Stand: 12.06.2013 09:42 Uhr

"Die Nordschau" - das Fenster zum Norden

"Die Nordschau" begrüßte Mal ihre Zuschauerinnen und Zuschauer zum ersten Mal im Dezember 1957. Seit dieser Zeit liefert das NDR Fernsehen regelmäßig Informationen und Unterhaltung aus dem Norden für den Norden.

Die Einführung der "Nordschau" als neues Magazin fiel in eine bewegte Zeit der Fernsehentwicklung. Die Experimentier-Phase war zu Ende, die Arbeit im neuen Medium erlebte einen enormen Aufbruch. Der Journalist Rüdiger Proske nutzte die Gunst der Stunde. Er baute eine journalistisch profilierte Redaktion auf, die eng verknüpft war mit allem, was das "Zeitgeschehen" betraf.

Die Redaktion Zeitgeschehen: Walter Menningen, Horst Seifert, Ingrid Lorenzen, Rüdiger Proske und Helga Norden (1960, v.l.).

Der Startschuss für das Fernsehen für den Norden fiel am 1. Dezember 1957. Von nun an erfuhren die Zuschauer täglich von 19.15 bis 19.45 Uhr Wissenswertes und Interessantes, Neues und Traditionelles aus der Heimat. Dieses regionale "Fenster" im ansonsten bundesweit ausgestrahlten Fernsehen wurde jeweils für eine halbe Stunde geöffnet. "Nur NDR" hieß es in den Programmzeitschriften über diese Sendestrecke. Mit der "Tagesschau" um 20.00 Uhr startete dann wieder das bundesweite Programm des "Deutschen Fernsehens".

Gelungener Auftakt

"Lieber Herr Proske! (…) Sie haben im vergangenen Jahr die Abteilung 'Zeitgeschehen' des Fernsehens übernommen, zu der als besondere Sendung die 'Nordschau' gehört", schrieb NDR Intendant Walter Hilpert am 1. September 1958 an den Ersten Redakteur der Abteilung "Zeitgeschehen" und Leiter der "Nordschau". Hilpert fuhr damals fort: "Im ersten Anlauf war die Nordschau Ihre vordringliche Aufgabe; Sie haben sie glänzend gelöst. Die Nordschau steht heute auf guten Füssen und kann beruhigt ihre Arbeit fortsetzen."

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Der Fernsehjournalist Rüdiger Proske war 1961 Mitbegründer und bis 1963 Leiter des Politmagazins "Panorama".

Diese Wertschätzung galt einem engagierten Journalisten und einem umtriebigen Netzwerker, der es verstand, innerhalb kurzer Zeit ein schlagkräftiges Team um sich zu scharen: Rüdiger Proske, 1916 in Berlin geboren, gehörte zur Generation der Kriegsheimkehrer, die sich nach dem Ende des Krieges voller Elan an die Aufbauarbeit gemacht hatte. Als Redakteur der einflussreichen Monatsschrift "Frankfurter Hefte" hatte er über diese tatkräftige "junge Generation aus dem Kriege" 1948 geschrieben. Seit 1952 hatte er beim Hörfunk des NWDR in den Redaktionen Politisches Wort, Zeitfunk und Feature gearbeitet. 1957 hatte ihn Walter Hilpert mit neuen Aufgaben beim Fernsehen beauftragt.

Ein eigenes Fernsehen für den Norden

Die Herausforderung war groß: Proske sollte mithelfen, einen eigenen NDR Fernsehbetrieb aufzubauen. Zwar war die Fernseharbeit seit Jahren eng mit Hamburg verbunden, aber organisatorisch wurde sie noch immer von Hamburg und Köln, vom NDR und WDR gemeinsam getragen. Das Fernsehen hatte auch nach der Auflösung des NWDR 1955/56 ein gemeinsames institutionelles Dach - den "Nord- und Westdeutschen Rundfunkverbands" (NWRV). Das Ende dieses schwerfälligen Verbandes, von Anfang an als Übergangslösung konzipiert, zeichnete sich ab und die Verantwortlichen in Hamburg begannen mit dem schrittweisen Aufbau eines eigenen NDR Fernsehbetriebs. Im Zentrum dieser Aktivitäten standen die Pläne für das "Zeitgeschehen" und darin für eine "Nordschau".

Rüdiger Proske und Gerd von Paczensky © NDR

Interview mit Rüdiger Proske zum Start der "Nordschau" 1957

Wird das regionale Fernsehen zur Konkurrenz für das Radio?

Zwar hatten auch die Fernsehpioniere die Aufgabe erkannt, im neuen Medium über die Region zu berichten und Bilder aus der näheren Umgebung zu bringen. Doch wenn in den Anfangsjahren des Fernsehens Regionales zu sehen war, lag dies eher an den Produktionsbedingungen. Noch war es nämlich schwierig, weiter entfernt liegende Ziele mit einem Übertragungswagen zu erreichen oder schnell und zuverlässig von auswärtigen Orten aktuelle Bilder zu erhalten. Daher griff man gern auf die nahe Umgebung und schnell erreichbare Personen zurück.

Aber die Aufnahme- und Sendetechnik verbesserte sich rasch. In der zweiten Hälfte der 50er-Jahre schlossen die Fernsehmacher zu ihren Hörfunkkollegen auf: Auch im Fernsehen gab es jetzt gezielte Berichterstattung über die Region, aktuell und auf hohem journalistischen Niveau.

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