Stand: 15.03.2020 20:58 Uhr

Coronavirus: Experten befürworten Maßnahmen

Veranstaltungsverbot, Kita- und Schulschließungen und andere weitreichende Maßnahmen zur Begrenzung der sozialen Kontakte: Die Landesregierung kämpft mit harten Bandagen gegen das Coronavirus. Am Sonntag (15.3.) hat das Kabinett beschlossen, touristischen Verkehr auf die Inseln zu unterbinden und Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat bekannt gegeben, dass die Grenze nach Dänemark nun auch von deutscher Seite dichtgemacht wird. Ist das übertrieben? Keineswegs, da waren sich zwei Experten aus Schleswig-Holstein in der NDR 1 Welle Nord Sendung Zur Sache einig.

Experten befürworten die Maßnahmen

Prof. Dr. Helmut Fickenscher, Leiter Institut für Infektionsmedizin an der Uni Kiel blickt in die Kamera. © NDR Foto: Pavel Stoyan
Helmut Fickenscher von der Uni Kiel begrüßt die Maßnahmen der Landesregierung.

Im Gespräch mit Moderatorin Rebekka Merholz schilderten Prof. Dr. Helmut Fickenscher, Leiter des Instituts für Infektionsmedizin an der Uni Kiel, und Dr. Sebastian Ulrich, Ärztlicher Direktor des Städtischen Krankenhauses Kiel, ihre Sicht der Dinge. Besonders was die aktuelle Einschränkung des Tourismus in Schleswig-Holstein angeht, sind beide auf einer Linie: Dass die Landesregierung beschlossen hat, Urlauber nach Hause zu schicken, sei ein Schritt, der von fachlicher Warte aus sinnvoll sei. Fickenscher geht davon aus, dass die Regelung künftig auch auf andere Touristenorte ausgeweitet wird. "Die Tourismusstruktur auf den Inseln ist ja nicht viel anders als in Timmendorfer Strand", sagt der Virologe.

Dr. Sebastian Ulrich blickt seriös in die Kamera. © NDR Foto: Pavel Stoyan
Sebastian Ulrich vom Städtischen Krankenhaus in Kiel erwartet, dass weitere Orte für den Tourismus gesperrt werden.

Ulrich teilt diese Ansicht. "Warum unterscheidet sich der Touristenstandort X von einer Insel?", fragt er rhetorisch und geht noch einen Schritt weiter: Seiner Meinung nach sollten auch Kreuzfahrten ausgesetzt werden. "Der Sinnhaftigkeit der vielen Maßnahmen folgend sollten wir dieses unbedingt vermeiden", warnt Ulrich. "Ich wüsste nicht, warum ein Kreuzfahrtschiff bei einer unklaren epidemiologischen Situation mit zwei oder drei Tausend Menschen ablegen sollte." Fickenscher bestätigt die Einschätzung. "Ganz sicher wird das Volumen der Kreuzfahrttätigkeiten kleiner sein, viele Kunden werden ihre Reisen auch absagen", ist sich der Experte sicher.

Getestet wird nur unter bestimmten Umständen

Generell raten die Experten aber von Reisen ab, wenn sie nicht unbedingt notwendig sind. Die Menschen müssten sich wichtige Fragen stellen. "Ist die Reise notwendig? Kann sie vermieden werden? Bei Risikopersonen und hochbetagten Leuten rate ich erst recht davon ab“, sagt Virologe Fickenscher. Wenn jemand Sorge hat, sich angesteckt zu haben, sagt Ulrich deutlich: "Getestet werden soll jemand, der eine gewisse Risikokonstellation hat." Einer der Faktoren dabei ist, wenn jemand aus einem der Riskiogebiete kommt und Erkältungssymptome aufzeigt. Im Umkehrschluss heißt das: Eine Schnupfnase alleine reicht nicht, um getestet zu werden.

Erfüllt jemand aber die Voraussetzungen, sei der nächste Schritt ein Anruf. "Gehen Sie nicht zum Arzt", mahnt Ulrich. "Wenden Sie sich telefonisch unter 116 117 an die Kassenärztliche Vereinigung." Oder per Telefon an den Hausarzt, ergänzt das Gesundheitsministerium. Bei der Beratung wird ermittelt, ob ein Test erfolgen muss oder nicht. "Wenn ja, dann erfahren Sie am Telefon, wo das passiert", weiß Ulrich. Allgemeine Informationen erhalten Sie über das Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministerium unter (030) 34 64 65 100 , bei der Unabhängige Patientenberatung unter (0800) 01 17 72 2 oder beim Bürgertelefon des Landes unter (0431) 79 70 00 01.

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Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 15.03.2020 | 18:05 Uhr

Montage Jahresrückblick: Nachrichtenbilder aus den Bundesländern Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern in einem Filmstreifen © dpa, Fehmarnbelt Development Joint Venture Foto: Jochen Lübke, Jens Wolf, Jens Ressing

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Podcast Bild für die Sendung "Zur Sache". ©  Roman Gorielov/fotolia Foto:  Roman Gorielov

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