Sendedatum: 29.08.2019 07:10 Uhr

Brennender Regenwald - Albtraum für die Drews

Können Sie sich vorstellen, sich für etwas zu engagieren, das Sie noch nie persönlich gesehen haben und eigentlich auch nie sehen wollen? Für Familie Drews aus Stipsdorf im Kreis Segeberg ist das ganz normal. Mutter Jagrata wollte ihren Kindern schon früh mit auf den Weg geben, dass man auch als Einzelperson etwas tun kann, um große Sachen zu bewirken. Also engagieren sie sich für den Amazonas Regenwald - der nun großflächig in Flammen steht.

Jola Drews lächelt in die Kamera. © Familie Drews Foto: Familie Drews

"Ich hab Angst um Mutter Erde"

NDR 1 Welle Nord - Horst und Mandy am Morgen -

Die 21-Jährige Jola Drews aus Stipsdorf unterhält sich mit Horst Hoof über die zahlreichen Feuer im Regenwald Brasiliens. Sie hofft auf ganzheitliche Veränderungen.

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Familie leidet unter den Feuern

Kein Wunder also, dass die ganze Familie wegen der heftigen Waldbrände im Amazonasgebiet sehr leidet. Schließlich ist der Regenwald ein Teil der Familie, ein Element, das die Drews zusammenschweißt. Schon seit zehn Jahren spendet die Familie an Rettet den Regenwald e. V.. Die Nichtregierungsorganisation setzt sich für die Einwohner des Regenwalds und deren Lebensräume ein. Mehrfach im Jahr veranstalten die Drews Tombolas, um Geld für die Organisation zu sammeln. So findet man ihre Stände im Erlebniswald Trappenkamp oder auch beim Erdbeerfest auf dem Kattendorfer Hof. Dass nun große Teile des Waldes brennen, macht die Familie traurig. Insbesondere Tochter Jola hat Tränen in den Augen, wenn sie davon spricht. Für die 21-Jährige ist es ein schwerer Schlag, dass im Amazonasgebiet die schlimmsten Brände seit mehr als 20 Jahren lodern. Sie fühlt sich hilflos und hat der Regenwald-Organisation ihre Hilfe angeboten. Jola erinnert sich noch an ihren ersten Geburtstag als Teenager: "Bei uns in der Küche hängt eine Urkunde, da habe ich mir zum 13. Geburtstag gewünscht, dass sie für mich spenden und somit Regenwald kaufen."

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Rettet den Regenwald e. V.

Die Homepage der NGO Rettet den Regenwald e. V.. extern

Nachhaltig und bewusst leben

Auch sonst versucht Jola so zu leben, dass sie dem Regenwald auch von Schleswig-Holstein aus möglichst wenig schadet. Sie meidet Plastikprodukte und isst nur Fleisch, das von regionalen Biohöfen stammt oder aus Supermärkten vorm Wegwerfen "gerettet" wurde. Ihr ist eine Feststellung im Bezug auf die Arbeiter im Amazonasgebiet wichtig: "Die Bauern sind auch Menschen, die wollen nichts Böses. Die sind einfach arm und wollen ihre Familie ernähren, eine Einnahmequelle für sie ist halt das Rindfleisch. Das wird dann importiert und landet bei uns auf den Tellern." Jola lebt aus Überzeugung nachhaltig. Von einem langen Aufenthalt aus Indien trampte sie auf dem Landweg zurück, da sie Flüge nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren kann. Außerdem spricht sie nicht nur in der Familie über ihre Sorgen um den Planeten - Aufklärung ist für sie dabei mindestens genauso wichtig, wie die Spenden für die Regenwald-Organisation. Ihr geht es um ganzheitliche Veränderungen hin zu einem nachhaltigen Lebensstil.

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Seit etwa zehn Jahren engagiert sich Familie Drews aus Stipsdorf für den Regenwald. Mit Tombolas und Info-Ständen sammeln sie Geld und klären auf.
Welt retten mit pädagogischem Ansatz

Jola sieht die Welt als eine große Gemeinschaft. Ihre Liebe zum Regenwald ist sicherlich durch das naturverbundene Elternhaus geprägt. Die Familie suchte schon früh eine Initiative, wo ihre Spenden wirklich wirksam werden - die Wahl fiel auf die "grüne Lunge der Erde", den Regenwald im Amazonasgebiet. Der pädagogische Aspekt stand dabei für Jolas Eltern im Vordergrund. Den Namen trägt der Wald, da er bis zu 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs produziert. Außerdem sind hier etwa zehn Prozent der weltweiten Artenvielfalt beheimatet - ein absolut schützenswertes Areal, findet Familie Drews. Die ganze Familie ist für den Regenwaldschutz aktiv. Sehen werden die Drews ihn aber nie. Warum, erklärt Mutter Jagrata: "Wir wollen den Regenwald unterstützen. Dahin reisen müssen wir aber nicht, da wir den Regenwald nicht als Touristenattraktion sehen".

Wirtschaftliches Problem für die Umwelt

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"Regenwälder sind mehr in Gefahr als je zuvor"

Ein Interview des Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Waldexperten Rico Fischer. extern

Ihr Engagement ist wichtiger denn je, denn zurzeit brennen im Amazonas Hunderte von Quadratkilometern - die schlimmsten Waldbrände seit Jahren. Die Zahl der registrierten Brände ist so hoch wie nie: Das Bundesministerium für Bildung spricht von bis zu 80.000, seit Mitte August sind mehr als 9.500 dazugekommen. Nicht nur durch die Trockenperiode, auch gezielte Brandstiftung soll der Grund dafür sein. Kritiker werfen dem neu gewählten Präsidenten Jair Bolsonaro vor, dass er nicht ausreichend gegen die Brandstiftung vorgeht. Schon bei seiner Wahl hatte er angekündigt, wirtschaftliche Interessen vor den Umweltschutz stellen zu wollen. Druck gibt es nun aber auch von der Bundesregierung: Außenminister Heiko Maas (SPD) hat ein energischeres Vorgehen gegen die Brände im Amazonas-Regenwald gefordert. Bisher zeigt sich die brasilianische Regierung aber nicht kooperativ.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 29.08.2019 | 07:10 Uhr

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NDR Info

Waldbrände in Brasilien: "Das ist ein Friedhof"

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Brasiliens Präsident Bolsonaro liefert im Kampf gegen die Feuer im Amazonasgebiet kaum Ergebnisse. G7-Hilfsgelder lehnt er ab - dabei warnen Umweltschützer vor gewaltigen Auswirkungen der Brände. extern

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