Stand: 16.01.2020 14:23 Uhr

Zur Sache: Die Zukunft der Landwirtschaft

Die Gesellschaft hat immer höhere Anforderungen an die Landwirtschaft. Mit diesem Anspruch kommen gleichzeitig Probleme auf.

Artgerechte Tierhaltung, umweltverträglicher Landbau: Das sind zunehmend die Forderungen in der Gesellschaft angesichts eines veränderten Umwelt- und Naturschutzbewusstseins. Regional und nachhaltig soll die Landwirtschaft sein und dabei auch noch bezahlbar. Doch die Realität sieht anders aus. Statt vieler kleiner Betriebe ist die Landwirtschaft überwiegend auf Großbetriebe konzentriert. Das war einmal anders: Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Zahl der Bauernhöfe in Schleswig-Holstein noch bei mehr als 54.000. Im Zusammenhang mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft setzte nach Angaben des Bauernverbandes ab 1960 aber ein "Höfesterben" ein. Waren es zur Jahrtausendwende noch gut 20.000 sogenannte Vollerwerbsbetriebe, sind es nach den jüngsten Zahlen des Statistikamtes Nord (Bericht aus 2016) inzwischen noch etwa 12.000 Betriebe, die fast eine Million Hektar (ha) Land bewirtschaften.

Vor allem die Zahl der Viehhalter ist nach Angaben der Statistiker seit Längerem rückläufig. Der Bauernverband Schleswig- Holstein geht heute davon aus, dass sich in diesem Jahr das Höfesterben noch einmal verschärfen wird. Viele Bauern könnten nicht länger durchhalten, die jüngsten Einbußen seien zu viel, sagte Generalsekretär Stephan Gersteuer noch vor der Jahreswende. Weder beim Getreide noch bei der Milch seien die Erlöse kostendeckend.

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Klöckners Ackerbaustrategie ist viel zu vage

19.12.2019 17:08 Uhr
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Agrarministerin Klöckner will mit einer neuen Ackerbaustrategie mehr Natur- und Klimaschutz erreichen. Sie pocht aber auch auf wirtschaftlich tragfähige Lösungen. Claudia Plaß kommentiert. mehr

Kostendruck und Auflagen machen Bauern zu schaffen

"Die Bauern klagen immer", heißt ein weit verbreitetes Vorurteil. Und in der Tat sind die Klagelaute der Agrarlobby immer wieder hörbar - manchmal zu Recht, manchmal aber eben nicht. Das macht es für Bürgerinnen und Bürger so schwierig, die Lage der Bauern wirklich einschätzen zu können. Lediglich bei der Milchkrise 2016 und den Dürren 2018 und 2019 waren die Probleme der Bauern für viele Menschen nachvollziehbar.

Traktoren stehen auf dem Exerzierplatz in Kiel. © dpa/Carsten Rehder Foto: Carsten Rehder

Landwirtschaft

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Die Landwirtschaft ist ein lebensnotwendiger Wirtschaftszweig. Doch in letzter Zeit mehren sich die Probleme durch immer höhere Auflagen für Landwirte und Bauern.

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Doch das reicht vielen Bauern nicht aus. Sie fordern nicht nur Unterstützung für die Folgen von Naturereignissen und Dumpingpreisen, sondern kritisieren vor allem auch die Agrarpolitik. Dazu gehört ihrer Ansicht nach auch die Abhängigkeit von staatlichen Subventionen, die jedes marktwirtschaftliche Handeln unmöglich machen. Ein Dorn im Auge ist zahlreichen Bauern auch die neue Düngeverordnung, mit der die Nitratbelastung im Grundwasser gesenkt werden soll. Durch die Begrenzung der Ausbringung von Gülle sieht so mancher Landwirt seine Erträge weiter sinken - ganz abgesehen davon, dass es durch die Massentierhaltung ein Problem mit der Gesamtmenge an Gülle gibt.

Landwirte gehen auf die Barrikaden

Die gesellschaftlichen Gräben vertiefen sich - nicht nur zwischen Umweltschützern und Landwirten, sondern offenbar auch unter den Bauern selbst. Während ein großer Teil sich nach wie vor durch den Bauernverband vertreten sieht, nehmen andere das Zepter selbst in die Hand und machen gegen die Politik mobil. Seit Ende des vergangenen Jahres gehen sie auf die Straße - vielmehr rollen sie auf der Straße. Mit Trecker-Sternfahrten und Demonstrationen protestieren sie, wie auch diese Woche wieder, gegen die Agrarpolitik und fordern Politiker zu Gesprächen heraus.

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Trecker-Demos: Die Initiative hinter den Protesten

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Die Initiative "Land schafft Verbindung - wir rufen zu Tisch" hat bereits mehrere Protestaktionen organisiert. Sie richten sich gegen das Agrarprogramm der Bundesregierung. Video (04:39 min)

Hinter den Protesten steht das Bündnis "Land schafft Verbindungen". Zwar sind namentlich einige Initiatoren bekannt, ob aber eine andere Organisation dahinter steht, ist nicht klar. Der Bauernverband ist es jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil. Ungewöhnlich scharf kritisierte Bauernpräsident Werner Schwarz jüngst Verstöße gegen die Düngeverordnung. Wer beispielsweise Gülle auf abgeernteten Maisfeldern ausbringe, handele rechtswidrig und rücksichtslos gegenüber der Umwelt. Zudem zeige er sich unsolidarisch gegenüber Berufskollegen, sagte Schwarz in einem Zeitungsinterview.

Konstruktive Lösungen sind gefragt

Ob Gülleverordnung oder der Einsatz von Pflanzenschutzmittel: Die Fronten sind verhärtet. Einige Fragen ließen sich mit Geld - also mit Subventionen - klären, beispielsweise das Anlegen von Blühstreifen für Insekten. Doch Geld allein wird die Landwirtschaft weder erhalten noch verbessern. Gefragt sind konstruktive Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft, bei denen auch die Bauern auf ihre Kosten kommen.

Anregungen dafür gab es im zu Ende gehenden Wintersemester bei den Agrarwissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel. Dort beschäftigten sich die Wissenschaftler mit dem Agrar-System der Zukunft. Im Mittelpunkt steht dabei die landwirtschaftliche Ertragsoptimierung bei einer gleichzeitig hohen Belastung und Verknappung natürlicher Ressourcen wie Wasser und Boden. Themen neben den Risiken für Gewässer durch Nitrat und Pflanzenschutzmittel und die negativen Auswirkungen auf das Klima waren auch die artgerechte Haltung von Tieren und eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Agrarproduktion.

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Grüne Woche: SH präsentiert sich in neuer Halle

Landestypische Gerichte, Tourismusangebote, neue Online-Portale - all das wird Schleswig-Holstein bei der Grünen Woche vorstellen. Die vielen Stände sind erstmals in einer neuen Halle untergebracht. mehr

Spannende Diskussion erwartet

Wie muss eine Agrarpolitik aussehen, um Umwelt- und Klimaziele erreichen zu können? Auf was müssen sich Landwirte und auch Verbraucher einstellen? Wie wird eine effiziente und dennoch nachhaltige Produktion gesunder Lebensmittel aussehen? Ein "Weiter so" kann es nach Ansicht von Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) jedenfalls nicht geben. Er setzt daher auf neue Geschäftsmodelle.

Wie die aussehen könnten, das war Thema in unserer Sendung Zur Sache. Gäste im Studio bei Moderatorin Rebekka Merholz waren Prof. Tim Diekötter von der Uni Kiel, Heinrich Mougin, Vorstandsmitglied im Bauernverband und der Bio-Landwirt Tobias Carstens. Vom Bündnis "Land schafft Verbindung" kommt Stefan Wendtland, Milchbauer aus Horst im Kreis Steinburg.

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08.01.2020 17:00 Uhr

"Land schafft Verbindung", die junge Protestbewegung der Landwirte, hat im Umwelt- und Agrarausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages ihre Probleme vorgetragen. mehr

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Rund um die Sendung

Rück- und Ausblick auf die Themen des Jahres

2019 war ein ereignisreiches Jahr, und das zeigt sich auch im Rückblick auf unsere Sendung "Zur Sache". Das Besondere: Viele Themen werden uns auch in Zukunft weiter beschäftigen. mehr

Die Themen im Überblick

Mitschnitte, Zusammenfassungen, Hintergrundberichte - alles zu den Sendungen "Zur Sache" zum Nachlesen und Nachhören. mehr

Podcast

Podcast: Zur Sache

Jeden Sonntag diskutieren Experten in der Sendung "Zur Sache" von 18 bis 20 Uhr über das Thema der Woche. Auch die Meinungen und Fragen der Hörerinnen und Hörer sind gefragt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 19.01.2020 | 18:05 Uhr