Stand: 10.12.2018 10:25 Uhr

Zur Sache: Volkskrankheit Demenz

Die Gesellschaft wird immer älter, und dank des medizinischen Fortschritts wird so manche Krankheit frühzeitig erkannt und auch behandelt. Bei der Demenz sieht es anders aus: Sie setzt meist schleichend ein, und Medikamente können das Voranschreiten der Demenz verlangsamen, sie aber nicht stoppen. Das Gedächtnis wird schlechter. Zunächst das Kurzzeit-Gedächtnis und dann lässt das Verständnis für das Hier und Jetzt immer mehr nach. Das verunsichert Betroffene wie Angehörige gleichermaßen. Demenz und der Umgang mit der Krankheit war am Sonntag Thema in der NDR 1 Welle Nord-Sendung Zur Sache.

alter Mensch im Krankenbett © picture alliance Foto: Ines Baier

Zur Sache: Volkskrankheit Demenz

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Was bedeutet Demenz für Betroffene und Angehörige? Darüber haben wir mit Jochen Gust gesprochen. Er arbeitet im Fachbereich Geriatrie am St. Elisabeth Krankenhaus in Eutin.

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Strategien, um die Demenz zu verdecken

Die Betroffenen merkten oft als erstes, wenn sie die Krankheit haben, sagte Jochen Gust vom Fachbereich Geriatrie am St. Elisabeth Krankenhaus in Eutin (Kreis Ostholstein) im Interview mit NDR-Moderatorin Rebekka Merholz. "Die Betroffenen entwickeln häufig eine ganze Reihe von Strategien, um die Demenz zu verdecken", so Gust. Mit vielen Tricks meisterten sie ihren Alltag, bis die Demenz dann schließlich doch so stark werde, dass sie auffalle. Gust betonte, dass eine frühe Diagnose wichtig sei. "Dann hat das Kind einen Namen. Dann weiß man: Ach so, das ist mit meiner Mutter oder meinem Partner los." Außerdem würden Therapien besser greifen, wenn man frühzeitig damit anfange.

Demente nach ihren Wünschen fragen

Es sei wichtig, Verständnis für den Menschen aufzubringen, dessen Persönlichkeit sich im Laufe der Demenz stark verändere. Gleichzeitig sei es für Nahestehende wichtig, Hilfe zu holen und Entlastung bei der Pflege der Demenzkranken zu schaffen. Gust betonte, dass man Menschen mit Demenz oft dort abholen müsse, wo sie gefühlsmäßig stehen. Denn auf der Gefühlsebene seien sie erreichbar. Gleichzeitig dürfe man nicht vergessen, sie nach ihren Wünschen zu fragen.

Ein an Demenz erkrankter Mann geht im Park spazieren und schaut verzweifelt in die Ferne. © NDR

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Krankenzahlen steigen erschreckend schnell

Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft kommen deutschlandweit jedes Jahr 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, steigt mit fortschreitendem Alter. Das heißt: Je älter man ist, desto höher fällt das Risiko aus. Gegenwärtig leben in Deutschland rund 1,7 Millionen Menschen mit Demenz. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf rund drei Millionen erhöhen.

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NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 09.12.2018 | 18:05 Uhr

61:25

Zur Sache: Volkskrankheit Demenz

09.12.2018 18:05 Uhr

Was bedeutet Demenz für Betroffene und Angehörige? Darüber haben wir mit Jochen Gust gesprochen. Er arbeitet im Fachbereich Geriatrie am St. Elisabeth Krankenhaus in Eutin. Audio (61:25 min)

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