Stand: 15.09.2015 10:50 Uhr

"Bester Ort, um von Musik eingefangen zu werden"

Was ist in diesem Jahr neu beim Reeperbahn Festival?

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Schulz holte sich die Inspiration für das Newcomer-Club-Festival aus Austin (Texas).

Schulz: Die größte Neuerung ist sicherlich das Klubhaus, das rechtzeitig zum Reeperbahn Festival am Spielbudenplatz eröffnet und zu einem Mittelpunkt wird. Es wird darin sieben Spielstätten beim Festival geben - alleine vier für Konzerte. Zum Beispiel unser neuer eigener Club Häkken, in dem etwa 180 Gäste passen. Dort wird es zukünftig nicht nur Live-Musik, sondern auch DJ-Sets und normalen Barbetrieb geben. Neu beim Festival ist zudem eine technische Neuerung - das persönliche Logbuch. Wer auf einer Veranstaltung war, kann später vertiefende Inhalte dazu auf sein Smartphone bekommen. Das kann ein Interview mit einer Band sein oder auch ein Akustik-Gig. Dafür müssen Besucher nur die Festival-App herunterladen und Bluetooth aktivieren.

Was gibt es im Rahmenprogramm für Neuerungen?

Schulz: Unsere Lesungen fokussieren wir erstmals in einer Location - in der Alten Liebe im Klubhaus. Auch Filme zeigen wird nur noch an einem Ort - und zwar in dem Kino im East. Lesungen und Filme werden jeweils einen musikalischen oder popkulturellen Hintergrund haben. Als Ergänzung zur Flatstock Poster Convention auf dem Spielbudenplatz sind schon jetzt im Museum für Kunst und Gewerbe rund 140 Siebdrucke von Konzertplakaten zu sehen. Festival-Besucher können mit ihrem Bändchen auch die Ausstellung besuchen. Auch neu: Der FC St. Pauli ist unser Kooperationspartner. Der Fanshop auf der Reeperbahn wird an zwei Tagen zu einem Live-Club umfunktioniert. Erstmals haben wir zudem mit Finnland ein Partnerland. Zwölf Acts sind aus dem skandinavischen Land dabei, vor dem ehemaligen "Esso-Häuser"-Grundstück werden finnische Food-Trucks stehen.

Worauf freuen Sie sich besonders? Was sind ihre Geheimtipps?

Schulz: Nach neun Jahren Verhandlungen haben wir es endlich geschafft, dass auch im Michel Konzerte stattfinden. Da will ich am Samstagabend unbedingt hin. Geheimtipps? Schwierig, weil es ja sehr viele tolle Künstler gibt. Ich sage mal: The Beach und Lucy Rose aus England, Soley aus Island sowie Dan Magan und Half Moon Run aus Kanada.

Etwa zwei Wochen vor Start des Festivals ist eine der beiden Bühnen auf dem Spielbudenplatz abgebrannt. Wie haben Sie das erlebt und was bedeutet das für die Veranstaltung?

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Eine Bühne auf dem Spielbudenplatz brannte zwei Wochen vor dem Festival ab.

Schulz: Am Anfang war das schon ein Schock und es gab ein paar Stunden Ungewissheit - auch was das für das Festival bedeutet. Aber das Feuer wird keine großen Auswirkungen haben. Eigentlich sollten beide Bühnen zusammengeschoben wieder zur Spielbude werden. Jetzt ersetzen wir die zweite Bühne durch eine Gerüstkonstruktion. Die Spielbude wird dadurch zwar deutlich kleiner, aber es werden dort wie geplant 26 Konzerte an den vier Tagen stattfinden.

Wie werden die Bands ausgewählt und wie viele Leute sind mit dem Booking beschäftigt?

Schulz: Um das Booking der Bands kümmern sich drei Mitarbeiter. Wir fahren zu Festivals, um Bands zu entdecken - beispielsweise zum South By Southwest Festival nach Texas. Aber wir hören uns natürlich auch überall in Netzwerken um, was es für neue Künstler oder Trends gibt. Insgesamt wird der Aufwand für das Festival immer größer. Angefangen haben wir mit vier Leuten. Jetzt haben wir 15 ständige Mitarbeiter - ab Mai sind es dann immer etwa 20, wenn die heiße Phase beginnt. Und die Vorbereitung für das nächste Jahr startet schon einen Tag nach dem Festival.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Soll das Festival noch weiter wachsen?

Schulz: Klar wünsche ich mir Wachstum - wenn es denn inhaltlich begründet ist. Uraufführungen oder Auftragsproduktionen würden zu uns passen. Gut wären auch mehr Kooperationen mit anderen kulturellen Einrichtungen wie Museen, der Staatsoper oder der Elbphilharmonie. Auf dem Kiez ist das Wachstum ziemlich erschöpft.

Haben Sie nach zehn Jahren überhaupt noch Lust?

Schulz: Auf jeden Fall habe ich weiterhin Lust. Das Festival ist ja schon auch mein Baby. Wichtig wäre mir, dass wir auch in Zukunft Dinge ausprobieren können - denn das ist ein großer Luxus.

Das Interview führte Heiko Block, NDR.de.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 23.09.2015 | 19:00 Uhr