Eine Schülerin meldet sich im Unterricht. © picture alliance Foto: Andreas Arnold

Zur Sache: Kitas und Grundschulen öffnen wieder

Stand: 19.02.2021 09:42 Uhr

Die Kitas und Grundschulen im Land sind wieder geöffnet - allerdings mit Ausnahmen. Was das für Schüler, Eltern und Lehrkräfte bedeutet, darüber haben wir in der Sendung Zur Sache gesprochen.

In den meisten Kreisen und kreisfreien Städten beginnt für die Grundschülerinnen und Grundschüler wieder der Präsenzunterricht. Auch Kitas öffnen. Während die einen erleichtert aufatmen, kommt von vielen - vor allem für den Schritt in den Präsenzunterricht - viel Kritik.

Schlechte Kommunikation des Ministeriums

Die Kritik der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) lautet: "Zu schnell und zu viel." Katja Coordes, die GEW-Vize-Landeschefin, machte deutlich, dass sich die Erzieher und Lehrer eher Wechselmodelle gewünscht hätten, die sich bereits vergangenes Jahr bewährt hätten.

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden. © Picture Alliance Foto: Monika Skolimowska

AUDIO: Zur Sache: Kitas und Grundschulen öffnen (56 Min)

Auch Volker Nötzold vom Landeselternbeirat der Grundschulen und Förderzentren übte Kritik. Vor allem die Kommunikation des Ministeriums sei nicht ausreichend gewesen. Viele Eltern würden sich nicht richtig informiert fühlen und hätten viele Fragen, beispielsweise rund um die Maskenpflicht, aber auch zu Beurlaubung von Kindern.

Prien: "Grundsatzentscheidung unserer Gesellschaft"

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) machte hingegen deutlich, die Öffnung sei genau nach Stufenplan erfolgt: Der Schritt zurück in die Schulen und Kitas sei außerdem notwendig, um größere Schäden durch einen weiteren Verzug zu vermeiden. "Ich will nochmal deutlich sagen, es ist eine Grundsatzentscheidung unserer Gesellschaft zu sagen, das Wichtigste, was wir jetzt tun müssen, ist, dass Kinder und dann im weiteren Verlauf auch Jugendliche wieder in die Schule kommen. Weil die Kollateralschäden, die jetzt entstehen durch den weiteren Entzug von Schule, so groß sind, dass wir das nicht weiter verantworten können und wollen", sagte sie am Sonntagabend in der Sendung Zur Sache.

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Ausgenommen von der Regelung sind die Grundschulen in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Pinneberg und Schleswig-Flensburg sowie in den Städten Flensburg und Lübeck. Das Infektionsgeschehen lasse eine Öffnung der Grundschulen und Kitas dort noch nicht zu, so Prien. Die Ausnahme von der Ausnahme sei die Insel Helgoland im Kreis Pinneberg, wo es derzeit keine Corona-Fälle gibt. Der Kreis Herzogtum Lauenburg will kommende Woche beraten, wann eine Öffnung der Grundschulen dort möglich sein könnte. Zwei Mal pro Woche gibt es kostenlose Corona-Testungen für Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte. Ein Mund-Nasen-Schutz ist für alle Pflicht. Für den Kreis Herzogtum soll kommende Woche entschieden werden.

SPD: Landesregierung hat sich zu spät um Probleme gekümmert

Die SPD hält grundsätzlich Schulöffnungen für richtig, übt aber auch Kritik. Der Bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Martin Habersaat, sagte, seine Partei hätte es für richtig gehalten, wenn die Regierung sich frühzeitig um Fragen wie Wechselunterricht, Masken und Luftreinigungsgeräte gekümmert hätte. Mit Blick auf die Corona-Testungen von Lehrkräften sowie Erzieherinnen und Erziehern zweimal pro Woche sagte Martin Habersaat, er hätte sich das auch für die Schülerinnen und Schüler gewünscht. Weiterer Kritikpunkt: die entstandenen Lerndefizite. "Man muss sich bewusst sein, dass in diesem Schuljahr nicht der normale Lehrplan geschafft werden kann, dass heißt, es muss jetzt andere Angebote geben, zum Beispiel für Schüler, die im Distanzunterricht nicht so gut mitgekommen sind", so der Politiker. An einigen Schulen sei der Förderunterricht wegen Corona gestrichen worden, das Gegenteil wäre jetzt wichtig.

GEW: Abstandsregeln können nicht eingehalten werden

Die Vize-Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Katja Coordes sagte, die bisher ergriffenen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz reichten nicht aus. Abstände ließen sich bei der Arbeit mit Kindern nicht einhalten. Man werfe in Kitas und Grundschulen alle Vorsicht über Bord, obwohl Virologen schon vor der dritten Welle warnen würden.

Eltern unterstützen Grundschüler beim digitalen Lernen

Landesschülersprecherin Amelie Grothusen findet es grundsätzlich gut, dass Grundschüler wieder in ihre Schulen gehen können. Besonders für die Erstklässler sei es eine harte Zeit gewesen. Kurz nach ihrer Einschulung seien sie ins Homeschooling geschickt worden. "Und die kennen sich in der digitalen Welt noch nicht aus, da waren dann die Eltern gefragt", so Amelie Grothusen. "Viele Eltern sind daher oft am Limit."

Präsenzunterricht statt Wechselunterricht für Alle

Laut Volker Nötzold, Landeselternbeirat der Grundschulen und Förderzentren, ist es für die Eltern wichtig, eine gewisse Planungssicherheit zu haben. Schleswig-Holstein habe bereits einen Stufenplan ausgearbeitet, der sei aber auf der letzten Ministerpräsidentenkonferenz wieder hinfällig geworden. "Vorgesehen war eigentlich ein Wechselunterricht, nun gibt es Präsenzunterricht für alle Grundschüler."

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