Stand: 09.01.2020 09:26 Uhr

Zur Sache: Wohin steuert unsere Wirtschaft?

Die Folgen des Klimawandels sind nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich spürbar. Vor allem die Themen CO2-Bepreisung, Steuern und Investitionen in neue Technologien spielen eine Rolle. Grund genug für das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, sich in die öffentliche und politische Diskussion einzuschalten. Für die Wirtschaftswissenschaftler ist das Klimapaket "unausgegoren". Die Erhöhung der Pendlerpauschale sei Klientelpolitik. Es fehle eine europaweite und internationale Einbindung von Deutschlands Klimaschutzbemühungen. Insbesondere dürfe die Landwirtschaft bei der CO2-Bepreisung nicht außen vor bleiben, äußerten IfW-Präsident Gabriel Felbermayr und IfW-Umweltökonomin Sonja Peterson jüngst in einem Artikel des Focus.

Brexit: Kieler Wissenschaftler sehnen Zollverbund herbei

Auch in Sachen Brexit ist die Intention der Kieler Wissenschaftler klar: Sie fordern die EU-Kommission auf, Verhandlungen über ein tief greifendes und umfassendes Abkommen mit dem Vereinigten Königreich zu führen. Das ideale Ergebnis wäre ihrer Ansicht nach ein Zollverbund, in dem die EU und Großbritannien gemeinsam ihre Außenhandelspolitik festlegen und in dem das Vereinigte Königreich weiterhin so eng wie möglich an den EU-Binnenmarkt angekoppelt bleibt. Ob das gelingt, ist derzeit völlig unklar.

Stichwort Globale Einflüsse

Nicht nur Brexit und Klimawandel beeinflussen die heimische Wirtschaft. Auch die protektionistische "America first"-Politik von US-Präsident Donald Trump und der sich verschärfende Konflikt im Mittleren Osten haben Einfluss auf die Konjunktur hierzulande. Dennoch bleiben die Wissenschaftler optimistisch: Zwar ist derzeit ein Abschwung der deutschen Wirtschaft erkennbar, doch der verlangsamt sich. Mit einer spürbaren Belebung ist aber frühestens 2021 zu rechnen. Die Konjunkturforscher des IfW rechnen in ihrer jüngsten Prognose mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes von 0,5 Prozent (2019), 1,1 Prozent (2020) und 1,5 Prozent (2021).

Forschungsergebnisse von internationalem Interesse

Mit all den komplexen Fragen der Ökonomie befassen sich auf der ganzen Welt Wirtschaftsforscher an Universitäten und Wirtschaftsinstituten. Sie alle analysieren, diskutieren und bewerten die wirtschaftliche Lage, geben Hinweise für Entscheidungsträger oder legen Konjunkturprognosen vor. Von internationalem Interesse dabei sind die Forschungsergebnisse der führenden Wirtschaftsinstitute, darunter auch das IfW in Kiel.

Kieler Institut für Weltwirtschaft nicht nur im Norden ganz oben

Seit seiner Gründung im Jahr 1914 beschäftigt sich das Institut nach eigenen Angaben vorrangig mit Fragen der Globalisierung. "Es ist heute dringender denn je, Ursachen für globale Entwicklungen zu untersuchen und Lösungsvorschläge für internationale Probleme anzubieten. Das IfW besitzt dafür ein einzigartiges Profil und hat seine Forschungs-, Beratungs- und Ausbildungsaufgaben primär auf die Beantwortung drängender globaler Fragen fokussiert", heißt es auf der Internetseite des IfW. Derzeit erlebt die Welt nach Ansicht der Wissenschaftler des Instituts eine dramatische Ausweitung globaler wirtschaftlicher, politischer und sozialer Probleme, wie Klimawandel, Finanzkrisen, Ernährungsunsicherheit oder Ungleichheit. Das alles sind nach Ansicht der Experten Probleme, die nationale Grenzen überschreiten und deshalb von den betroffenen Ländern nicht autonom bewältigt werden können.

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Gabriel Felbermayr, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel, ist zu Gast in der Sendung Zur Sache.
IfW-Chef Felbermayr zu Gast in der Sendung

Seit März vergangenen Jahres hat das IfW in Kiel einen neuen Präsidenten: Gabriel Felbermayr. Er gilt auch international als Globalisierungsexperte. Forschung und Lehre betreibt er neben seiner Arbeit am IfW auch an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Dort hat er eine Professur für Volkswirtschaftslehre inne. Er selbst sieht sich als Europäer - nicht nur mit Blick auf seine Arbeit. Denn der gebürtige Österreicher hat außer in Deutschland auch in Italien gearbeitet und ist mit einer Französin verheiratet. Vor seinem Wechsel nach Kiel leitete Felbermayr von 2010 bis 2019 das "ifo Zentrum für internationale Wirtschaft". An der Universität München war er auch als Professor für Internationale Wirtschaft tätig. Am Sonntag, den 12. Januar 2020, war Felbermayr zu Gast bei Moderatorin Christine Pilger in unserer Sendung Zur Sache.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 12.01.2020 | 18:05 Uhr