Stand: 30.11.2015 07:50 Uhr

Weltstar und Weltenbummler: Hardy Krüger

von Nicola Millies

Als einer der ersten Schauspieler aus Deutschland spielt Hardy Krüger nach dem Zweiten Weltkrieg auch in internationalen Produktionen mit. So wird er für sein Heimatland zu einem Botschafter, der das Bild der Deutschen nach 1945 wieder positiver prägt. Doch seine Rolle als Weltstar reicht dem gebürtigen Berliner nicht aus: Zu groß ist die Neugierde auf ferne Länder und fremde Kulturen.

Ein Reisender: Hardy Krüger

Traumberuf: Ingenieur

Hardy Krüger kommt am 12. April 1928 in Berlin zur Welt. Als 13-Jähriger geht er auf die "Adolf-Hitler-Schule" in Sonthofen, wo er auf eine Führungsposition in seinem Traumberuf Ingenieur vorbereitet werden soll. Für seine Eltern, dem Reichskanzler "begeistert zugetan", wie es auf der Website von Hardy Krüger heißt, ist das eine Ehre. Auf der Schule entdeckt man auch sein Talent als Schauspieler. In dem NS-Film "Junge Adler" spielt der damals 15-jährige Krüger als "Lehrling Bäumchen" seine erste Rolle. Bei den Dreharbeiten in Babelsberg lernt er Albert Florath und Hans Söhnker kennen, die unter großen Gefahren Juden zur Flucht verhelfen und den Jungschauspieler über das Regime aufklären. Zurück auf der Schule in Sonthofen führt Hardy Krüger nun ein Doppelleben.

Das Todesurteil

Nur knapp entkommt Krüger dem Tod, als er in der letzten Phase des Krieges, gerade 16 Jahre alt, eingezogen wird: Ein schnell einberufenes Kriegsgericht verurteilt den Schüler wegen "Feigheit vor dem Feind" - "ich konnte nicht auf Gesichter schießen" - zum Tode. Ein SS-Offizier verhindert die Exekution und macht den Verurteilten zu seinem Meldegänger. Von einem solchen Meldegang kehrt Krüger nicht zurück. Er versteckt sich in den Bergen und wartet zwischen Almhütten und verlassenen Höfen, bis die Waffen schweigen. Dann macht er sich auf den Weg zurück in die Heimat.

Vokabeln büffeln für die Karriere

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Der Film "Einer kam durch" macht aus dem unbekannten Deutschen Hardy Krüger einen Schauspieler von Weltrang.

Nach seiner Rückkehr geht er als Statist ans Hamburger Schauspielhaus und wird Sprecher beim damaligen NWDR. Nach einem Wechsel nach Hannover konzentriert sich Krüger zunehmend auf die schauspielerische Laufbahn. Er versucht sein Glück im Ausland - aber in Paris und London will man ihn nicht. Doch er gibt nicht auf, paukt Vokabeln und versucht den deutschen Akzent aus seinem Englisch zu löschen. Mit Erfolg: Nach sechs Monaten kommt der Regisseur Roy Baker auf den "german actor" zu und besetzt ihn in dem Film "The One That Got Away" - "Einer kam durch" in der Übersetzung, der aus dem namenlosen Deutschen einen Schauspieler mit Weltrang macht.

Eine Weltkarriere im Nachkriegsdeutschland

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Krüger kann sich in die Reihe der Weltstars einreihen. Mit John Wayne spielt er in "Hatari".

Mit Hildegard Knef ist Krüger der einzige Deutsche, der in den ersten drei Dekaden nach dem Krieg am Broadway spielen darf. Die englische Presse erklärt den Schauspieler 1957 sogar zum Botschafter seines Landes. Die Liste derer, mit denen er vor der Kamera steht, liest sich wie das "Who is Who des Films": "Hatari!" mit John Wayne, "Die Wildgänse kommen" mit Richard Burton, "Der Flug des Phönix" mit James Stewart, insgesamt drei Filme mit Sean Connery, außerdem Charles Aznavour, Orson Welles, Claudia Cardinale und viele mehr. Oft wird er als deutscher Weltkriegssoldat besetzt, meist gelingt es ihm dabei den "guten Deutschen" zu verkörpern. Nur die beiden Pünktchen auf dem U sorgen bei Briten und Amerikanern für Zungenbrecher - seitdem lässt Hardy Krüger sie weg - außer in seinem Heimatland.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 24.11.2016 | 20:00 Uhr

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