Eine Straßenzeile mit zerstörten Häusern in Gaziantep, Türkei, nach dem Erdbeben am 6.2.2023. © picture alliance / AA Foto: Okan Coskun

Geschockt über das Erdbeben

Stand: 06.02.2023 15:17 Uhr

Bei einem schweren Erdbeben in der Türkei und in Syrien starben viele Menschen. Radiopastorin Sarah Oltmanns über eine extreme Herausforderung.

von Radiopastorin Sarah Oltmanns

Genau vier Jahre ist das her, da war Sabine im Urlaub, jetzt um diese Zeit. Sie sagt rückblickend: "Da hat Gott mich herausgefordert".

Sie wurde eingeladen zu diesem Urlaub, von ihrer Oma, und sie konnte jeden Tag am Strand spazieren gehen. Sie hatte viel Zeit, um mit Gott zu reden, sagt sie. An einem Tag hatte sie Muscheln gesammelt, für ihre Oma, als Dank. Ihre beiden Hände waren voll von Muscheln, und dann fand sie aber die eine, die besondere: sie war sehr groß, sehr schön und bunt. Sie fragte sich, wie sie diese Muschel jetzt noch aufheben könne, wenn doch beide Hände schon voll sind? In dem Moment kam ihr es vor, als hätte Gott ihr ein Zeichen gegeben und gesagt: Lass los, lass alles fallen, und nimm das Neue in die Hand.

Sabine hat tatsächlich diesen Muschelmoment weiterverfolgt. Sie ist in der Türkei geblieben und nach Gaziantep gezogen. Das ist in der Nähe der syrischen Grenze. Damals kamen viele Menschen aus Syrien nach Gaziantep. Millionen waren das, die dort Schutz gesucht hatten. Die Not war also sehr groß, und deshalb hatte Sabine dort eine Schule für geflüchtete Kinder gegründet: die Salam-Schule in Gaziantep.

Heute erreicht mich die Nachricht über das schwere Erdbeben und ich bin einfach geschockt. So viel Zerstörung, so viele Tote. Das Epizentrum war ganz dicht dran an Gaziantep. Ich weiß nicht, was mit der Salam-Schule geworden ist, ich weiß nichts von Sabine, und ich bin mit meinen Gedanken ganz fest bei ihr. Gott hat sie herausgefordert, sagte Sabine vor genau vier Jahren mit der Muschel in der Hand. Wie recht sie damit hatte.

Dieses Thema im Programm:

Kirche im NDR | Moment mal | 06.02.2023 | 18:10 Uhr

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