Stand: 12.09.2019 18:25 Uhr

Reiseblog: Per Anhalter zum Dalai Lama

8.365 Kilometer hat Jola Drews aus Stipsdorf im Kreis Segeberg vor sich, als sie sich am Sonntag auf ihre Reise nach Dharamsala in Indien macht. Die 21-Jährige will die Strecke trampen: "Auf der Suche nach wahrhaftig inspirierenden Vorbildern habe ich entschieden, zum Dalai Lama ins Himalaya-Gebirge zu reisen. Der Umwelt zuliebe fliege ich nicht mehr." Übernachten wird sie unterwegs im Zelt, bei Menschen, die sie über die Plattform Couchsurfing findet oder Freunden, die sie noch von ihrem letzten Trip kennt. Ein guter Freund - Frieder - begleitet sie. Was Jola alles auf dem Weg zum Tempel des Dalai Lama erlebt, erfahren Sie hier in Jolas Reiseblog.


11.09.2019 - auf dem Weg von Budapest nach Rumänien

Von Budapest nach Rumänien

Am Abend sitzen wir mit Sahin und drei anderen Männern um eine kleine Klappe an der Seite von Sahins Lkw geschart. Eine Glühbirne erhellt unseren  improvisierten Tisch. Sahin hat uns türkisches Schaffleisch mit Gemüse gekocht. Es wird gelacht und deutsch, rumänisch und türkisch durcheinander gesprochen. Ich dachte, durchs Trampen würden wir keine krassen Sprünge von Umgebungen, Kulturen und Menschen erleben - doch jetzt sitze ich in der rumänischen Pampa, nicht weit von Serbien und Bulgarien entfernt und merke, dass ich mich getäuscht hatte. Eine Lkw-Fahrt - unangeschnallt auf dem Bett hinter dem Fahrersitz mit kurdischen Gesang und einigen Toilettenpausen - hat gereicht und vieles ist anders.

Morgens noch in der Millionenstadt Budapest - abends in einer halb zerfallene Häuseransammlung zwischen bewaldeten Hügeln. Morgens schick angezogene Menschen, die in Eile sind - abends ein Gastgeber, mit dem man ungefähr zehn Worte wechseln kann und trotzdem zusammen isst und Telefonnummern für gegenseitige Besuche in der jeweiligen Heimat austauscht.

Wie leben Menschen hier wirklich von Tag zu Tag, sind sie glücklicher als Menschen in Deutschland? Wie denken sie über die Unterschiede zwischen Stadt und Land, arm und reich? Fragen, die durch unsere Reise nur aufgeworfen, nicht aber beantwortet werden. Auf jeden Fall wird mir klar, dass meine deutsche Lebensrealität nicht die einzige ist. Fürs Erste genieße ich den warmen Tee, den Sahin uns nachdrücklich anbietet, während der fast volle Mond über den rumänischen Bergen aufgeht.


10.09.2019 - Budapest, Ungarn

Abend in Budapest

Die Abendsonne ist wunderschön - so direkt an der Donau. Wir sind gerade in einem Café, in dem es WLAN gibt. Frieder versucht verzweifelt an meinem Laptop ein Visum für Pakistan zu beantragen. Für Pakistan beantragt man das Visum ausschließlich online. Doch die Internetseite ist für Touristen ein bisschen schwierig.

Der Autohändler, der uns bis nach Budapest mitgenommen hat, hat uns einen tollen Picknick-Platz mit Blick auf die Stadt empfohlen. Das war bombastisch, dort zu picknicken mit dem Blick auf die Donau und die Stadt - und wieder zu merken, wie groß die Welt ist. Dort auf dem Aussichtspunkt habe ich auch einen älteren Mann kennengerlernt, der Zigarettenstummel aufgesammelt hat. Dabei habe ich ihm geholfen.

Wir sind da dann noch etwas länger geblieben und ich habe noch mehr vom Dalai Lama gelesen: "A Call for Revolution" oder auf Deutsch "Der neue Appell des Dalai Lama an die Welt - seid Rebellen des Friedens. Er wünscht sich eine Revolution des Mitgefühls. Ich habe dabei nochmal so stark gespürt, wie ich mir wünsche, mein Bestes zu geben und wie schwer das ist, rauszufinden, was das eigentlich genau heißt.

Als wir wieder Richtung Stadt gegangen sind, sind wir am Garten des Philosophie-Monuments vorbeigegangen. Da stehen Skulpturen der wichtigsten Menschen, die es jemals gegeben hat. In einer segnenden Position. Das hat mich so berührt.


10.09.2019 - ungarische Grenze

Ab nach Budapest

"Wir sind jetzt auf dem Weg nach Budapest. Eigentlich ist es erstaunlich, wie einfach es ist, in Europa über eine Grenze zu düsen. Wir fahren mit einem Autohändler mit, der ein relativ schrottreifes Auto in Berlin gekauft hat und es in Rumänien wieder verkaufen will. Er wurde an der Grenze rausgewunken und seine Papiere wurden kontrolliert.

Wir haben wieder im Zelt geschlafen. Das war sehr schön. Wir hatten in Prag eingekauft und haben am Abend in der Nähe einer Autobahnraststätte das Zelt aufgebaut und da gegessen. Irgendwie schmeckt draußen in der Natur alles besser. Ich dachte vorher, dass es bescheuert ist, eine Kerze mitzunehmen und im Rucksack mitzuschleppen, aber das war richtig schön, bei Kerzenschein Abendbrot zu essen. Wir saßen dann noch ein bisschen draußen. Der Mond ging auf und es war ein richtig schöner Sternenhimmel.

Heute Nachmittag sind wir dann in Budapest (Ungarn). Da freue ich mich schon sehr drauf."


09.09.2019 - bei Prag, Tschechien

Erste Nacht im Zelt

"Gleich in der ersten Nacht hat es geregnet. Wir haben es uns trotzdem im Zelt gemütlich gemacht. Auch dank der Lichterkette, die mir eine Freundin geschenkt hat. Unser nächstes Ziel ist Bratislava (Slowakei). Aus den Erfahrungen von gestern kann ich sagen, dass sich Autobahn-Dreiecke nicht so gut zum Trampen eignen. Wir haben mehr Glück an Raststätten. Da können die Leute uns besser kennenlernen und sehen, dass wir keine Idioten sind."


08.09.2019 - Bad Segeberg

Aufbruch aus der Heimat

"Jetzt sind wir tatsächlich unterwegs. Noch sprechen die Menschen, die uns mitnehmen, Deutsch. Draußen scheint die heimatliche Spätsommersonne."


08.09.2019 - Kiel

Warum Jola trampt

Eine Frau steht lachend mit gehobenem Daumen vor dem Meer. © NDR

Jola - eine Tramperin reist nach Indien

NDR 1 Welle Nord - Guten Morgen Schleswig-Holstein -

Zum Dalai Lama nach Indien - Jola Drews begibt sich per Anhalter auf die Reise. Wie plant sie ihre Reise und wie viel Budget muss man dafür einplanen? Wir haben sie vor ihrer Reise getroffen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 08.09.2019 | 10:40 Uhr

Brennender Regenwald - Albtraum für die Drews

Familie Drews aus Stipsdorf im Kreis Segeberg engagiert sich bereits seit Jahren für den Regenwald. Die Brände im Amazonas treffen sie daher besonders stark. mehr