Sendedatum: 21.08.2020 19:50 Uhr

Weltreise durch SH: England

Der kleine Ort England auf Nordstrand hat einige Gemeinsamkeiten mit dem gleichnamigen Landesteil im Vereinigten Königreich: Die Menschen trinken Tee, essen Fisch, vor Ort gibt es wunderschöne Natur - und um dorthin zu kommen, geht es über die Nordsee.

Kleiner als der Namensvetter im Großbritannien

Ungefähr eine Viertelstunde benötigt man, um England zu Fuß zu durchqueren. Der Ort besteht aus einer Hauptstraße. Die heißt, typisch für Nordstrand, so wie der Ort selbst. Davon ab geht eine Querstraße. Links und rechts säumen alte Friesenhäuser die Strecke. Dahinter liegen, weit ins Land reichende, leuchtend grüne Felder. England liegt mittig auf Nordstrand, die Nordsee ist hier nicht zu sehen. Das Meerwasser lässt sich nur durch die salzige Brise erahnen, die einem um die Nase weht, wenn man durch den Ort schlendert.

Kein panierter, sondern patentierter Fisch

Das Ortsschild ist das Fotomotiv, das am häufigsten abgelichtet wird, sagen die Engländer. Mittlerweile wurde es so oft geklaut, dass es extra fest verschraubt ist. Direkt dahinter liegt ein Restaurant. Es ist offenbar Ziel vieler Fahrradausflüge auf Nordstrand. Fast alle Radfahrer, die durch die Hauptstraße fahren, machen hier Halt. Nur in diesem Restaurant soll es die so genannten Sandschollen geben. Den Namen hat sich Inhaber André Wilckerling beim Patent- und Markenamt schützen lassen, sagt er. Die Sandscholle ist eigentlich eine Kliesche, ein etwas kleinerer Plattfisch.

Viele Neu-Engländer in England

Etwas weiter entlang der Hauptstraße arbeitet Uwe Prescher in seinem Garten. Er ist einer der wenigen Engländer, die draußen zu sehen sind. Vor allem Touristen tummeln sich zur Zeit auf Nordstrand. Uwe Prescher kommt eigentlich aus Dortmund und wohnt erst seit drei Jahren in England. Er habe sich schon immer dem Norden verbunden gefühlt, berichtet er. Nachdem seine Schwester nach Nordstrand gezogen war, musste er auch dorthin. Anfangs habe er noch seine Freunde und Kollegen vermisst, heute ziehe ihn nichts mehr zurück nach Nordrhein-Westfalen, sagt Uwe Prescher. Er ist nicht der einzige Zugezogene. Es werden immer mehr, berichtet er. Ein Nachbar komme aus Frankfurt, ein weiterer werde bald aus Düsseldorf nach England ziehen. Das liege an der einmaligen Landschaft und der guten Luft, da ist sich Uwe Prescher sicher.

Ortseingang der Ortschaft England. © NDR Foto: Nils Hansen

AUDIO: England in Schleswig-Holstein (4 Min)

Baked Beans und Cream Tea im Kaufmannsladen

Etwas versteckt liegt das alte Spritzenhaus. Hier betreibt Jutta Androusek gemeinsam mit ihrem Sohn Jean-Pierre den einzigen Kaufmann Englands. Auch sie ist Neu-Engländerin, und zog aus der Schweiz zu. Tee und gebackene Bohnen verbinden das große und kleine England, scherzt die Kioskbesitzerin. Beides gibt es bei ihr im kleinen Geschäft. Und obwohl sie noch gar nicht lange im Norden lebt, weiß sie warum der Ort England heißt. Früher habe es im heutigen England ein Hafengebiet gegeben, berichtet Androusek. Dann habe man den Ort eingedeicht, links und rechts habe es Moorlandschaften gegeben, es wurde immer enger. Also nannten vor allem Seefahrer diese Gegend enges Land. Über die Jahre sei deshalb der Name England entstanden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 21.08.2020 | 19:50 Uhr

Der leuchtende Leuchtturm Westerhever auf Eiderstedt. © picture-alliance © Herbert Schwind/OKAPIA

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