Stand: 07.05.2020 19:55 Uhr

Entenfamilie auf dem Weg in die Freiheit

Knut Jeromin vom Naturschutzverein "Aktion Kuno" und seine beiden Söhne Leif und Finn kriechen durch das dichte Gestrüpp eines kleinen Hinterhofgartens in Friedrichstadt. Sie wollen die zwölf Küken und ihre Stockentenmutter in die Freiheit bringen. Elf haben sie schon, Nummer zwölf fehlt noch.

Entenbesuch seit drei Jahren

Seit drei Jahren kommt die Ente bei Sven Becker zu Besuch. Bisher hat sie bei ihm ein geruhsames Leben geführt, wurde regelmäßig gefüttert. Doch in diesem Jahr ist alles anders. "Sie hat sich in einer stillen Ecke ein Nest gebaut und fing an zu brüten. Dann war sie eine Zeitlang weg, und als sie wieder auftauchte, kamen diese zwölf Federknäuele hinter ihr aus dem Gebüsch gepurzelt", erzählt Becker flüsternd, um die Suche nach Nummer zwölf nicht zu stören. Er stellte eine flache Vogeltränke auf und freute sich, dass es "seinem" Entennachwuchs gut ging. Doch die Entenmutter wusste instinktiv, dass sie den sicheren Hinterhofgarten verlassen muss, wenn ihre Jungen überleben sollen. Aber wie? Der Weg nach draußen in die Freiheit führt nur durch das kleine Reihenhaus auf die Straße.

Verraten durch ein Piepen

Sven Becker holte sich Hilfe. Knut Jeromin und seine Söhne fingen zuerst die Entenmutter ein und brachten sie in einem Käfig unter. Dann wurden die aufgeregt piependen Küken eines nach dem anderen eingesammelt und in einen Pappkarton gesetzt - bis auf das letzte. Still lauschen sie in den zugewucherten Garten. Nummer zwölf bleibt zunächst weiter stumm und unsichtbar. Doch dann verrät sich das braungelbe Knäuel mit einem klagenden Piepton. Ein schneller Griff ins hohe Gras und es landet bei seinen Geschwistern. "Das letzte hätte allein nicht überlebt. Jetzt geht's schnell an die Gracht zum Auswildern", erklärt Knut Jeromin erleichtert.

Auf ins Abenteuer Leben

Sven Becker ist ebenfalls erleichtert, aber auch traurig. Über Nacht 12facher Kükenvater und jetzt heißt es Abschied nehmen von seiner Entenfamilie. Er möchte nicht mit zur Gracht, ein kurzes Dankeschön an die Helfer und ein leises Tschüss begleitet die Entenfamilie nach draußen, dann schließt er die Tür. An der Gracht angekommen, entlassen Knut Jeromin und seine Söhne zeitgleich Mutter und Küken in die Freiheit. Alle stolpern piepend und quakend durcheinander Richtung Wasser. "Da hinten im Garten waren sie sicher vor Räubern und allen anderen Gefahren. Ab jetzt beginnt das Abenteuer Leben für sie erst richtig", weiß Jeromin. Dann schwimmen Entenmutter und ihre Zöglinge um die Ecke und verschwinden aus seinem Gesichtsfeld - alle ganz dicht beieinander, auch Nummer zwölf.

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