Ein Mädchen sitz an einem Schreibtisch auf dem ein Laptop steht. © NDR Foto: Lina Bande

"Vertell doch mal": Ünner-18-Pries für Caroline Winter

Sendedatum: 03.06.2021 19:15 Uhr

Die zwölfjährige Caroline Winter hat zum ersten Mal mitgemacht und direkt gewonnen: In ihrer Geschichte geht's darum, wie andere Länder mit der Corona-Pandemie zu kämpfen haben. Oma und Opa haben beim Übersetzen geholfen.

von Lina Bande

Die Tür zum Kinderzimmer ist nur angelehnt. Bis in den Flur ist das Klackern der Computertastatur zu hören. Caroline Winter sitzt konzentriert an ihrem Schreibtisch. Ihre Hausaufgaben hat die Zwölfjährige längst erledigt - jetzt hat sie endlich Zeit zum Schreiben. Vor allem Fantasy-Geschichten haben es ihr angetan.

"Mir macht es Spaß, in diese anderen Welten zu verschwinden. Ich denke generell sehr viel über diese Fantasiedinge nach. Und ich weiß auch nicht, wenn ich die jetzt nicht alle aufschreiben würde, was dann alles in meinem Kopf los wäre. Das wär' bestimmt ziemlich voll", erzählt die Sechstklässlerin aufgeregt.

Schreiben ist ihr liebstes Hobby

Unzählige Kurzgeschichten und sogar ein eigenes Buch hat sie schon geschrieben, oft in Bezug zu ihren liebsten Romanen - dazu zählen zum Beispiel Harry Potter oder die Land-of-Stories-Reihe. Und nun kann sie sich auch das "Vertell doch mal"-Buch 2021 ins Regal stellen: Denn direkt die erste Geschichte darin mit dem Titel "De Oortsverschuver" ist von Caroline Winter - als Siegerin des "Ünner-18-Pries".

VIDEO: "De Oortsverschuver" - gelesen von Lara-Maria Wichels (8 Min)

Gedankliche Reise um die Welt

Die Geschichte zum Motto "Allens anners" ist aus Sicht eines Mädchens erzählt, das von der Corona-Pandemie mit all den Einschränkungen genervt ist. Bis ihr ein kleines Wesen einen "wunnerlichen Apparat" bringt: den "Oortsverschuver", mit dem das Mädchen an die verschiedensten Orte reisen kann.

Auf einem Friedhof in Südafrika, einer Intensivstation in Brasilien und in den verwaisten Straßen Frankreichs während des Lockdowns erleben sie und mit ihr die Leserinnen und Leser, welche Folgen die Pandemie in anderen Ländern der Welt hat.

Geprägt von der aktuellen Situation

Mit ihrer Familie hatte Caroline in den vergangenen Monaten oft Nachrichten geschaut, das Geschehen rund um die Pandemie aufmerksam verfolgt. "Ich fand es immer so schade, wenn ich gehört habe, dass sich die ganzen Leute beschweren, wie schlimm es hier ist. Dann hab ich mir gedacht: Man kann ja auch einfach mal zeigen, wie das in den anderen Ländern ist", erklärt sie ihre Motivation.

Die Geschichte der Zwölfjährigen begeisterte auch die Jury: "Klug und eindrucksvoll auf den Punkt gebracht, verleiht die Autorin einer jungen von Homeschooling und sozialer Distanzierung geprägten Generation eine Stimme", heißt es in der Begründung.

Die ganze Familie hilft mit

Die Teilnahme an "Vertell doch mal" war für Caroline in diesem Jahr eine Premiere. Ihr Vater Jens hatte im Radio von dem Wettbewerb gehört und seiner Tochter davon erzählt. Und weil sie gerade sowieso keine Geschichte in Arbeit hatte, entschied sie sich dazu, etwas für den Wettbewerb zu schreiben.

Ein Mädchen hält einen Blumenstraus und einen großen Check über 400€ in der Hand. © NDR Foto: Lina Bande
Caroline freut sich nicht nur über die 400 Euro Preisgeld, sondern auch über die Veröffentlichung ihrer Geschichte im neuen Buch zu Vertell doch mal 2021.

"Ich hab gedacht, es ist zwar auf Plattdeutsch, aber es ist ja trotzdem Geschichte schreiben! Also kann ich es ja mal probieren", blickt sie heute grinsend zurück. Denn eigentlich spricht die Zwölfjährige gar kein Plattdeutsch. Ihre hochdeutsche Geschichte haben ihre Großeltern Inge und Jakob Winter für sie übersetzt.

Die Übersetzung hatte es in sich

Die beiden sind mindestens genau so glücklich wie ihre Enkeltochter, dass es auf Anhieb mit dem Preis geklappt hat. "Sie ist einfach ein Mädchen mit lauter Überraschungen", sagt ihre Oma Inge stolz. Dabei sei die Übersetzung gar nicht so leicht gewesen, denn Platt schnacken und Platt schreiben sei doch ein großer Unterschied. "Da haben wir eine ganze Woche für gebraucht."

Noch viele Geschichten auf Lager

Caroline freut sich nun über 400 Euro Preisgeld - und natürlich über ihre erste Veröffentlichung in einem Buch. Und bei so vielen Ideen im Kopf, bei so viel Kreativität, folgen da in Zukunft bestimmt noch mehr. Auf jeden Fall arbeitet die Zwölfjährige schon wieder an einer neuen Geschichte.

Ehrung bei Online-Gala

Wer die anderen Preisträger von "Vertell doch mal" 2021 sind, das erfahren Sie am Freitag, 4. Juni , ab 19 Uhr bei der virtuellen Gala. Dann werden die fünf Siegergeschichten von Botschafterin Ina Müller sowie von prominenten Schauspielerinnen und Schauspielern des Hamburger Ohnsorg-Theaters vorgetragen. Das Video zur Gala finden Sie dann auf NDR.de/vertell und auf bremeneins.de.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 03.06.2021 | 19:15 Uhr

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