Dirigent Paavo Järvi im Porträt © NDR/Kaupo Kikkas Foto: Kaupo Kikkas

Paavo Järvi - Ein Meister der Nuancen in der Elbphilharmonie

Stand: 12.11.2022 18:23 Uhr

Das Tonhalle-Orchester aus Zürich begeistert zusammen mit Dirigent Paavo Järvi in der Elbphilharmonie Hamburg - als wäre das Gebäude für die Kompositionen Anton Bruckners gebaut worden.

von Marcus Stäbler

Das Programm legt einen Schwerpunkt auf den Komponisten Anton Bruckner und dessen monumentale Sinfonien. Bei diesen kommt es immer besonders auf die Blechbläser an - und die sind ein Prunkstück des Tonhalle-Orchesters aus Zürich.

Das ist bereits im Auftaktkonzert am Donnerstagabend in der sechsten Sinfonie zu erleben. Als der erste Satz auf einen Höhepunkt zusteuert, breitet Paavo Järvi die Arme aus, als wollte er sein ganzes Orchester umfangen. Hörner, Trompeten, Posaunen und Tuba entfachen einen majestätischen und zugleich immer warmen und runden Klang. "Ich bin kein großer Fan davon, dass die Blechbläser durchdringend und brutal spielen. Das haben wir auch nicht in unserer DNA. Ich glaube, dass wir immer versuchen, einen sanglichen und chorischen Zugang zu finden.", sagt Paavo Järvi.

Bruckner-Konzert mit strahlenden Fortissimo bis zu intimen Momenten

Überwältigen, ja schon, aber immer wohldosiert und nie mit Gewalt, sondern mit Ausdruck: Das ist Järvis Ansatz. Damit formt er eindringliche Interpretationen. Schon in Olivier Messiaens Stück "Die Himmelfahrt", mit dem das erste Konzert beginnt, vor allem aber in den Sinfonien von Bruckner.

Dort offenbart der Dirigent immer wieder eigene Ideen, etwa im langsamen Satz der Sechsten, in dem die Oboe ihr klagendes Thema wunderbar weich und verletzlich spielt. Aber auch beim zweiten Konzert Freitagabend, in der Achten Sinfonie von Bruckner - ein gewaltiges Werk mit fast 90 Minuten Spieldauer und einer Riesenbesetzung, darunter vier zusätzliche Hörner beziehungsweise Wagner-Tuben.

Paavo Järvi: Meister der Nuancen

Aber auch hier erweist sich Järvi wieder als Meister der Nuancen. Er schöpft mit seinem Top-Orchester eine große Bandbreite aus, vom strahlenden Fortissimo bis zu ganz leisen und intimen Momenten. Gerade im herrlichen Adagio, indem sich Bruckner ungewohnt schwelgerische Töne gönnt.

Elbphilharmonie: Kraftstrotzdendes Finale des Tonhalle-Orchesters

Paavo Järvi taucht mit seinen Musikerinnen und Musikern tief in dieser Klangwelt ein und kostet die überraschende Süße aus. "Jedes Mal, wenn die Harfen einsetzen, denke ich: Das ist nicht Bruckner, aber ist es eben doch. Und es ist erstaunlich, dass er hier die göttliche Liebe einer Frau thematisiert. Das macht diesen Satz so persönlich." Eine Frau aus dem Publikum ist begeistert: "Es sind Emotionen, die auf eine sanfte Art schwingen."

Nach dem sanften Gesang im Adagio endet die Sinfonie mit einem kraftstrotzenden Finale. Dort lässt Paavo Järvi den Pauker ausnahmsweise mal so richtig reinhauen. Der Dirigent modelliert mit seinem Orchester mächtige Steigerungen - bis sich die Energie in den letzten Takten entlädt, wo Bruckner die Themen aus allen vier Sätzen übereinander schichtet. Großartige Musik, mitreißend gespielt.

Einer der Gäste schwärmt. "Es war einzigartig. Als wäre dieses Gebäude wirklich für Bruckner gebaut worden."

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Montage: Anton Bruckner im Schwarz-weiß-Porträt mit Kopfhörern, Foto um 1890 © picture-alliance / akg-images | akg-images
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.11.2022 | 07:20 Uhr

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