Stand: 21.04.2019 11:24 Uhr

Osterfeuer in Schleswig-Holstein

Traditionell zu Ostern liegen Rauchschwaden über Schleswig-Holstein. In vielen Dörfern und Städten lodern zahlreiche Osterfeuer und schicken Funkenfontänen in den Nachthimmel. Der Großteil fand bereits am Sonnabend statt. Aber auch am Ostersonntag werden noch einige Holzhaufen entzündet.

Karte: Osterfeuer in Schleswig-Holstein

Asche macht Felder fruchtbar

Das Osterfeuer hat einen heidnischen Ursprung: Schon die Germanen begrüßten den Frühling mit einem Freudenfeuer und vertrieben den Winter damit endgültig. Praktischer Nebeneffekt des vorchristlichen Ritus: Weil unsere Vorfahren die Asche oft auf ihre Felder streuten, machte das Feuer ganz nebenbei noch die Äcker fruchtbar.

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Entwicklung zum christlichen Brauch

Im Laufe der Zeit hat sich das Osterfeuer aber auch zum christlichen Brauch entwickelt. Die Christen feiern damit die Auferstehung Jesu und das ewige Leben. Um das zu symbolisieren, entzünden sie am Osterfeuer eine Kerze, die sie dann in einer Prozession in die noch dunkle Kirche tragen. An dieser Kerze entzünden einzelne Gemeindemitglieder dann ihre Kerzen.

Kritik am Osterfeuer: Umweltschützer alarmieren, Behörden beruhigen

Die Flammen rufen auch Umweltschützer auf den Plan. Sie verweisen auf die extreme Feinstaubbelastung durch Osterfeuer, die immer wieder Grenzwerte überschreitet. Sie versuchen die Zahl der Feuer zu regulieren. Naturschutzorganisationen warnen alljährlich, dass die vermeintlich sicheren Holz- oder Reisigverstecke für Tiere wie Wildbienen, Hasen oder Igel zum Scheiterhaufen werden.

Das Umweltbundesamt hat sich mit Osterfeuern befasst. Im Ergebnis befanden die Experten, die Belastung durch Feinstaub wäre nur kurz und sei ausreichend reglementiert. Zwar würden die Grenzwerte von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter am Feuer zeitweise überschritten. "Da die Belastung sich aber in den meisten Fällen auf lediglich wenige Tage im Jahr beschränkt, und Osterfeuer speziell in Norddeutschland eine traditionelle Bedeutung haben, sind Osterfeuer nach wie vor zugelassen", heißt es in einer Erklärung.

Zum Schutz der Tiere: neuen Haufen errichten

Oftmals werden die Reisighaufen kurz vor dem Feuer umgeschichtet, um zu verhindern, dass Kleintiere in den Flammen sterben. Davon rät die Tierschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Katharina Erdmann, ab. "Dadurch, dass Ostern in diesem Jahr so spät liegt, muss vielerorts damit gerechnet werden, dass in den bereits aufgeschichteten Reisighaufen unzählige Nester sind", weiß die Expertin. "Viele kann man jedoch nicht sehen. Allein durch das Umschichten würden diese zerstört werden." Viele der Tiere seien in der teilweise sehr strukturarmen Landschaft zunehmend auf solche Zufluchtsorte angewiesen. Wer aber nicht auf das Osterfeuer verzichten möchte, dem empfiehlt Erdmann, einen ganz neuen Haufen zu schichten.


20.04.2019 14:17 Uhr

In einer vorherigen Version des Artikels stand, dass Behörden auf die extreme Feinstaubbelastung durch Osterfeuer verweisen würden. Diese Aussage ist nicht eindeutig, daher haben wir weitere Angaben ergänzt.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 18.04.2019 | 05:05 Uhr

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