Stand: 18.11.2019 08:00 Uhr

Zur Sache: Pflegefamilien dringend gesucht

von Michaela Assmann

Alle Kinder brauchen Eltern - aber nicht alle Eltern sind in der Lage, sich um ihre eigenen Kinder zu kümmern. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich: Drogensucht, psychische Erkrankungen, Konflikte mit dem Partner oder Trennung beziehungsweise Scheidung. Ebenso kommt es vor, dass Kinder misshandelt oder missbraucht werden und deshalb nicht bei ihren Eltern bleiben können. 

Erwachsener hält Kinderhand © Fotolia.com Foto: Alekss

Pflegeeltern dringend gesucht

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Sind Pflegefamilien ein zeitgemäßes Instrument des Jugendschutzes oder sind die Anforderungen an Pflegeeltern zu hoch? Darüber haben Rebekka Merholz und ihre Gäste in Zur Sache diskutiert.

5 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Wenn die eigenen Eltern ausfallen

Dann kommen Pflegefamilien ins Spiel. Sie springen ein, wenn die leiblichen Eltern ausfallen. Pflegeeltern nehmen die Kinder so lange bei sich auf, bis die eigenen Eltern wieder in der Lage sind, sich selbst zu kümmern. Manchmal bleiben Kinder auch in den Pflegefamilien, bis sie erwachsen sind. Denn nicht immer gibt es ein Zurück zu den leiblichen Eltern.

Weitere Informationen
NDR Info

Jugendamt bremst Pflegekinder finanziell aus

11.06.2019 08:50 Uhr
NDR Info

Jugendliche aus Pflegefamilien oder betreutem Wohnen müssen 75 Prozent ihres selbst verdienten Geldes an die Jugendämter abgeben. Die entsprechenden Gesetze sind umstritten. mehr

Es werden nicht genug Pflegefamilien gefunden

In ganz Schleswig-Holstein fehlen flächendeckend Pflegefamilien. Das hat eine Abfrage von NDR 1 Welle Nord bei den Städten und Kreisen ergeben. In Lübeck ist die Zahl der Kinder, die in einer Pflegefamilie leben, in den vergangenen Jahren um mehr als 30 Prozent gestiegen - auf aktuell 331. Der Stadt gelingt es nach eigenen Angaben inzwischen nicht mehr, genügend Pflegefamilien zu finden. Etwa jedes zehnte Kind lebt deshalb in einer Wohngruppe oder in einem Heim.

Bereitschaft, ein Pflegekind aufzunehmen, sinkt

In Kiel ist die Bereitschaft, ein Pflegekind aufzunehmen, signifikant zurückgegangen. Seit 2009 um 40 Prozent, so eine Sprecherin der Stadt. Es fehlen passende Pflegefamilien. Die braucht es, um zu verhindern, dass Pflegeverhältnisse abgebrochen werden. Auch in Flensburg stehen - so die Stadt wörtlich - bei weitem nicht genügend passende Pflegefamilien zur Verfügung. Die Kreise Pinneberg und Dithmarschen berichten, dass es vor allem an Familien fehle, die hoch auffällige Kinder aufnehmen. In den Kreisen Plön und Herzogtum Lauenburg fehlen nach Angaben der Verantwortlichen vor allem sogenannte Bereitschaftspflegefamilien. Das sind Familien, die sehr kurzfristig und vorübergehend ein Kind aufnehmen.

Weitere Informationen
Podcast

Podcast: Zur Sache

Jeden Sonntag diskutieren Experten in der Sendung "Zur Sache" von 18 bis 20 Uhr über das Thema der Woche. Auch die Meinungen und Fragen der Hörerinnen und Hörer sind gefragt. mehr

Unterstützung kommt vom Jugendamt

Fast alle Kinder, die zu Pflegeeltern kommen, haben schlechte Erfahrungen gemacht. Nicht selten sind die Kinder schwer traumatisiert. Sie brauchen häufig professionelle Hilfe bei der Bewältigung ihrer besonderen Lebenssituation. Hier bieten die Jugendämter Hilfe an. Gerade, wenn zum Beispiel Probleme in der Schule auftreten und Verhaltensauffälligkeiten auftreten.

Voraussetzungen für Pflegeeltern

Wer ein Pflegekind aufnimmt, braucht Platz. Am besten hat das Kind ein eigenes Zimmer. Selbstverständlich sollte genügend Zeit für das neue Familienmitglied zur Verfügung stehen, Erfahrung im Umgang mit Kindern ist wünschenswert. Pflegefamilien sollten in stabilen finanziellen Verhältnissen leben. Vollzeitpflegefamilien erhalten aktuell pauschal zwischen 805 und 954 Euro Pflegegeld pro Kind und Monat, je nach Alter des Kindes (entsprechend der Landesunterhaltsverordnung LUVO SH).

Weitere Informationen

Die Themen im Überblick

Mitschnitte, Zusammenfassungen, Hintergrundberichte - alles zu den Sendungen "Zur Sache" zum Nachlesen und Nachhören. mehr

Es wird genau geprüft, ob es passt

Um Kindern die Unterbringung im Heim möglichst zu ersparen, suchen alle Städte und Kreise im Land permanent Pflegefamilien. Selbst da, wo vermeintlich genug Pflegefamilien bereitstehen, gibt es Engpässe, da nicht jedes Kind in jede Familie passt. Um zu verhindern, dass ein Pflegeverhältnis frühzeitig beendet wird, gilt es, sorgfältig zu prüfen, ob die Voraussetzungen auf beiden Seiten stimmen.

Probleme in Herkunftsfamilien

In der Zur Sache Sendung am Sonntagabend diskutierte Moderatorin Rebekka Merholz mit Gästen im Studio die aktuelle Situation von Pflegefamilien und Pflegekindern im Land. Dabei ging es auch darum, dass die Kinder immer öfter schwere Probleme in ihrer sogenannten Herkunftsfamilie haben. Und das bedeutet für die Pflegefamilien noch mehr Arbeit.

Gäste im Studio waren: Jasper Jensen, Leiter des Pflegestellenteams im Fachdienst Jugend beim Kreis Pinneberg, Lidija Baumann vom Kinderschutzzentrum Kiel, das ehemalige Pflegekind Sharon Schröder sowie ein Vater, der zwei Kinder (3 und 6 Jahre) in Pflege hat.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 17.11.2019 | 18:05 Uhr