Sendedatum: 02.10.2017 21:05 Uhr

Schlager tanzt mit Punk bei "Platt Live"

von Helge Albrecht

Beim "Platt Live" Musikfestival in Neumünster erklingen jedes Jahr die unterschiedlichsten Musikstile zwischen alten Industrieanlagen. Ob neu aufgelegte Volksmusik, poppiger schneller Schlager, Insel-Singer-Songwriter oder holsteiner Folk-Punk - wie verschieden die einzelnen Künstler auf den ersten Blick auch sein mögen, die plattdeutsche Sprache bringt alle an diesem Abend auf dieselbe Bühne. Das wissen die Besucher zu schätzen. Auch bei der neunten Ausgabe war in der Werkhalle wieder jeder der 320 Stühle im Publikum besetzt.

"Platt live" in Neumünster

Von Steel-Gitarre und Quetschkommode

Die erste Musikgruppe ist Farvenspeel aus Schleswig. Sie spielen keinen klassischen Schunkelschlager, sondern lassen durch Steel-Gitarre und Chor auch ein wenig Country und Folk in ihre Lieder miteinfließen. Es braucht nicht viel Animation. Das Publikum ist sofort da, schon jetzt klatschen die Zuschauer zum flotten Takt der siebenköpfigen Truppe. Als nächstes kommt das Duo Graf & Scheffler auf die Bühne. Von Jan Graf, einem bunten Hund und Tausendsassa in der plattdeutschen Kulturszene, ist man ja durchaus auch komödiantische Töne gewohnt. Daher lachen einige in der ausverkauften Werkhalle auch erst, als er verkündet: "Wi maken nu Volksleeder. Denn wat de Amerikaner ehr Blues, is uns Düütschen dat Volksleed. Dat meen ik ernst." Er meint es ernst. Einzig das partout nicht enden wollende Quetschkommodensolo im "Rutschmieterdans" bringt wieder Grinsen in die Gesichter der bis dahin bedächtig lauschenden Zuschauer.

Schöön Schiet

Doch rausgeschmissen wird hier noch keiner. Vor der Pause kommt beim Musikfestival traditionell ein unmusikalischer Künstler zu Wort. De Klappmuulpopp Werner Mommsen klönt aus seinem Leben, bis sich vor Lachen keiner mehr halten kann. Es sind die winzig kleinen Alltagsbeobachtungen, die er scharfsinnig und konsequent bis zum Schluss zu Ende denkt. Von Unannehmlichkeiten, die man lieber verschweigt, erzählt Werner Mommsen im rotem Seemannstroyer ausufernd, ohne dabei den Faden der Geschichte zu verlieren. Es sind die wichtigen Fragen des Lebens: Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich mit Hundeschiet unterm Schuh in einem Elphikonzert sitze? Schöön Schiet! Seine Gedanken zu möglichen Vorgehensweisen belohnen die Festivalbesucher mit tosendem Applaus.

Das Besondere: Immer auch plattdeutsche Newcomer

Eine Band spielt auf der Bühne. © NDR Fotograf: Helge Albrecht

Norma Schulz bei "Platt Live"

NDR 1 Welle Nord - Von Binnenland und Waterkant -

Eigentlich ist ihre Muttersprache Fering, doch auch mit dem Plattdeutschen klappt es schon ganz gut. Norma Schulz von Föhr ist ein neues musikalischen Talenten bei "Platt Live".

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Das Konzept von "Platt Live", immer Ausschau nach neuen musikalischen Talenten zu halten, spült in diesem Jahr die junge Föhrer Sängerin Norma auf die Bühne. Aufgewachsen ist sie auf der Nordseeinsel mit Fering als Muttersprache. Auch die meisten ihrer Songs singt sie auf friesisch, doch auch an der plattdeutschen Sprache ist sie sehr interessiert, so dass sie mittlerweile beide Sprachen im Gepäck hat. Einen ganz besonderen Moment schafft Norma an diesem Abend mit ihrem Stück "Jakobswai".  Bevor sie zu singen beginnt, trägt sie die Textzeilen als Spoken-Word-Performance mit leichter musikalischer Untermalung auf hochdeutsch vor. Danach folgt das Lied gesungen im friesischen Original. Wer jetzt sprachlich nichts versteht, der kann es wirklich fühlen.

Die Liekedeeler mit ordentlich Wumms

Die Band, die den Abend beschließen soll, ist vielen aus dem Vorjahr in Gehirn und Gehörgang geblieben. Für die, die noch nicht wissen, was gleich passiert, gibt Frontmann Burghard Beese noch eine Anweisung: "Hörgerät rutnehmen un geneeten!" De Drangdüwels hauen mit ihrer Piratenbande so dermaßen in Saiten, Tasten und Trommeln, da fliegt dem einen oder anderen fast die Locke vom Haupt. Ihr Folk-Punk nach irischem Vorbild bringt allerhand Instrumente in neuem Kontext zusammen. Flöten in verschiedenen Größen und Formen krachen mit Banjo, Mandoline, Akkordeon auf die klassische Rockkombination Gitarre, Schlagzeug und Bass. Grölen, Pogen und ein "Prost" von der Bühne. Wippen, Jubel und ein "Prost" aus dem Saal zurück.

"Wat för't Hart"

Die Besucher wissen, warum sie seit Jahren immer wieder hierher kommen. So sind sich Christian Kröger aus Bönebüttel und Susanne Stejskal aus Neumünster einig: "Plattdüütsche Spraak, plattdüütsche Musik. Dat is hier ümmer richtig wat för't Hart."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 02.10.2017 | 21:05 Uhr

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