Sendedatum: 25.04.2017 05:50 Uhr

Gefährdet Kampf gegen freche Möwen die Brut?

Sie gehören zur Nord- und Ostsee einfach dazu: Möwen. Doch sie haben ihre Schattenseiten. Erstens: Sie sind laut. Zweitens: Sie machen überall hin - zum Beispiel auf das Gebäude der Juristischen Fakultät der Uni Kiel. Drittens: Sie sind frech. Auf Sylt oder Helgoland stibitzen sie arglosen Spaziergängern gerne mal Fischbrötchen, Pommes oder Eiswaffeln direkt aus der Hand. Sogar Kurzschlüsse können sie auslösen, wie im August 2015 in Flensburg.

Beschallung und Flugdrache

Den Betroffenen bleibt also nur eine Lösung: zurückschlagen. Sie tun das auf verschiedene Arten. Zum Beispiel mit Lautsprechern, die ein bestimmtes Gebiet mit den Alarmrufen verschiedener Möwenarten beschallen. Oder mit Flugdrachen in Falkenform, der die Tiere verscheuchen soll. Die Uni Kiel lässt nun außerdem einen Rasenmäher mit allerlei Flatterbändern auf dem Dach ihrer Juristischen Fakultät herumfahren, um die Vögel zu vergrämen.

"Brutbestände dramatisch zurückgegangen"

Doch bei all dem gibt es ein Problem: Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein warnt, dass die Vertreibung der Möwen auch die Brutbestände der Tiere gefährde. "An ihren ursprünglichen Brutplätzen an der Ostseeküste sind die Brutbestände der Sturmmöwe dramatisch zurückgegangen, und die Brutkolonien der Lachmöwe auf den Inseln von Seen und Teichen sind nahezu allesamt erloschen", schreibt die Arbeitsgemeinschaft in einer Erklärung. Gründe dafür seien zum einen, dass immer mehr Grünland zu Äcker werde und den Tieren damit weniger Nahrung fänden. Die touristische Nutzung der Strände und die Vertreibung der Möwen von Flachdächern würden die Brutmöglichkeiten der Vögel zudem erschweren.

Bis zu 70.000 Euro Reinigungskosten

Uwe Pfründer vom Gebäudemanagement der Uni Kiel ist trotzdem dafür, die Möwen vom Dach der Juristischen Fakultät zu vertreiben. Schließlich koste die Beseitigung des Kots jährlich zwischen zwischen 40.000 und 70.000 Euro. Pfründer weiß aber auch: "Die Möwe ist sehr schlau". Sobald sie merke, dass Flugdrache nur Flugdrache und Rasenmäher nur Rasenmäher sei, würde sie wiederkommen und das Gebäude wohl wieder als Möwenklo benutzen, gibt er in der Sendung "extra 3" zu.

Volle Eiswaffeln als Beute

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 25.04.2017 | 05:50 Uhr