Stand: 13.04.2018 14:35 Uhr

Habeck denkt über Einwegplastik-Verbot nach

Mit Blick auf die Plastik-Verschmutzung der Ostsee hat Umweltminister Habeck Verbraucher dazu aufgefordert, Einweg-Müll nicht achtlos wegzuwerfen. Es sei erschreckend, wie viel Abfall sich an den Stränden finde, sagte der Minister in der Sendung Zur Sache auf NDR 1 Welle Nord. Notfalls müssten die gesetzlichen Vorschriften geändert werden, so Habeck. "Ich glaube, da muss man an die Quelle ran und Einwegplastik tatsächlich verbieten oder teurer machen."

Ostsee in "erbärmlichem" Zustand

Ob Kaffeebecher, Salatverpackungen, Zigaretten oder Plastik-Flaschen: Jährlich lassen Strandbesucher tonnenweise Plastikmüll an den Stränden zurück. Es sei Unsinn, das langlebigste Material nur kurzfristig zu nutzen, sagte Habeck. Die Ostsee sei - wie andere Meere auch - derzeit bereits in einem erbärmlichen Zustand.

"Situation im Griff"

In der Sendung Zur Sache ging es auch um die Plastikpartikel in der Schlei. Mit einem enormen Aufwand versuchen die Verantwortlichen, der Lage Herr zu werden. Umweltschützer kritisieren einen ihrer Meinung nach blinden Aktionismus. Die Plastikteile stammen aus der Kläranlage in Schleswig. Die Stadtwerke hatten im Faultum ihrer Kläranlage Speisereste eines Zulieferers aus Nordfriesland verarbeitet. Doch darin befanden sich Reste zerhackter Lebensmittelverpackungen. Der Leiter des Fachdienstes Naturschutz im Kreis-Schleswig-Flensburg, Thorsten Roos, sagte auf NDR 1 Welle Nord, die Situation sei im Griff. "Wir wissen um die Belastung. Wir wissen, wo wir zu reinigen haben und sind im überschaubaren Arbeitsmodus angekommen", meinte Roos.

Plastik-Müll an der Schlei nur Spitze des Eisberges

Bild vergrößern
NDR 1 Welle Nord Moderator Michael Frömter (l.) diskutierte mit Thorsten Roos (M.) und Mark Lenz (r.).

Was an der Schlei zu Tage trat, ist längst nicht alles, was in die Ostsee gelangt. Ob ganze Autos, Abfälle der Schiffe, Munition: Alles landet oftmals in der Ostsee. Noch schlimmer sind aber die Kleinstteile, die man mit bloßem Auge nicht sieht, allen voran das Mikroplastik. Damit befassen sich Wissenschaftler des GEOMAR-Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel - darunter Dr. Mark Lenz. Er sagte in der Sendung Zur Sache, dies sei noch ein sehr junges Forschungsfeld. "Wir haben noch sehr wenig Wissen darüber, wie sich diese Partikel auswirken - kurzfristig und langfristig", so Lenz auf NDR 1 Welle Nord.

Dünger und Gülle belasten Gewässer

Hinzu kommen Schwermetalle sowie Nähr- und Schadstoffe, die über das Süßwasser in das Binnenmeer gelangen. Und gerade dieser Nährstoffeintrag durch die Landwirtschaft bereitet den Politikern Kopfzerbrechen. Immerhin liegen nach Angaben der Umweltminister der Ostsee-Anrainer-Staaten allein die Phosphatwerte an mehreren Stellen deutlich über den erlaubten Werten. Dem wollen die Minister bis 2021 mit einem überarbeiteten Ostsee-Aktionsplan begegnen.

Kritik daran kommt aus dem Kieler Umweltministerium. Der Zustand des Meeres sei insgesamt schlecht, weil bislang auch in der deutschen Ostsee die beschlossenen Ziele im Gewässerschutz nicht flächendeckend umgesetzt worden seien, heißt es in einer Stellungnahme. Dünger und Gülle aus der Landwirtschaft dürften nicht mehr ins Wasser gelangen, sagte Habeck in Zur Sache. Sie würden den Sauerstoffgehalt in der Ostsee dramatisch senken.

Zu viele Nährstoffe, zu wenig Sauerstoff

Die Schadstoffe sind nicht das einzige Problem. Auch die Mengen an Süßwasser selbst verschärfen nach Erkenntnissen der Wissenschaftler des GEOMAR-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel die ökologische Situation in der Ostsee. Da süßeres Wasser leichter ist als salziges und beides sich nur schlecht vermischt, liegt das Süßwasser wie ein Deckel auf dem Salzwasser. In tieferen Bereichen sei der Sauerstoff aber schnell verbraucht, sagen die Wissenschaftler. Erst wenn größere Mengen an Salzwasser aus der Nordsee in die Ostsee einströmen, gebe es auch wieder mehr Sauerstoff. Welche Folgen die vermehrten Stürme auf die Wasserqualität haben, soll erst noch erforscht werden.

Weitere Informationen

Plastik in der Schlei: Streit um Verantwortung

Die Stadtwerke Schleswig und das Recyclingunternehmen ReFood machen sich jeweils gegenseitig dafür verantwortlich, dass die Schlei zwei Jahre lang mit Kleinplastik verschmutzt wurde. mehr

Plastikteilchen in der Schlei bereiten Probleme

Riesige Mengen winzig kleiner Plastikteilchen schwimmen in der Schlei. Zwei Jahre standen die Behörden vor dem Rätsel, woher der Kunststoff stammt. Nun ist der Verursacher ausfindig gemacht. mehr

45 Min

Mikroplastik: Tickende Zeitbombe aus dem Meer

09.02.2015 22:00 Uhr
45 Min

Plastikmüll verbreitet sich in Form winziger Partikel in der Umwelt. Auch Lebensmittel sollen bereits verunreinigt sein. Wie groß ist die Gefahr für den Menschen? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 15.04.2018 | 18:05 Uhr

Podcast

Podcast: Zur Sache

Jeden Sonntag diskutieren Experten in der Sendung "Zur Sache" von 18 bis 20 Uhr über das Thema der Woche. Auch die Meinungen und Fragen der Hörerinnen und Hörer sind gefragt. mehr

Die Themen im Überblick

Mitschnitte, Zusammenfassungen, Hintergrundberichte - alles zu den Sendungen "Zur Sache" zum Nachlesen und Nachhören. mehr