Streifenwagen gerettet

Der Bundeswehr-Helfer Heidtmann reagierte am schnellsten. Er rettete den Fahrer und Beifahrer aus dem Streifenwagen. "Ich war der Fahrer", sagt Harald Freese. In der Sturmflutnacht verloren sich die Männer nach der Rettung schnell wieder aus den Augen. Wie es kommt, dass sie jetzt zusammen hier sitzen, erklärt Harald Freeses Tochter, Birgit Masch: "Ich war im Michel bei der Gedenkveranstaltung und wurde nach der Veranstaltung interviewt. Und diesen Beitrag, den hat Herr Heidtmann im Fernsehen gesehen." "Das war der Hammer", erzählt Ekkehart Heidtmann, "da seh ich die Dame, die erzählt, ihr Vater war im Peterwagen, und in Stillhorn ist er dann abgesoffen - ich denk 'hallo, du warst doch in Stillhorn.'"

Besucher bei NDR 90,3 zum Einsprechen der Namen von Sturmflutopfern.  Fotograf: Marco Peter

Gedenken an die Opfer der Sturmflut von 1962

Hamburg Journal -

Hamburgerinnen und Hamburger haben die Namen der Opfer der Sturmflut von 1962 eingesprochen. Am 55. Jahrestag der Katastrophe, am 16. Februar sendet NDR 90,3 die Aufnahmen.

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"Dafür braucht man nicht zu danken"

Ekkehart Heidtmann meldet sich beim Hamburg Journal, die Redaktion stellt den Kontakt her. Sich hier und jetzt wiederzutreffen - Harald Freese kommen die Tränen: "Hab ich nicht mit gerechnet, dass wir nach so vielen Jahren noch mal Kontakt bekommen. Das ist schön." "Das ist so lange her und jetzt lernst du ihn kennen - das ist ein Erlebnis kurzer Art, aber das war sehr tragend", erzählt der damalige Bundeswehr-Helfer Ekkehart Heidtmann, der heute in Flottbek wohnt. Und dann sagt Harald Freese, was er seinem Retter all die Jahre schon gern gesagt hätte: "Danke." Die Antwort kommt prompt: "Dafür braucht man nicht zu danken, das ist eine Selbstverständlichkeit." Eine dramatische Angelegenheit, die sie dann aber gut hingekriegt hätten, so der Retter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 14.03.2017 | 11:40 Uhr