Sendedatum: 31.05.2017 09:10 Uhr

Baden, aber sicher! DLRG-Experten geben Tipps

Auch wenn der Sommer gerade Einzug hält, in Schleswig-Holstein herrscht auch in den Sommermonaten nicht immer bestes Badewetter. Trotz der Warnungen der Experten der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gehen viele Menschen auch dann ins Wasser, wenn Wind und Witterung eigentlich dagegen sprechen. Damit bringen sie sich und die Rettungsschwimmer in Gefahr. NDR.de erklärt die wichtigsten Gefahren:

  • Wie weit darf man an gefährlichen Tagen ins Wasser gehen?

    Signalisiert die DLRG mit ihren Fahnen, dass Baden verboten ist, sollte man sich unbedingt daran halten. Man darf allerdings an der Wasserkante spazieren gehen und die Füße zum Abkühlen ins Wasser halten. Trotz ihrer deutlich sichtbaren Warnungen, sehen die DLRG-Retter täglich Tausende, die trotzdem im Meer baden und sich auch nach persönlicher Ansprache nicht davon abbringen lassen. "Damit bringen sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Retter in Gefahr", sagt Thies Wolfhagen vom DLRG Landesverband Schleswig-Holstein.

  • Warum ist auflandiger Wind so gefährlich?

    Mitunter herrschen an den Küsten Windstärken von fünf bis sechs, in Böen sogar von sieben bis acht. Der Wind weht Richtung Land und verursacht einen starken Seegang und kraftvolle Wellen, die am Strand brechen. Die Wassermengen fließen dann unter den brechenden Wellen zurück ins Meer. "Diese Unterströmung ist von außen nicht unbedingt zu erkennen, kann aber einen Badenden leicht umwerfen und ihn mit großer Kraft ins Meer ziehen", erklärt Wolfhagen. Dieser Sog ist für Schwimmer deutlich spürbar, man hat kaum eine Chance, sich daraus zu befreien. In solchen Situationen entsteht oft Panik. Betroffene werden hektisch, können die Situation dadurch noch weniger kontrollieren und verlieren schnell an Kraft.

  • Was kann man tun, wenn man von so einer Strömung erfasst wird?

    Die DLRG kennzeichnet am Strand deutlich, wann es zu gefährlich ist, zu baden. Weht die rote Fahne und sind entsprechende Schilder aufgestellt, sollte man nicht ins Wasser gehen. Wer sich diesem Rat widersetzt und trotzdem in eine gefährliche Unterströmung gerät, sollte unbedingt Ruhe bewahren. Wolfhagens Rat: "Es ist am besten, kurz die Luft anzuhalten, nicht gegen die Strömung anzuarbeiten und sich erstmal von der Strömung treiben zu lassen. Kommt man wieder an die Oberfläche, sollte man versuchen, zu winken und auf sich aufmerksam machen." Wer kann, sollte versuchen, irgendwo Halt zu finden.

  • Droht Kindern besondere Gefahr?

    Kinder haben weniger Kraft. Ihnen fällt es noch schwerer, gegen starke Wellen und überraschende Strömungen anzuarbeiten. Außerdem haben Kinder oft ein nicht so ausgeprägtes Gefühl für Gefahren. Sie erkennen womöglich nicht, dass eine Situation gefährlich ist. Jeder Erwachsene, der trotz Warnungen ins Wasser geht, gefährde - als schlechtes Vorbild - auch Kinder, so Wolfhagen.

  • Woran erkennt man, dass jemand zu ertrinken droht?

    Ertrinken geht oft völlig lautlos von sich. Ertrinkende schlucken zu viel Wasser, können sich dann nicht an der Oberfläche halten und gehen schließlich unter. Besondere Aufmerksamkeit ist angebracht, wenn man beobachtet, dass sich ein Badender unnormal bewegt oder plötzlich verschwindet.

  • Was kann man tun, wenn jemand in Gefahr ist?

    Wer vom Strand aus eine gefährliche Situation im Wasser beobachtet, sollte in jedem Fall andere Strandbesucher und vor allem die Rettungsschwimmer über die Lage informieren. Bevor man selbst ins Wasser geht, sollte man abschätzen, ob man sich eine Rettung zutraut, rät der Experte. Dann ist wichtig: Auf keinen Fall alleine ins Wasser gehen, sondern immer mit mehreren! Ertrinkende sind oft in Panik und können so auch ihre Retter unter Wasser drücken. Wenn möglich, sollte man einen Auftriebskörper, wie ein Surfbrett oder einen Schwimmreifen mitnehmen, an dem man sich festhalten kann. Wer kann, sollte außerdem einen Rettungsruf über die "112" absetzen.

  • Welche Gefahren lauern sonst im Meer?

    An der Nordsee sind vor allem die Gezeitenströmungen - also Ebbe und Flut - gefährlich. Urlauber können diese mangels Erfahrung oft nicht richtig einschätzen und geraten so in gefährliche Situationen, aus denen sie sich selbst nicht retten können. Ebenfalls gefährlich sind Untiefen: Das Ufer sieht zunächst flach aus, unter Wasser fällt es dann aber plötzlich und unerwartet steil ab - das ist besonders für Kinder eine Gefahr. Auch Brückenbauwerke und Betonstege können gefährlich werden, wenn man von den Wellen dagegen geschleudert wird oder der Sog einen darunter zieht. "Von Bauwerken und Felsen im Wasser sollte man sich grundsätzlich fernhalten", sagt Wolfhagen.

  • Ist ablandiger Wind auch gefährlich?

    Bei ablandigem Wind sind weniger die Wellen das Problem. Besonders gefährlich wird es zum Beispiel, wenn man auf einer Luftmatratze liegt und nicht merkt, dass man zu weit vom Ufer abkommt.

  • Respekt vorm Wasser

    Zum Schluss ein Appell des DLRG-Experten: "Badegäste sollten unbedingt auf die Gefahrensignale am Strand oder Ufer achten und sich daran halten. Anweisungen der Rettungsschwimmer müssen ernst genommen werden. Auch fitte Schwimmer können in Gefahr geraten", sagt Wolfhagen. Er rät, einen gesunden Respekt vor dem Wasser zu wahren.

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Das sollten Badefans beachten

80 Prozent aller tödlichen Badeunfälle sind nach DLRG-Angaben vermeidbar. Also: Wer einige grundsätzliche Tipps der Lebensretter beachtet, kann den Wasserspaß ungetrübt genießen:

  • Nur an bewachten Badestellen schwimmen gehen und Warnhinweise beachten.

  • Nie unbeaufsichtigt schwimmen.

  • Eltern sollten kleine Kinder am und im Wasser nie aus den Augen lassen.

  • Nie in unbekannte Gewässer springen. Kopfsprünge im Ufer- und Flachwasserbereich können lebensgefährlich sein oder zu schwersten dauerhaften Gesundheitsschäden wie Querschnittslähmung führen.

  • Erkundigen Sie sich bei Einheimischen über besondere Gefahren von unbekannten Gewässern.

  • Die eigene Leistungsfähigkeit nicht überschätzen - nicht übermütig werden.

  • Auch nach mehreren Tagen ist bei tiefen Gewässern nur die Oberfläche angenehm warm. Weiter unten ist es kalt - das kann zu Unterkühlung und Krämpfen führen und lebensgefährlich werden.

  • Luftmatratzen, Schlauchboote und Gummitiere sind gefährliches Spielzeug und können leicht abgetrieben werden.

  • Trinken Sie vor dem Baden keinen Alkohol und vermeiden Sie es, unmittelbar vor dem Schwimmen zu essen.

  • Besondere Vorsicht ist auch in offenen Gewässern, im Meer und Flüssen geboten:

  • In Flüssen führen Strömungen, Brückenpfeiler, Sogwirkungen, Unterwasserhindernisse und Schiffsfahrrinnen zu unkalkulierbaren Risiken.

  • Beim Baden im Meer können Gezeiten und nicht erkennbare Strömungen sowie starke ablandige Winde auch gute Schwimmer in Lebensgefahr bringen.

Selbst Retter werden

Wer mit dem Gedanken spielt, sich zum Rettungsschwimmer ausbilden zu lassen, findet alle Informationen auf den Seiten der DLRG.

Bildergalerie
Menschen waten durch die Elbe. © NDR Foto: Marie Elane Schulz

Planschen, baden, schwimmen - aber sicher

Sommer, Sonne, schwimmen gehen - die Kombination ist perfekt. Immer wieder kommt es jedoch beim Baden zu Unfällen. Viele sind vermeidbar, wenn man die Regeln der DLRG beachtet. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Guten Morgen Schleswig-Holstein | 31.05.2017 | 09:10 Uhr

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