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Intendanten und Direktoren im Porträt

Die Bildergalerien zeigen die Intendanten, Stellvertretenden Intendanten und die Direktoren des NDR. mehr

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Ein altes Radio © picture-alliance/KPA/Wolfram Weber Fotograf: Wolfram Weber
 

Von langen und kurzen Wellen

Programm braucht Technik. Der Weg der Lang- und Kurzwellen von den Anfängen der Rundfunkübertragung bis zur regelmäßigen Ausstrahlung von Stereosendungen. mehr

 

80 Jahre Funkhaus an der Rothenbaumchaussee

von Hans-Ulrich Wagner, Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland

Das Norag-Haus 1931  Detailansicht des Bildes Das Norag-Haus im Schnee (1931) Am 8. Januar 1931 erhielt der Rundfunk in Norddeutschland eine neue Anschrift: Hamburg, Rothenbaumchaussee 132 – eine Adresse, die seit nunmehr 80 Jahren Bestand hat. Auf dem damals gut 6.000 Quadratmeter großen Gelände im gutbürgerlichen Stadtteil Harvestehude gab die Nordische Rundfunk AG, kurz: Norag, eine neue architektonische Visitenkarte ab. Nach außen zeigte sich die 47 Meter lange Fassade hanseatisch zurückhaltend, präsentierte eine von der Neuen Sachlichkeit beeinflusste Gebäudefront, innen aber wartete man mit dem neuesten Stand der Technik auf.

Siegeszug des Rundfunks

Der Zeitpunkt der Einweihung des neuen Funkhauses im Januar 1931 markierte einen Höhepunkt in der Entwicklung des Rundfunks in Deutschland. Nur sieben, acht Jahre zuvor waren in mehreren großen Städten Rundfunkgesellschaften gegründet worden – in Hamburg als fünfter Metropole im Deutschen Reich am 2. Mai 1924.

Die Anfänge in der Binderstraße

Zunächst hatte die Norag im Fernmeldeamt in der Binderstraße einige Studios und Verwaltungsbüros bezogen, denn Rundfunk war damals eine Unternehmung von privaten Finanziers und Staat, in diesem Fall der Post bzw. des Fernmeldewesens. Von Anfang an herrschte Platzmangel im Fernmeldeamt. Die Raumnot wuchs, als der Programmbetrieb immer weiter zunahm und das neue Medium Rundfunk zur Erfolgsgeschichte wurde. Die Zahl der Hörer kletterte rasant, von 70.000 (1924) auf über 621.000 (1931) im Norden, wohlgemerkt: von angemeldeten Rundfunkteilnehmern, die bei der Post monatliche Gebühren zahlten. Hinzu kam eine Vielzahl von so genannten Schwarzhörern und Radioamateuren. Speziell in den Städten herrschte ein erster regelrechter Radio-Boom.

Erfolg braucht Raum

Luftaufnahme Funkhaus 1931  Detailansicht des Bildes Aus der Luft: Das Norag-Gelände mit dem Funkhaus 1931 Dieser Siegeszug des neuen Mediums bedeutete für die Norag, damals eine der größten Sendegesellschaften, einen soliden wirtschaftlichen Erfolg. Ihre Geschäftsberichte wiesen steigende Gesamteinnahmen aus, für 1930 über 6,7 Millionen Reichsmark aus Teilnehmergebühren.

277 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeiteten das Musik- und Wortprogramm, ergänzt um eine Vielzahl von freien Mitarbeitern aus Orchestern und Chören, Sprechern und Autoren. 1930 lieferte die Norag über 6.200 Stunden Programm ins Haus. Aus den provisorischen Studios im Fernmeldeamt war dieses Angebot bald nicht mehr zu stemmen. Eine räumliche Lösung musste gefunden werden.

Die Engelbrecht‘sche Villa wird um(ge)baut

Die Engelbrecht’sche Villa 1929  Detailansicht des Bildes Die Engelbrecht'sche Villa an der Rothenbaumchaussee: Bereits 1928 zogen hier Verwaltung und Direktion der Norag ein. Bereits im März 1928 hatte die Norag die Engelbrecht‘sche Villa in der Rothenbaumchaussee 132 angemietet. In der alten Patriziervilla wurden zunächst Verwaltung und Direktion untergebracht. Das sorgte in der Binderstraße für etwas Entlastung. Als die Villa 1929 zum Verkauf stand, griff das junge Medienunternehmen zu. Für 290.000 Mark, so hielt es der Kaufvertrag am 1. Juni 1929 fest, wechselten Grundstück und Gebäude den Besitzer. Mit einem Gespür für öffentlichkeitswirksame Publicity erfolgte die Grundsteinlegung pünktlich zum fünften Geburtstag des neuen Mediums am 2. Mai 1929.

Die Engelbrecht’sche Villa 1929  Detailansicht des Bildes Die Engelbrecht’sche Villa 1929, das Haus bekommt ein modernes Gesicht. Ein Funkhausneubau sollte rund um die Villa entstehen. Beauftragt mit den Plänen wurde das Hamburger Architektenbüro Alfredo Puls und Emil Richter. Puls & Richter hatten sich in den 1920er Jahren bereits mit einigen Bauvorhaben in der Hansestadt präsentiert. Nun reihte sich das Team in die kurze Reihe der Funkhausarchitekten in Deutschland ein. Denn Funkhäuser waren zu diesem Zeitpunkt eine absolute Neuheit. Nur in Berlin hatte Jochen Poelzig das große Funkhaus in der Masurenallee geschaffen und in München arbeitete Richard Riemerschmid an einem Rundfunkgebäude für die „Deutsche Stunde in Bayern“.

Rundgänge durch das Funkhaus

1930: Großer Sendesaal an der Rothenbaumchaussee: 18 Meter lang, 19 Meter breit und 10 Meter hoch  Detailansicht des Bildes Kompliziertes Innenleben: der große Sendesaal an der Rothenbaumchaussee (1930) Stolz gewährte man während der 18-monatigen Umbauzeit Besuchergruppen immer wieder Einblick in das Gebäude, das zu Europas modernsten Funkhäusern seiner Zeit zählen sollte. Sein Herzstück bildete der große Sendesaal. 18 Meter lang, 19 Meter breit und 10 Meter hoch: das waren keine spektakulären Ausmaße, handelte es sich doch nicht um einen Raum für öffentliche Aufführungen, sondern um einen Saal, der speziellen akustischen Anforderungen der Aufnahme- und der Sendetechnik genügen sollte. Professor Dr. Ing. Eugen Michel von der Technischen Hochschule in Hannover führte die Vorberechnungen für den akustischen Teil durch, die Senderverantwortlichen, allen voran Norag-Intendant Hans Bodenstedt und und Norag-Vorstandsmitglied Dr. Kurt Stapelfeldt, steuerten ihre bisher erworbenen Praxiserfahrungen bei.

Alles für eine „möglichst vollkommene ‚Hörsamkeit‘“

In zeitgenössischen Berichten werden die beweglichen Wände gerühmt, die es erlaubten, unterschiedliche akustische Räume zu erzeugen. Darüber hinaus konnten die Galerien der Längswände mit unterschiedlichen Oberflächen geschlossen werden. An der absenkbaren Decke befand sich eine ausgeklügelte Kork-Stalaktitenbildung. Hinzu kam, dass die Orchesterflächen hydraulisch angehoben und abgesenkt werden konnten. In der Summe entstand ein „Raum mit einer möglichst vollkommenen ‚Hörsamkeit‘“, wie es ein Mitarbeiter des Architekturbüros beschrieb. Ein Glanzstück darin bildete die Welte-Funkorgel.

Doch damit noch nicht genug. Um dieses Zentrum des neuen Gebäudes herum wurden mehrere kleinere Räume errichtet, die speziellen akustischen Anforderungen genügen mussten – etwa im Saal für Kammermusik oder in einem Raum für akustische Experimente.

Der Uhrturm als Wahrzeichen

Bauarbeiter auf dem Dach des ehemaligen Norag-Gebäudes  Detailansicht des Bildes Bau des Uhrenturms am Funkhaus Rothenbaumchaussee, 1930 Der Stolz auf die technische Innovation und den Fortschritt schwingt in vielen zeitgenössischen Beiträgen mit. So wurde die Spezial-Isolierschicht hervorgehoben, auf der das ganze Gebäude stand. Die eigene Strom-Versorgung und die Regelung von Temperatur und Luft fanden große Beachtung, ebenso die aufwändige Antennen- und Kabeltechnik.

Zwei Männer mit dem großen Ziffernblatt am Uhrenturm  Detailansicht des Bildes Zwei Meter Zifferblatt am Uhrenturm des Funkhauses (August 1930) Ein sichtbarer Höhepunkt im wahrsten Sinn des Wortes war schließlich die eigene Hauptuhr, die am Funkhausturm auf einem nachts beleuchteten, knapp zwei Meter großen Zifferblatt die Uhrzeit anzeigt – generiert von einer eigenen Zeitdienstanlage in einem eigenen Uhrenraum. Bereits am 1. Januar 1929 konnte die Norag zum ersten Mal ihr eigenes Zeitsignal im Programm senden.

Europäisches Konzert

Aufnahme von 1931: der große Sendesaal  Detailansicht des Bildes Der große Sendesaal ist bereit für das "Europäische Konzert" am 8. Januar 1931 Die offizielle Inbetriebnahme des neuen Funkhauses am 8. Januar 1931 wurde mit einem musikalischen Programmhöhepunkt gebührend gefeiert. Von 20.35 Uhr bis 22.15 Uhr führte das Philharmonische Orchester unter Leitung von Karl Muck im Rahmen des ersten „Europäischen Konzerts“ drei Werke des in Hamburg geborenen Komponisten Johannes Brahms auf. Der regionalen Verbundenheit entsprach die internationale Dimension. Denn dieses Festkonzert wurde vom Deutschlandsender, vom Deutschen Kurzwellensender und dem Mitteldeutschen Rundfunk übertragen sowie darüber hinaus von Sendegesellschaften in Basel, Belgrad, Bern, Budapest, Lausanne, Prag, Warschau und Wien. Ein Rundfunkkritiker hielt damals fest: „Die Übertragung kann, vom rein akustischen Standpunkt aus betrachtet, als außerordentlich gelungen bezeichnet werden“.

Die Auswirkungen der Weimarer Republik

Mit vielen ihrer Programmangebote wurde die Norag zu einem Motor der Niederdeutschen Bewegung, engagierte sich auf hohem Niveau gleichzeitig im literarischen und musikkulturellen Bereich und schlug Brücken ins europäische Ausland.

Aber mit der Eröffnung des neuen Funkhauses war ein Zenit der rundfunkgeschichtlichen Entwicklung auch schon überschritten. Die wirtschaftlichen Krisen der letzten Jahre der Weimarer Republik zwangen auch den Rundfunk zu drastischen Einsparmaßnahmen. Politisch wurden immer mehr Rundfunkkompetenzen von der Länder- auf die Zentralebene in Berlin verlagert.

Im Sommer 1932 war der Rundfunk in Deutschland weitgehend verstaatlicht und wurde von der Reichsregierung instrumentalisiert. Das attraktive und wirkmächtige Medium Rundfunk fiel 1933 den Machthabern des „Dritten Reiches“ somit buchstäblich in die Hände. Auch auf dem modernen Funkgebäude in der Rothenbaumchaussee wehten nur zwei Jahre nach der Einweihung die nationalsozialistischen Flaggen.

Links

Die Forschungsstelle Geschichte des Rundfunks in Norddeutschland beschäftigt sich mit der Erforschung historischer Medienentwicklungen.

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Weitere Informationen

Norag - das fünfte Jahr

Ausschnitte aus dem Norag-Jahrbuch 1929: Der Grundriss-Entwurf zu einem Funkhaus und das Titelbild von Ludwig Hohlwein

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Norag - das sechste Jahr

Aus dem Norag-Jahrbuch 1930: Teile des Magazins zeigen die Umbaumaßnahmen und beschäftigen sich mit der Welte-Orgel.

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