Tausende Kinder werden in Schleswig-Holstein vermisst gemeldet
In Schleswig-Holstein werden jedes Jahr mehrere tausend Kinder und Jugendliche als vermisst gemeldet. Laut Landeskriminalamt taucht der größte Teil von ihnen schnell wieder auf. Einige bleiben verschwunden. Der "Tag der vermissten Kinder" soll für Aufmerksamkeit sorgen.
Der wohl bekannteste Vermisstenfall der vergangenen Jahrzehnte in Schleswig-Holstein ist der von Seike Sörensen aus Drelsdorf (Kreis Nordfriesland). Die damals Elfjährige war auf ihrem Nachhauseweg verschwunden und gilt seitdem als vermisst. Die allermeisten Fälle vermisster Kinder und Jugendlicher - auch derjenigen, die länger verschwunden bleiben - sind laut Landeskriminalamt (LKA) in der Regel weniger dramatisch. Oft sind es Dauerausreißer, die zum Beispiel aus Jugendhilfeeinrichtungen abhauen.
Als vermisst gelten laut LKA außerdem auch oft unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Betroffenen gehen meist zu Angehörigen oder Verwandten ins Ausland, ohne dass jemand Bescheid weiß. Und auch Kinder, die nach einem Sorgerechtsstreit von Vater oder Mutter mit ins Ausland genommen werden, finden sich in den Vermisstenzahlen, wenn eine sogenannte Kindesentziehung angezeigt wird.
Was tun, wenn das Kind vom Spielen nicht nach Hause kommt?
Laut Landeskriminalamt ist nur bei einem sehr geringen Anteil der vermissten Kinder und Jugendlichen zu befürchten, dass sie Opfer einer Straftat wurden oder sich in einer akuten Notsituation befinden. Wichtig sei, dann zeitnah die Polizei einzuschalten, erklärt Uwe Keller, Pressesprecher des Landeskriminalamtes: "Dass durch Fernsehen und Filme erklärt wird, dass Vermisste erst nach 24 Stunden als vermisst gelten, ist vollkommener Blödsinn."
Sollten Kinder nicht nach Hause kommen und auch nicht bei Freunden oder anderen gewohnten Orten zu finden sein, sollten Eltern die Polizei informieren, sagt Keller.
Initiative fordert: Warndienst um Vermisstensuche erweitern
Genau so sieht das auch die "Initiative vermisste Kinder" mit Sitz in Hamburg. Die Initiative ist in Deutschland für die europaweit gültige Hotline zuständig, die gewählt werden kann, wenn ein Kind vermisst wird. Hilfe gib es dann unter der Telefonnummer 116 000. Für Lars Bruhns, Sprecher der Initiative, ist schnell sein in diesen Situationen essenziell, um Schlimmeres zu verhindern.
Er fordert deshalb, dass Zeugenaufrufe und Vermisstenmeldungen künftig über den Warndienst Cell Broadcast verbreitet werden. Wer sich in der Nähe eines möglichen Tat- oder Unglücksortes befindet, bekäme dann eine entsprechende Suchmeldung direkt aufs Smartphone. In einem bestimmten Radius können laut Bruhns dann mögliche Zeugen unmittelbar angesprochen werden: "Das ist, was in einem Vermisstenfall gilt: möglichst zeitnah Menschen vor Ort ansprechen und um Hinweise bitten", sagt Bruhns.
Landespolizei fürchtet Gewöhnungseffekt
Bisher ist die in Deutschland Anfang dieses Jahres eingeführte Technik vor allem für Warnungen bei Katastrophen angedacht. Marcel Schmidt, Sprecher der Landespolizei in Schleswig-Holstein, kann nachvollziehen, dass es den Wunsch gibt, diese Technik auch auf Vermisstensuchen auszuweiten. Er hält die Umsetzung allerdings für schwierig und fürchtet, dass sich Menschen zu sehr an Meldungen über Cell Broadcast oder auch andere Warn-Apps gewöhnen und Gefahrenmeldungen am Ende nicht mehr ernst genug nehmen.