Sendedatum: 23.07.2020 19:50 Uhr

Weltreise durch SH: Kamerun

von Frank Hajasch

Es ist ein langer Weg, der vom Ortsteil Bokelholm hier hinaus führt. Dafür ist die Häuserreihe dann umso kürzer. Jochen Runge hat den Großteil seines Lebens in der Gemeinde Emkendorf verbracht. Er kennt hier alles und jeden. "Ich würde jetzt nicht sagen: ein paar Häuser, ein paar Spitzbuben. Aber natürlich ist Kamerun nur eine kleine Siedlung bei uns."

Wer hier lebt, tut das ganz bewusst

Jochen Runge hat einen Plan. "Lass die Leute selbst erzählen, warum sie so weit draußen wohnen." Also geht es den Kameruner Weg entlang. Links die weiten Felder, rechts die Grundstücke. In Nummer 26 wohnen Katrin und Michael Schween. Beide haben 2008 dem weltläufigen Hamburg den Rücken gekehrt und haben hier neu angefangen. "Wir haben eigentlich nur einen Hof gesucht. Es wurde dann Kamerun, weil die Natur einfach so perfekt und idyllisch ist."

Namen sind nicht immer nur Schall und Rauch

Was Michael Schween damals nicht wusste: Das grün-gelbe Siedlungsschild, mit Kamerun drauf, hat eine anziehende Wirkung. Ganze Fußballvereine haben sich schon darum sortiert. Jede Radgruppe legt einen Stopp ein. Erinnerungsfotos werden ständig gemacht. Vom Schilderklau ganz zu schweigen. "Und dann gab's bei uns mal diesen Brief einer Sanitärfirma. Den hat die Post tatsächlich nach Afrika geschickt. Mit einem dicken D drauf und Bokelholm fett unterstrichen kam der erst nach anderthalb Jahren bei uns an."

Das Ortsschild von Kamerun. © Frank Hajasch Foto: Frank Hajasch

AUDIO: Kamerun in Schleswig-Holstein (3 Min)

Auch kleine Orte haben Geschichte

Für viele klingt das schleswig-holsteinische Kamerun exotisch und nach Ferne. Wer wirklich wissen will, woher der Name für die Siedlung kommt, fragt besser Hans-Jürgen Lorenzen. Er wurde vor genau 80 Jahren in der Gemeinde Emkendorf geboren. Die Geschichte Kameruns kennt keiner besser als er. "Es begann 1934", erzählt der Chronist. "Damals wurde das Provinzialgut Bokelholm aufgesiedelt. Das neue Gebiet hieß zunächst Wildes Moor, weil es neben dem eigentlichen Moor lag. Weil aber solche Flächen immer auch neue Namen bekommen und weil alles zurzeit der Kolonisierung Afrikas stattfand, muss irgendjemand Kamerun vergeben haben. So vermuten wir es jedenfalls."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 23.07.2020 | 19:50 Uhr

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