Stand: 13.09.2019 15:06 Uhr

Zur Sache: Unser digitales Leben - Fluch oder Segen?

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Junge Menschen bis 37 Jahre verbringen laut einer Studie im Schnitt fünf Stunden am Tag am Handy.

Vom Schreibtisch am Arbeitsplatz per Webcam beobachten, was der Hund zuhause treibt. Auf dem Weg nach Hause schnell die Heizung andrehen und dann von einem fröhlich brummenden Saugroboter an der Haustür begrüßt werden, der noch schnell per App mitteilt, dass der Saugbeutel bald voll ist. Was klingt wie Klamauk oder ferne Zukunft ist oftmals schon Realität: Smarthome, das schlaue und völlig vernetzte Zuhause, ist bei einigen Alltag. Voraussetzung sind natürlich ein Smartphone und die Lust am Digitalen.

Übernimmt die digitale Welt die Kontrolle?

Bei den meisten Menschen scheint diese Lust am Digitalen zu überwiegen. Das zeigt sich vor allem in der Smartphone-Nutzung. Eine Medienstudie vom Institut für Marketing und dem Institut für Neue Medien an der Universität München belegt: Gut ein Viertel der Befragten im Alter zwischen 22 und 37 Jahren gab an, mehr als 100 Mal am Tag zum Handy zu greifen und täglich mehr als fünf Stunden aufs Display zu schauen. Fast 84 Prozent tragen ihr Handy außerdem jederzeit bei sich. Ist das noch normal oder schon krankhaft? Den Münchner Experten der Studie zufolge kann die häufige Handynutzung sich negativ auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirken, unproduktiv und sogar unglücklich machen. Demnach hat die Smartphone-Abhängigkeit in den vergangenen Jahren weltweit massiv zugenommen.

Ein Mikrofon der NDR 1 Welle Nord. © NDR Foto: Paolo Priotto

"Zur Sache": Digitalisierung

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Nützliche Helfer oder der Killer für Privatsphäre und zwischenmenschliche Beziehungen? Smart-Geräte, die "mitdenken" können, scheiden die Geister. In "Zur Sache" haben Experten diskutiert.

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Während die Einen also jederzeit online sind, wenden sich viele Menschen auch wieder ab vom digitalen Fortschritt im Privatleben. "Digital Detox" - also die digitale Entgiftung - ist ein Trend, der immer größeren Zulauf findet. Das Smartphone aber einfach mal links liegen lassen, darauf verzichten beim Abendessen mit Familie und Freunden oder sogar ausschalten im Urlaub, ist für viele gar nicht so einfach. Immer häufiger werden deshalb Workshops angeboten, jüngst zum Beispiel auf der Digitalen Woche in Kiel. Hier lernen Teilnehmer, wie der digitale Alltag funktionieren kann, ohne dass die Digitalisierung das analoge Leben zu sehr einnimmt.

Am Smarthome scheiden sich die Geister

Natürlich können digitale Weiterentwicklungen auch zu nützlichen Helfern im Alltag werden. Ob Küchenmaschine, Saugroboter oder Rasenmäher: Sie alle haben längst Einzug in den Privathaushalt gehalten. Und dann gibt es ja bereits "Smart-Home-Systeme", bei denen man per App oder durch Sprachsteuerung sämtliche elektrischen und elektronischen Geräte im Haus steuern kann. Einer Studie des Statistik-Portals statista zufolge sehen 59 Prozent der Befragten vor allem große Möglichkeiten zur Energieeinsparung beim Nutzen von Smarthomes, 47 Prozent führen Einbruchsicherheit als Vorteil an. Gut 35 Prozent der Befragten sorgen sich allerdings um ihre Privatsphäre, wenn die technischen Geräte im Haus jederzeit verfolgen können, was getan wird und wie es den Bewohnern geht. 27 Prozent finden diese Automatisierung unheimlich.

Ihre Themenvorschläge für die Sendung

Haben Sie eine Idee für "Zur Sache"? Über welche Themen sollten wir diskutieren? Senden Sie uns gerne Ihre Themen aus Schleswig-Holstein an zursache@wellenord.de.

Experten diskutieren im Studio

Welche Folgen hat die Digitalisierung auf unser Privatleben und unser Sozialverhalten, welche Chancen bieten sich und welche Gefahren lauern? Darüber hat Moderatorin Ulrike Drevenstedt am Sonntag mit ihren Gästen im Studio von 18 bis 20 Uhr in der Sendung "Zur Sache" gesprochen. Im Studio waren die Kieler Digitalisierungsexpertin Kateryna Zarev, die unter anderem "Digital Detox"-Kurse anbietet, und Tom Janneck, Projektleiter bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, der die Möglichkeiten des Energiesparens beim Smarthome erläutert und auf den Faktor Datenschutz eingeht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 15.09.2019 | 18:05 Uhr

63:25

"Zur Sache": Digitalisierung

Nützliche Helfer oder der Killer für Privatsphäre und zwischenmenschliche Beziehungen? Smart-Geräte, die "mitdenken" können, scheiden die Geister. In "Zur Sache" haben Experten diskutiert. Audio (63:25 min)

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Podcast: Zur Sache

Jeden Sonntag diskutieren Experten in der Sendung "Zur Sache" von 18 bis 20 Uhr über das Thema der Woche. Auch die Meinungen und Fragen der Hörerinnen und Hörer sind gefragt. mehr

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