Sendedatum: 23.09.2018 18:05 Uhr

Wie viele Krankenhäuser braucht das Land?

von Michael Frömter

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Die Idee der AOK, nur in spezialisierten Kliniken zu operieren, stieß auf viel Kritik.

Im Frühjahr sorgte eine Studie der AOK für erheblichen Diskussionsstoff, Fazit des sogenannten Krankenhausreports: Nicht alle Krankenhäuser sollen auch alles behandeln können. Laut AOK würden die Heilungschancen der Menschen steigen, wenn Operationen nur in spezialisierten Krankenhäusern durchgeführt werden. Sollte dieses Modell der "zertifizierten Zentren" umgesetzt werden, könnte eine Vielzahl an Kliniken schließen, so die These des Gesundheits-Ökonoms Reinhard Busse, der die Studie für die AOK durchgeführt hat.

Kritik an AOK-Vorstoß

Die AOK-Studie stieß in Schleswig-Holstein auf wenig Gegenliebe. Die Krankenhäuser sprachen von einer unverantwortlichen Verunsicherung der Patienten. Der Vorwurf, einige Kliniken hätten für manche OPs nicht genug Erfahrung, brachte so manchen Klinikchef auf die Palme. Und auch Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) brach angesichts der AOK-Thesen nicht in Jubel aus. Er halte nichts von abstrakten Rechengrößen, wird Garg in den Zeitungen zitiert. Gleichwohl hält auch der Minister eine  Krankenhaus-Strukturreform in Schleswig-Holstein für dringend notwendig.

Betten stehen auf einem Krankenhaus-Flur © dpa Foto: Rainer Jensen

Wie viele Krankenhäuser braucht das Land?

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Muss jedes Krankenhaus alles können? Wie weit würden Sie fahren, um in "gute Hände" zu kommen? Darüber haben wir mit unseren Gästen im Studio diskutiert.

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Risiken ländlicher Kliniken

Die Mittel im Gesundheitswesen sind endlich, zumindest aber sind keine großen Steigerungen zu erwarten. Wer als Klinik-Chef Geld verdienen will, setzt daher auf Operationen. Eine (zu lange) Pflege ist kostenintensiv, zeitaufwändig und belegt Betten, die für neue OPs gebraucht werden. Genau darin besteht die Crux. Wer nicht viel operiert, macht schnell Verluste und erschwert die wirtschaftliche Lage insbesondere von Krankenhäusern auf dem Land. Die Betriebskosten laufen schnell aus dem Ruder. Wenn dieses Problem nicht gelöst wird, werden vor allem Kliniken im ländlichen Raum zu Sanierungsfällen oder sie müssen komplett schließen. Dass es auch anders gehen kann, zeigen beispielsweise die Westküstenkliniken in Heide und Brunsbüttel. Sie erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Gewinn von gut zwei Millionen Euro.

Die Kliniklandschaft der Zukunft

Wie wird die Kliniklandschaft der Zukunft in Schleswig-Holstein aussehen? Auf jeden Fall soll die Grund- und Regelversorgung insbesondere im ländlichen Raum erhalten bleiben. Wie viele Krankenhäuser und Betten dafür erforderlich und finanzierbar sind, darüber muss offen gesprochen werden. Ob die Konzentration von Operationen in sogenannten Kompetenz-Zentren tatsächlich Sinn machen, muss ebenfalls geklärt werden.    

Experten im Studio

Zu Gast im Studio bei Moderator Constantin Gill waren Patrick Reimund von der Krankenhausgesellschaft SH und der Leiter des VDEK, der Landesvertretung der Ersatzkassen, Armin Tank.  Außerdem war Sieghard Schmanteck im Studio sein. Er hat sich in der Bürgerinitiative "Klinik Niebüll schließen - nix da!" erfolgreich für den Erhalt der Klinik in Südtondern eingesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 23.09.2018 | 18:05 Uhr

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