Stand: 26.05.2018 13:19 Uhr

Gemeinsames Fastenbrechen in Kiel

von Anina Pommerenke

Während der letzten halben Stunde vor Sonnenuntergang geht der Blick immer häufiger auf die Uhr: Wann ist es endlich soweit? Ein Trupp von freiwilligen Helfern in orangenfarbenen Warnwesten teilt Mahlzeiten an den langen Tafeln aus Bierbänken und -tischen in Kiels Hiroshima Park aus. Die islamische Religionsgemeinschaft in Schleswig-Holstein (SCHURA) hat das hier aufgestellt. Es duftet schon lecker, in den noch verschlossenen Boxen schlummern Salate, Linsensuppe, Gulasch und Reis. Dann erklingt pünktlich zum Sonnenuntergang um 21:38 Uhr der Ruf des Muezzin. Zeit, das Fasten zu brechen.

Fastenbrechen in Kiel

Nach dem Verzicht darf geschlemmt werden

Für 30 Tage im Jahr fasten gläubige Muslime im für sie heiligen Monat Ramadan. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nehmen sie keine Flüssigkeit oder Nahrung zu sich. Das allabendliche Fastenbrechen wird dafür umso ausgiebiger im Freundes- und Familienkreis gefeiert. Eine noch junge Tradition ist das gemeinsame Fastenbrechen im Hiroshima Park, zu dem alle interessierten Schleswig-Holsteiner eingeladen sind. Neben Gesang und Musik gibt es rund um die Wasserfontänen des Jeppe-Hein-Brunnens natürlich zum Einbruch der Dunkelheit vor allem viel zu Essen. Traditionell beginnt das Fastenbrechen mit einer ungeraden Anzahl von Datteln und einem großen Schluck Wasser. Die großen Wannen und Töpfe mit dem warmen Essen wurden extra in der Zentrumsmoschee vorbereitet und dann in den Park gebracht.

Tradition trifft auf Integration

Fast 1.000 Mahlzeiten werden an diesem Abend verteilt. Wer dann noch Stauraum im Magen hat, kann sich am Nachtischbuffet auslassen: Da gibt es Käsekuchen, arabische Gebäck-Spezialitäten wie Urabat oder Slushed Ice in knalligem Pink. Viel Zucker und Süßes nach dem langen Tag des Verzichts. Unter die Muslime mischen sich auch einige Kieler, die im Vorbeigehen neugierig geworden sind. Carmen Döpke probiert ein Walnuss-Gebäck: "Lecker und sehr süß", findet sie. Stefanie Hunohld aus Altenholz ist mit ihrer Tochter schon zum zweiten Mal bei der Veranstaltung dabei. Sie findet es großartig, dass das gemeinschaftliche Erlebnis des Fastenbrechens auch in der Öffentlichkeit stattfindet. Und sie hofft auch, dass mit solchen Veranstaltungen Angst und Bedenken gegenüber dem Islam abgebaut werden können.

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