Stand: 30.07.2008 16:31 Uhr

Bohmte tilgt weiße Flecken von der Karte

von Meike Richter
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Open Street Map - Bohmte vorher

Wer vor kurzem in dem Internet-Kartenprojekt "Open Street Map" (offene Straßenkarte, OSM) das niedersächsische Städtchen Bohmte in der Nähe von Osnabrück suchte, fand nur zwei Straßen und viel leere Flächen vor. Das hat sich geändert: Am 26. Juli waren Aktivisten mit GPS-Geräten in der Gemeinde unterwegs, um sie neu zu kartografieren. "Etwa 70 Prozent der Gemeinde wurden vermessen", schätzt Kai Behncke, Mit-Initiator des "Open Street Map"-Tags in Bohmte und Mitarbeiter am Institut für Geoinformatik und Fernerkundung an der Universität Osnabrück.

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Open Street Map - Bohmte nachher
Gemeinde Bohmte zeigt sich zufrieden

Laut Behncke beteiligten sich rund 30 Personen an der Aktion, die im Internet angekündigt worden war. Einige reisten aus Hamburg und sogar aus den Niederlanden an. Etwa ein Drittel der Hobby-Kartografen kam aus Bohmte. "Die Teilnehmer waren sehr motiviert, viele hatten sich im Vorfeld eigene GPS-Geräte gekauft", so der Diplom-Geograf. Zufrieden über den OSM-Tag zeigte sich auch die Erste Gemeinderätin und Stellvertretende Bürgermeisterin Sabine de Buhr-Deichsel. Die Stadt hat die Aktion unterstützt, um den Bürgern freie Geodaten zur Verfügung stellen zu können. In weiteren kleineren Vermessungs-Aktionen soll der Rest der Gemeinde erfasst werden.

Das Projekt "Open Street Map" 

OSM hat das Ziel, eine freie Weltkarte im Internet zu erstellen. Das Projekt funktioniert nach dem Wikipedia-Prinzip: Wie bei den Wissenssammlern ist jeder eingeladen mitzumachen, man koordiniert sich lose über das Internet. Die Hobby-Kartografen erheben die Geo-Daten mit handelsüblichen GPS-Navigationsgeräten, anschließend werden sie mittels spezieller Software bearbeitet und auf die Server von OSM geladen. Während große Städte schon gut erfasst sind, weisen die Straßenpläne kleinerer Orte oft noch viele weiße Flecken auf.

Freie Geodaten für Bürger und Gemeinde

Ein Vorteil des Projekts ist, dass die einmal gewonnenen Daten beliebig weiterverarbeitet und verwendet werden dürfen. Ein Gewerbetreibender darf beispielsweise den Anfahrtsplan zu seinem Geschäft auf seiner Webseite einbinden oder in einen Prospekt drucken. Laut de Buhr-Deichsel will die Gemeinde Bohmte das neu gewonnenen Kartenmaterial auch selbst nutzen, etwa für die Erstellung von Kartenmaterial für Touristen. "Außerdem fördern wir mit der Aktion die Wissenschaft in der Region, die Universität Osnabrück liegt ja nur rund 30 Minuten von Bohmte entfernt", so die Politikerin.

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