Sendedatum: 19.05.2020 07:10 Uhr

Kein gutes Jahr für die Hochzeitsbranche

Viele geplante Trauungen wurden auf den Herbst oder das Folgejahr verschoben.

Unter strengen Auflagen öffnen Hotels, Restaurants und Cafés seit dem 18. Mai wieder die Türen und empfangen ihre Gäste. Dabei gilt weiterhin: Abstand und Hygiene sind das oberste Gebot. Schwer vereinbaren lässt sich das insbesondere mit Hochzeiten. Die damit verbundene Branche liegt am Boden.

Unsicherheit erschwert Planung

Viele Hochzeitspaare sind unsicher, was wann erlaubt sein wird. Das macht die Planung des besonderen Tages schwierig, sodass viele Paare ihre Feier auf den Herbst oder aber das Folgejahr verschieben. Für die Locations, die Fotografen und die DJs bedeutet das derzeit oftmals einen Komplettausfall. So auch bei Fotografin Maren Pokroppa: Für sie hätte nun die Hochsaison begonnen, doch dann kam Corona. In den letzten Wochen fotografierte sie keine einzige Hochzeit. Auch für die kommenden Wochen wurden ihre Aufträge abgesagt. Ihre Hoffnung, dass sich die Trauungen in die zweite Jahreshälfte verschieben, bewahrheitete sich im Gespräch mit ihren Kunden nicht. 2021 wird es dafür umso mehr Hochzeiten geben. Sie ist ein Beispiel für viele Selbstständige und Mitarbeiter der Hochzeitsbranche.

Laut Industrie- und Handelskammer (IHK) gibt es allein in Schleswig-Holstein 630 Firmen im Event-Catering-Bereich, 700 Eventmanagement-Firmen und knapp 1.300 angemeldete DJs.

Etliche Trauungen abgesagt

Nach Information des zuständigen Standesamts wurden zwanzig Prozent der geplanten Trauungen im April, Mai und Juni in Lübeck verschoben - das sind allein 350 Paare. Ähnlich wie in der Hansestadt, sieht es auch in der Landeshauptstadt Kiel aus: Ein Drittel der geplanten Eheschließungen wurden im April und Mai laut Standesamt abgesagt oder verschoben. In Flensburg und Glücksburg ist es sogar rund die Hälfte aller Trauungen. Dennoch fanden einige Hochzeiten statt - alleine mit dem Standesbeamten im Trauungssaal und mit kleiner Feier im engsten Kreis im Anschluss, wie es in Zeiten von Corona möglich ist.

Heiraten unter Sicherheitsauflagen

Für Paare, die den Mut gefasst haben und sich für eine Trauung in Zeiten von Corona entschieden haben, ist der große Tag des Ja-Wortes von Sicherheitsmaßnahmen gezeichnet. So beispielsweise im Standesamt in Neukirchen (Kreis Ostholstein): Hier müssen Paare, statt des Weges durch das feierliche Portal, den normalen Verwaltungseingang zum Trauungssaal nehmen. Für die Unterzeichnung des Ehevertrages gibt es in diesen Zeiten "Einweg-Stifte", die im Anschluss an die Unterschrift mitgenommen werden dürfen und nicht erneut verwendet werden. Der Weg aus dem Standesamt heraus führt dann aber durch das Portal nach draußen.

"Es war trotz allem ein ganz besonderer Tag"

Lea und Leo aus Lübeck sind eines der mutigen Paare. Sie trotzten Corona und gaben sich im April das Ja-Wort. Statt einer Feier machten sie eine Rundtour durch ihre Heimatstadt und besuchten ihre Gäste an ihren Türen. Dort wurde feierlich angestoßen und Selfies als Erinnerung gemacht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 19.05.2020 | 07:10 Uhr

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