Stand: 06.05.2019 07:20 Uhr

Zur Sache: Krabben zum Schnäppchen-Preis

von Michael Frömter

Auch an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste sind die Krabbenfischer in die neue Saison gestartet. Die Fangmöglichkeiten sind derzeit gut und die Fangmengen liegen deutlich über dem für diese Jahreszeit üblichen Bedarf - sagt der Verband der Deutschen Kutter- und Küstenfischer Anfang April. Was die Verbraucher freuen dürfte, macht den Krabbenfischern das Leben schwer. Die hatten im vergangenen Jahr noch von Rekordpreisen profitiert. Krabbenbrötchen kosteten zum Teil mehr als zehn Euro. Doch seit dem vergangenen Herbst sinken aufgrund ergiebiger Fänge die Erzeugerpreise von einstmals neun auf drei Euro je Kilogramm.

Eine Hand hält ein frisches Krabbenbrötchen. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Krabben - Delikatesse zum Schleuderpreis

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Fangmengen der Krabben über dem Bedarf, volle Lager beim Handel - die Preise für Krabben sind im Keller. Nun gibt es einen Fangstopp. Die ganze Zur Sache Sendung zum Nachhören.

3,75 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Demnächst Fangpause für Krabbenfischer

Da auch die Lager voll mit Krabben sind, legen die Fischer ab Ende Mai eine sechswöchige Fangpause ein. So lange, bis die Großhändler wieder Platz in den Lagern haben und neue Lieferungen abnehmen können. Die Kosten der Fischer - etwa für ihre Angestellten, Reparaturen oder Kreditrückzahlungen - laufen derweil weiter.

Das gesunde "rote Gold der Nordsee"

Krabben gelten als schmackhaft, nahrhaft und gesund. Sie liefern hochwertiges Eiweiß, Mineralstoffe, Vitamine, haben wenig Fett und machen satt. Dass das "rote Gold", wie Fischer es nennen, gar nicht rot ist, wissen die wenigsten. Auch dass die Krabbe keine Krabbe, sondern eine Nordseegarnele ist, ist vielen unbekannt. Die unscheinbaren grauen Tierchen werden bereits nach dem Fang an Bord der Kutter in Seewasser gekocht und erhalten dabei ihre rötliche Färbung. Krabben leben vor allem im Bereich des Wattenmeeres. Sie können nach Angaben des Nationalparkamtes Wattenmeer bis zu vier Jahre alt und maximal zehn Zentimeter groß werden. Bereits nach neun Monaten sind sie 45 Millimeter groß und können sich fortpflanzen. In dieser Zeit werden sie meist gefischt und landen als Delikatesse auf dem Tisch.

Krabbenfischerei - ein Handwerk mit Tradition

Bild vergrößern
Ein traditioneller Anblick - die Krabbenkutter in Büsum.

Krabbenfischen hat an der Nordsee Tradition. Die ist allerdings nicht so alt, wie man vermuten könnte. Erst seit etwa 1900 werden Krabben per Kutter gefischt. Davor seien sie von Menschen, die mit einem Netz durch das flache Wasser wateten, gefischt worden, heißt es in einer Broschüre des Nationalparkamtes. Heute gehen in Schleswig-Holstein etwa 100 relativ kleine Kutter gewerblich auf Krabbenfang. Dabei laufen auf jeder Seite des Schiffes weit geöffnete Netze über den Meeresboden. Im Gegensatz zu anderen Fischereien in der Nordsee gibt es keine gesetzliche Fangmengenbegrenzung für Krabben.

Krabbenfischen ökologisch umstritten

Nach Angaben von Wissenschaftlern kommt den Nordseegarnelen im Ökosystem Wattenmeer eine wichtige Rolle zu: Sie sind Nahrung für viele Tierarten, und fressen ihrerseits viele kleinere Tiere. Deshalb sei es wichtig, dass es auch Rückzugsgebiete für die Krabben gibt, fordert seit Jahren die Umweltorganisation WWF. Ein Dorn im Auge ist den Natur- und Umweltschützern auch die Art des Fangs per Schleppnetz. Dadurch würden Bodentiere am Meeresgrund vernichtet, heißt es. Für ökologisch bedenklich halten Experten auch, dass die Krabben zum Pulen immer noch nach Marokko oder Polen gebracht werden, bevor sie auf dem deutschen Markt landen.

Live aus Büsum

Was bedeuten die Krabben für die regionale Wirtschaft, was für den Tourismus an der Nordseeküste? Wie können wirtschaftliche Interessen und ökologisches Gleichgewicht in Einklang gebracht werden? Diesen Fragen ist Moderator Jörn Schaar in der Sendung Zur Sache am Sonntag nachgegangen. Gesendet wurde live aus Büsum.

Weitere Informationen

Volle Lager: Krabbenfischern droht Fangstopp

Die Lager der Großhändler sind voller Krabben. Und so finden die Krabbenfischer aus dem Norden keine Abnehmer für ihre Fänge. Die Fischer fürchten um ihre Existenz. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 05.05.2019 | 18:05 Uhr

Die Themen im Überblick

Mitschnitte, Zusammenfassungen, Hintergrundberichte - alles zu den Sendungen "Zur Sache" zum Nachlesen und Nachhören. mehr

Podcast

Podcast: Zur Sache

Jeden Sonntag diskutieren Experten in der Sendung "Zur Sache" von 18 bis 20 Uhr über das Thema der Woche. Auch die Meinungen und Fragen der Hörerinnen und Hörer sind gefragt. mehr