Sendedatum: 14.04.2019 18:05 Uhr

Zur Sache: Stößt der Tourismus in SH an seine Grenzen?

von Michael Frömter

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Im ersten Halbjahr 2018 kamen etwa 3,75 Millionen Gäste ins nördlichste Bundesland. Beliebt ist dabei zum Beispiel St. Peter Ording.

Schleswig-Holstein ist bei Urlaubern beliebt wie seit Jahren nicht. Allein im ersten Halbjahr 2018 kamen nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes etwa 3,75 Millionen Gäste ins nördlichste Bundesland. Die Zahl der Übernachtungen stieg auf 13,82 Millionen, ein Plus von fast 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Schleswig-Holstein verzeichnete damit etwa vier Mal mehr Urlauber als jedes andere Bundesland. Damit ist der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren im Land, der Arbeitsplätze sichert und Steuereinnahmen sprudeln lässt.

Ein Leuchtturm an der Nordsee mit einem kleinen, beleuchtetenTannenbaum auf dem Balkon. © imago Foto: imagebroker

Stößt der Tourismus an seine Grenzen?

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Schleswig-Holstein ist ein Tourismus-Land. Aber die Ansprüche der Urlauber haben sich verändert. Viele Urlauber setzen auf Individualität. Um das und mehr ging es in der Sendung Zur Sache.

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Veränderte Urlaubsbedürfnisse

Lockten bis in die 90er-Jahre die Küsten an Nord- und Ostsee vor allem Familien nach Schleswig-Holstein, boomte anschließend der Wellness-Urlaub. Inzwischen haben sich die Ansprüche der Urlauber weiter verändert. "Die Gäste verlangen nach Hotelprodukten, die ihrem Lebensgefühl entsprechen und mit nicht Alltäglichem überraschen," heißt es in einer Broschüre zur Tourismusstrategie des Landes Schleswig-Holstein. Und weiter: "Das Grandhotel ist zu teuer, die Budget-Kette zu lieblos und die Privatunterkunft zu altbacken." Viele Urlauber setzen nach Ansicht von Tourismusexperten auf Individualität. Das sei vor allem bei Kurzurlauben der Fall. Das Preis-Leistungsverhältnis müsse stimmen. Das Denken in Sternekategorien werde dagegen verdrängt.

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Hotelbranche im Wandel

Seit ein paar Jahren entwickeln sich individuelle Lifestyle-Hotels. Dabei ist es für Betreiber und Investoren unerlässlich, die jeweilige Zielgruppe zu definieren und zu kennen. Nur so kann den Wünschen der Gäste entsprochen werden. Nach Angaben der WTSH (Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH) haben die im Norden eröffneten Hotels einiges gemeinsam: Sie folgen einem ganz klaren Konzept und Leitbild. Das zieht sich wie ein roter Faden durch das jeweilige Produkt, vom Hotelnamen, Ausstattung, den verwendeten Materialien, Farben sowie die Uniformen der Mitarbeiter bis hin zu Serviceleistungen und Internet.

Hotel-Boom in beliebten Orten an Nord- und Ostsee

Wer dem Trend zu individuellen Hotels folgt, hat nach Angaben von Tourismusexperten die besten Chancen am Urlaubs-Markt. Das sehen auch die Investoren und vereinzelt auch die Gemeinderäte in den Urlaubsorten so. Ob Timmendorf, Niendorf, Heiligenhafen, Eckernförde oder Büsum und Sankt Peter Ording: Überall wird um- oder neu gebaut. Mancherorts reichen die Flächen für neue Hotels schon nicht mehr aus. Wer aber denkt, "dat wart so, dat is so un dat blifft so", der wird abgehängt. Und schon längst können zahlreiche Orte nicht mehr mit der Entwicklung schritthalten.

Betroffen sind vor allem Orte abseits der Strände und im Binnenland. Ob Eider-Treene-Sorge-Niederung oder die Holsteinische Schweiz: Zahlreiche Regionen haben viel zu bieten, nutzen aber ihr natürliches Potential nicht oder zu wenig. In den Städten hingegen versuchen die Marketingexperten jede noch so kleine Besonderheit zu bewerben. Was Lübeck und Flensburg nicht unbedingt schwer fällt, ist für Neumünster und Kiel eine wahre Herausforderung. Dennoch entsteht in Kiel Hotel um Hotel, nicht etwa für den Städtetourismus, sondern vor allem für tausende Kreuzfahrtgäste. Die Landeshauptstadt setzt damit auf eine Karte, die auch Risiken birgt.

Infrastruktur muss besser werden

Urlaub in Schleswig-Holstein - das bedeutet meist Anreise mit dem Auto und damit verbunden stundenlange Staus. Schon lange reichen die Autobahnen für den Tourismusstandort Schleswig-Holstein kaum aus, sind viele Bundesstraßen in einem maroden Zustand. Zudem haben nach Angaben des Landes Befragungen von Urlaubern ergeben, dass auch das Ortsbild für Gäste eine große Bedeutung hat. Und da gibt es noch mancherorts Verbesserungsbedarf.

Und ein weiteres Manko bietet Schleswig-Holstein: Es fehlt an flächendeckendem Internet. So können weder die Gäste, noch die Unterkünfte selbst datenbasiert kommunizieren. Damit sinkt laut Sparkassen-Tourismus Barometer 2018 die Chance für die Unterkünfte, entsprechend Marketing zu betreiben und das in einer Zeit, in der Social Networks und Bewertungsportale zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Wie sieht ein stabiler und nachhaltiger Tourismus der Zukunft  aus?

Wohin entwickelt sich der Tourismus in Schleswig-Holstein und welche Auswirkungen hat das für die Einheimischen? Diese Fragen und mehr standen im Mittelpunkt unserer Zur Sache Sendung am Sonntag, den 14. April  2019. Zu Gast bei Moderatorin Rebekka Merholz waren die Geschäftsführerin der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TASH), Dr. Bettina Bunge, und Lolita Strüben, Vermieterin mehrerer Ferienhäuser in Büsum. Mit dabei war auch Jan-Philipp Willers von Kiel Marketing.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 14.04.2019 | 18:05 Uhr

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