Stand: 14.08.2020 18:14 Uhr

Weltreise durch SH: Rußland

Im Jahr 1915 flohen zwei Russen in den Wirren des Ersten Weltkriegs ins Große Moor bei Rußland. Sie wussten wohl nicht, dass der Ort diesen Namen trug, berichtete damals die "Eckernförder Zeitung". Einer wurde gefasst. "Um sich in dem Moore und der braunen Heide unkenntlich zu machen, hatte er seine Kleidung mit einer Schutzfarbe Moorschlamm versehen. Die beiden hatten sich in einer Erdvertiefung schon ganz häuslich eingerichtet. Namentlich zeigte die Speisekammer ein besonders freundliches Gesicht", steht in dem Bericht vom 15. Mai 1915. Es folgt eine Aufzählung der offenbar gestohlenen Hühner und Kartoffelvorräte.

Früher Moor, heute sattes Grün

Dem Großvater von Hans Schäfer gehörten zu dieser Zeit bereits zwei der drei Häuser von Rußland. Mit vier von sechs Einwohnern dominiert die Familie auch heute noch den kleinen Ortsteil der Gemeinde Holzdorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Wiesen in sattem Grün umgeben die Siedlung am Wald. "Das sah früher ganz anders aus. Hier war es ziemlich moorig. Hier stand Wasser, da stand Wasser," meint Ilona Schäfer. Hans erinnert sich noch gut an das anstrengende Torfstechen, das bis 1962 betrieben wurde. "Wie die Ameisen standen die Leute im Moor," sagt er.

Ärger bei der Musterung

Natürlich hat Hans Schäfer schon mal damit kokettiert, dass er aus Rußland kommt - bei seiner Musterung in Schleswig mitten zur Zeit des Kalten Krieges. "Die Frau wurde richtig giftig, als ich dreimal hintereinander Rußland sagte. Es stand ja drauf, dass es im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist. Aber das hat sie nicht begriffen," erzählt er und lacht. Ilona Schäfer musste schon einmal sehr lange auf den Brief einer Freundin warten: "Der war ein paar Monate unterwegs und kam dann aus Russland wieder zurück. Das ging ja damals über Waabs. Und das ist irgendwie durchgestrichen worden und dann ist der Brief erstmal auf Reisen gegangen."

Woher kommt der Name?

Stellt sich natürlich noch die Frage, woher der Name kommt. Die Schäfers halten es für möglich, dass familiäre Verbindungen der Reventlow im nahen Gut Damp damit zu tun haben könnten. In der Gemeindechronik ist allerdings festgehalten, dass ein Tischler 1815 die dritte Kate erwarb. Er stammte von der Insel Ösel, die heute zu Estland, damals aber zu Russland gehörte. Daraufhin sei der Ort zunächst scherzhaft Rußland genannt worden. Und das hat sich bis heute gehalten.

Straßenschild mit der Aufschrift "Rußland". © NDR Foto: Peer-Axel Kroeske
AUDIO: Die Welt in SH: Rußland auf Schwansen (3 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 14.08.2020 | 19:50 Uhr

Der leuchtende Leuchtturm Westerhever auf Eiderstedt. © picture-alliance © Herbert Schwind/OKAPIA

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