Stand: 13.06.2012 09:32 Uhr

Malbrancs falscher Pfiff

Schiedsrichter Michael Malbranc 1997. © imago Foto: imago
Zwischen 1990 und 1997 leitete Michael Malbranc 64 Bundesligaspiele.

Am 5. August 1997 ruinierte der Hamburger Schiedsrichter Michael Malbranc im Münchner Olympiastadion mit einem einzigen Pfiff seine Karriere. Es lief die 88. Minute der Bundesligapartie zwischen 1860 München und dem Karlsruher SC: 2:1 führten die "Löwen", als ihr Spieler Abédi Pelé ein Foul beging und Malbranc pfiff. KSC-Stürmer Sean Dundee wollte nichts gehört haben und drosch den Ball eine halbe Sekunde später ins Münchner Tor. Zur Überraschung der Karlsruher und zum Entsetzen der Sechziger deutete der 44-Jährige seinen Freistoßpfiff zum Torpfiff um und gab das Tor - die Partie endete 2:2.

FIFA hebt DFB-Urteil auf

Die Münchner legten Protest gegen die Wertung des Spiels ein, der Fall kam vor das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Malbranc redete sich um Kopf und Kragen und erklärte, er habe "die Wahrnehmung gehabt, erst nach dem Tor gepfiffen zu haben". Die DFB-Juristen sahen eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters und ordneten ein Wiederholungsspiel an. Der Weltverband FIFA rügte jedoch den DFB und hob das Urteil - "mit absoluter Berechtigung", wie Malbranc sagte - kurz darauf wieder auf. Es habe sich um eine Tatsachenentscheidung und damit um einen "unumstößlichen Fakt" gehandelt.

Malbranc erhebt Vorwürfe gegen DFB-Chef

Malbranc erhob später schwere Vorwürfe gegen den DFB-Präsidenten Egidius Braun, der ihn angeblich zu einer Falschaussage gedrängt habe, um Ärger mit der FIFA zu entgehen. Braun dementierte und drohte seinerseits mit einer Klage. Der Schiedsrichterausschuss erhielt die Anweisung, Malbranc nicht mehr in der Ersten und Zweiten Liga einzuteilen. Daraufhin - knapp vier Monate nach dem unrühmlichen Bundesligapfiff - erklärte Malbranc seinen Rücktritt als DFB-Schiedsrichter.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 05.08.2012 | 14:25 Uhr

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