Stand: 17.12.2014 16:38 Uhr

Adolf Grimme - Kulturpolitiker und Generaldirektor des NWDR

Auf der anderen Seite wird berichtet, dass Grimme die große Rundfunkanstalt recht bürokratisch, mitunter sogar "schulmeisterlich" führte, wie der Rundfunkhistoriker Rüdiger Steinmetz urteilt. Hinzu kam, dass er in seinen zwei Amtsperioden - im Juli 1952 wurde er als Generaldirektor wiedergewählt - bei personellen Entscheidungen nicht immer erfolgreich agierte.

Bild vergrößern
Die Ernennung Herbert Blanks zum Kommissarischen Intendant des NWDR stieß 1949 auf viel Kritik.

So zerstritt sich Grimme mit Programmdirektor Eberhard Schütz so sehr, dass dieser 1949 zurücktrat. Grimmes Entschluss, im Februar 1949 Herbert Blank zum kommissarischen Funkhaus-Intendanten zu ernennen, stieß bei zahlreichen führenden NWDR-Mitarbeitern auf äußersten Widerstand. Für sie galt Blank als politisch vorbelastet, sie protestierten. Mehrere Journalisten der ersten Stunde, darunter Axel Eggebrecht, kündigten und verließen im Mai 1949 den Sender. "Der Geist hat eine Schlacht verloren", titelte damals Erich Kuby in der "Süddeutschen Zeitung" über die Querelen am NWDR.

Rückzug auf Raten

In politischen Fragen zeigte sich Grimme, der 1950 seine Ämter im Parteivorstand der SPD aufgegeben hatte, erstaunlich entscheidungsschwach. Leitende Mitarbeiter wie Alexander Maass und Walter D. Schultz unterstützten ihn zwar maßgeblich und arbeiteten Strategiepapiere für wichtige rundfunkpolitische Fragen aus. Doch die partei- und landespolitisch herbeigeführte Auflösung des NWDR war 1954/55 nicht mehr aufzuhalten.

Ein Zug von Resignation wurde in Grimmes Jahren als Generaldirektor des NWDR spürbar. Immer deutlicher stellte sich heraus, dass er in der eigenen Partei immer weniger Rückhalt hatte und ihm die Fäden für aktive Gestaltungsmöglichkeiten entglitten. Sang- und klanglos trat er zum 1. April 1956 in den Ruhestand, nachdem der NWDR zum Jahreswechsel 1955/56 aufgelöst und die beiden eigenständigen Rundfunkanstalten NDR und WDR gegründet worden waren. Damit war auch das Amt des Generaldirektors überflüssig geworden, denn ab diesem Zeitpunkt hatten beide Anstalten ihren eigenen Intendanten.

Der Name des Bildungspolitikers lebt bis heute fort in dem seit 1964 jährlich verliehenen Grimme-Preis für qualitativ herausragende Fernsehsendungen sowie in dem seit 2001 vergebenen Grimme Online Award für vorbildliche Internet-Auftritte und -Portale. Das in Marl beheimatete Medieninstitut des Deutschen Volkshochschulverbandes, das sich der Zusammenarbeit von Volkshochschulen und dem Fernsehen sowie einem breiten Spektrum der Förderung von Medienkompetenz widmet, wurde 1973 nach dem Kulturpolitiker und NWDR-Generaldirektor Adolf Grimme benannt.

Als Pensionär engagierte sich Grimme nur noch auf wenigen Gebieten. In seinem Haus im bayerischen Degerndorf setzte er seine Arbeit an einer "Phänomenologie des Johannes-Evangeliums" fort, deren Titel "Das Christentum (oder die Religion) am Scheidewege" lauten sollte.

Auszeichnungen und Ehrenämter

Zahlreiche Auszeichnungen waren dem Idealisten und konservativen Reformer im Laufe der Jahrzehnte verliehen worden, darunter die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft, die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen, die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main und das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Einige seiner vielen Vorsitze, Ehrenämter und Mitgliedschaften nahm er noch einige Jahre wahr, so war er bis 1963 Präsident der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Senator der Max-Planck-Gesellschaft und bis 1962 Beiratsmitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Am 27. August 1963 starb Adolf Grimme im Alter von 73 Jahren.

Links
Link

Grimme Preis

Jährlich wird dieser renommierte Fernsehpreis vom Grimme-Institut in Marl verliehen. Es sollen Sendungen ausgezeichnet werden, die ein Vorbild für das Medium Fernsehen sind. extern

Die Jahre 1948 bis 1955

1948 wird der NWDR eine "Anstalt des öffentlichen Rechts" und treibt die technische Entwicklung energisch voran. Das Nachkriegsradio erlebt eine Blütezeit. 1952 startet der Fernsehbetrieb. mehr