Stand: 11.09.2019 17:34 Uhr

Kein schneller Weg zum Radschnellweg?

von Hannah Böhme

Rund um die Metropolregion Hamburg sind mehrere mögliche Routen für Radschnellwege im Gespräch. Die genauen Trassen müssen aber noch ausgearbeitet werden.

Michael Schultz-Edwards aus der Nähe von Elmshorn betritt auf Socken den Sitzungssaal im Pinneberger Rathaus. Seine Fahrradschuhe mit dem Klicksystem, um sich auf den Pedalen seines Rades festzumachen, hat er ausgezogen. In seinem schwarz-bunt gestreiften Radanzug sucht der 39-Jährige sich einen Platz. Wie rund 70 andere Interessierte im Saal ist er zum Ideen-Workshop gekommen und will sich an den Planungen für den sogenannten Radschnellweg beteiligen, der zwischen Elmshorn und Hamburg entstehen soll.

Ziel ist die Entlastung von Bahnstrecken und Straßen

Es geht um einen von insgesamt neun Radschnellwegen, die rund um Hamburg sowie zwischen Bad Schwartau und Groß Grönau und zwischen Schwerin und Wismar angedacht sind. Im Idealfall sollen auf den Strecken komfortable vier Meter breite Radwege entstehen, die getrennt von Straßen und Fußgängerwegen verlaufen. Ihr möglichst geradlinige Verlauf mit so wenigen Ampeln und Kreuzungen wie möglich soll gewährleisten, dass Radfahrer eben "schnell" vorankommen.

Ziel ist es laut Metropolregion Hamburg, die die Koordination des Gesamtprojektes übernommen hat, Bahnstrecken und Straßen zu entlasten. Bis Schultz-Edwards allerdings einen solchen Radschnellweg von Elmshorn nach Hamburg tatsächlich nutzen kann, dürfte noch einige Zeit vergehen.

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Michael Schultz-Edwards (39) aus der Nähe von Elmshorn notiert seinen Hinweis für die Teilstrecke zwischen Pinneberg und Halstenbek.
Voruntersuchungen laufen

Die Planungen sind umfangreich und befinden sich erst in der Anfangsphase. Eine erste Online-Beteiligung der Bürger für die neun Korridore ist abgeschlossen. Nun finden Ideen-Workshops vor Ort zu den einzelnen Trassen statt. Für den eben auch Schultz-Edwards nach Pinneberg geradelt ist und gemeinsam mit den anderen Teilnehmern Vorschläge zu den vom Planungsbüro erstellten Varianten macht.

Wichtig für ihn: So wenig Kreuzungen wie möglich, denn "jede Kreuzung bedeutet Stress für einen Radfahrer", erklärt er, "auch wenn er Vorfahrt hat." Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe zeichnet er Konfliktpunkte mit Autofahrern ein, notiert Anmerkungen zu Anbindungsmöglichkeiten umliegender Kommunen und schlägt alternative Routenführungen vor.

Große Herausforderung: Natur und Radweg zusammenbringen

Das mit der Trasse Elmshorn-Hamburg beauftragte Planungsbüro erarbeitet im nächsten Schritt nun eine konkrete Vorzugstrasse. Die soll im kommenden Sommer vorgestellt werden. Dabei geht es unter anderem auch darum, ob und wie vorhandene Radwege genutzt und ausgebaut werden können. Besonderes Augenmerk läge zudem auf dem Thema Naturschutz, erklärt Markus Franke vom Planungsbüro.

Denn obwohl man noch in der Anfangsphase sei, zeichne sich schon jetzt ein Konflikt zwischen den Naturschutzgebieten im Korridor und einer möglichst geradlinigen Streckenführung ab. Teil der Arbeit in den kommenden Monaten sei es deshalb, sinnvolle Kompromisse vorzuschlagen. Außerdem sollen die Untersuchungen zur Vorzugstrasse eine Kostenschätzung mit einbeziehen und Finanzierungsmöglichkeiten aufzeigen.

Vorstellung der Vorzugstrassen im kommenden Sommer

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Der Workshop soll herausstellen, worauf die Teilnehmenden bei einem Radschnellweg Wert legen.

Die ausgearbeitete Vorzugstrasse soll im nächsten Sommer in die entsprechenden politischen Gremien eingebracht werden. Für Hartmut Teichmann, Projektverantwortlicher beim Kreis Pinneberg die weitaus größere Hürde als die Vorplanungen, die gerade stattfinden. Dann müsse nämlich auch ermittelt werden, wer die Kosten trägt.

Er hofft, dass der Bund einen großen Teil übernimmt, sieht aber auch die beteiligten Kreise und Kommunen in der Pflicht. Die Metropolregion Hamburg geht davon aus, dass ein Radschnellweg pro Kilometer 500.000 bis 1 Million Euro kostet. Sollten größere Bauwerke wie Brücken oder Tunnel nötig sein, möglicherweise auch mehr.

Vor 2025 radelt niemand auf einem Radschnellweg zwischen Elmshorn und Hamburg

Optimistische Schätzungen des beauftragten Planungsbüros aus Hamburg gehen davon aus, dass Schultz-Edwards frühestens 2025 auf einem ersten Teilabschnitt des Radschnellweges zwischen Elmshorn und Hamburg radeln kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 11.09.2019 | 07:15 Uhr