Stand: 10.08.2012 14:00 Uhr  | Archiv

Charmebolzen und Fernsehekel - Diether Krebs

von Carina Werner, NDR.de

Ob Hallervorden, Hildebrandt, Hüsch oder Nuhr: Wer das deutsche Fernsehpublikum zum Lachen bringt, heißt in der Regel Dieter. Das gilt auch für Diether Krebs. Dabei ist an dem Schauspieler, Komiker und Kabarettisten nicht nur das "h" im Vornamen bemerkenswert, sondern auch vieles andere in seinem Werdegang und Werk.

Erste Rollen im Ruhrpott

Am 11. August 1947 wird Diether Krebs in Essen als Sohn eines Schreibwarenhändlers geboren. Schon als Jugendlicher brennt er für das Theater, schlüpft in Schultheatergruppen in immer neue Rollen. Bald will er mehr: Er bricht das Gymnasium ab und lernt an der renommierten Folkwang Hochschule in Essen die Schauspielkunst von der Pike auf. Sein erstes Engagement hat er am Theater in Oberhausen. Der junge, schlaksige Schauspieler gilt als "auffallend begabt und professionell" und macht sich in der Theaterszene rasch einen Namen.

"Schwiegersohn der Nation"

Einem größeren Publikum wird Diether Krebs erst ein paar Jahre später bekannt: Nach zahlreichen Theater- und Fernsehrollen spielt er in der Kultserie "Ein Herz und eine Seele" (WDR) den mauligen Gatten der Tochter Tetzlaff und avanciert so zum "Schwiegersohn der Nation". 1974, auf dem Höhepunkt des Serienerfolgs, schmeißt Diether Krebs die Rolle hin, weil die SPD darauf drängt, die politischen Spitzen zu entschärfen. In den Folgejahren brilliert er in zahlreichen Filmrollen, auch in ernsten, unter anderem 1980 in dem Film "Die Judenbuche" nach der Novelle von Annette von Droste-Hülshoff.

Die Liebe zum Komischen

Meister der Entstellung: Diether Krebs. © picture-alliance / dpa Foto: Dieter Klar
Meister der Entstellung: Diether Krebs 1984 - mit Hasenzähnen und Nickelbrille.

Wenngleich Diether Krebs zu diesem Zeitpunkt bereits sein humoristisches Talent mehrfach unter Beweis gestellt hat, beginnt seine eigentliche Karriere als Komiker erst 1981 mit "Rudis Tagesshow". Er spielt an der Seite von Rudi Carrell, der seinen jungen Kompagnon als "Sketchspieler von internationaler Klasse" rühmt. Ab 1984 geht Diether Krebs eigene Wege. In der Reihe "Sketchup" präsentiert er, lange vor der Comedy-Welle, Sketche pur: Zwei Personen kalauern zwei, drei Minuten auf eine effektvolle Schlusspointe hin. Die eine Person ist Diether Krebs, die andere ist zunächst die Schauspielerin und Sängerin Beatrice Richter. "Die Beziehung zu Diether war die intensivste, urknalligste, energetischste meines Lebens", erzählt sie später. Dennoch verlässt sie "Sketchup" bereits 1985. Ihre Nachfolgerin wird die junge Iris Berben.

Mit falschen Hasenzähnen, daumendicken Brillengläsern und angeklebten Bärten spielt Diether Krebs in seinen Sketchen Hunderte grotesk überzeichnete Typen: Loser und Maulhelden, Spießer und Chauvinisten, die über das Leben in der späten Bundesrepublik manch Bedauernswertes verraten.

Groteske Charaktere

Diether Krebs und Beatrice Richter, das "Sketch Up"-Traumpaar. © dpa
Komiker-Traumpaar: Mit Beatrice Richter brachte Diether Krebs die Nation mit "Sketchup" zum Lachen.

Diether Krebs spart nicht mit Stammtischkalauern ("Besser niederträchtig wie hochschwanger!"), führt aber auch in die Abgründe des Alltags, der Politik und der Liebe. Etwa in jenem legendären Elf-Sekunden-Sketch, in dem ein älteres Paar im Wohnzimmer sitzt. Sie schnurrt schwelgerisch: "Als ich aus dem Fenster sah, graute der Morgen." Er blickt kurz von seiner Zeitung auf und korrigiert: "Dem Morgen!" Auch "Sketchup" gibt Diether Krebs nach zwei Jahren wieder auf. Auch hier sieht er seine Freiheit durch die Einflussnahme der politischen Parteien gefährdet.

Wahlheimat Hamburg

1985 zieht der Ruhrpott-Schauspieler der Liebe wegen nach Hamburg: Dort hat sich seine Ehefrau, Bettina Freifrau von Leoprechting-Krebs, als Übersetzerin am Thalia Theater verpflichtet. In Hamburg-Hohenfelde bezieht er eine Villa mit Frau und seinen zwei Söhnen. An deren Erziehung nimmt er wesentlich Anteil: "Mir ist wichtiger, dass meine Kinder keine Arschlöcher werden, als dass sie wissen, wie groß die Fläche unter der Parabel ist", so einer seiner legendären Sätze.

Auf den Sketchschauspieler lässt sich Diether Krebs nicht festnageln. Von 1978 bis 1986 mimt er in der Krimiserie "SOKO 5113" über hundert Mal den schnodderigen Kommissar. Auch im "Tatort" ist er kurzzeitig zu sehen. 1990 startet er seine Sketchshow "Voll daneben". Anfang der Neunzigerjahre stürmt er, mit Nickelbrille und Rentierpullover, "Ich bin der Martin, ne" ins Mikrofon nuschelnd, die deutschen Hitparaden.

Rastloser Arbeiter

Der Schauspieler Diether Krebs in den Neunzigerjahren. © picture-alliance / Jazz Archiv Hamburg Foto: Hardy Schiffler
Obwohl gesundheitlich angeschlagen, arbeitet Krebs bis zu seinem Tod unermüdlich weiter.

In den späten 90er-Jahren wird es um ihn allmählich stiller. Produktionen wie die Comedysendung "Der Dicke und der Belgier" können an die alten Erfolge nicht anknüpfen. Auch gesundheitlich geht es mit ihm bergab. "Anderthalb Flaschen Sambuca, 32 Espressi und an guten Tagen noch drei Flaschen Wodka" gehen, wie Diether Krebs freimütig preisgibt, nicht spurlos an ihm vorüber. "Es gibt Morgen, an denen ich immer wieder erstaunt bin, dass ich noch schlechter aussehe, als ich mich fühle", sagt er in einer privaten Videoaufzeichnung an seine Kinder, die in der Dokumentation "Dieter mit 'h' Krebs" zu sehen ist.

Ende der 90er-Jahre erkrankt Diether Krebs unheilbar an Lungenkrebs. Dennoch arbeitet er rastlos weiter. Seine letzte große Rolle hat er 1999 in der Gaunerkomödie "Bang Boom Bang". Am 5. Januar 2000 stirbt er im Alter von 52 Jahren in seinem Haus in Hamburg. Begraben wird er jedoch dort, wo er herkommt: im Ruhrpott, in Essen, auf dem dortigen Ostfriedhof. 

Dieses Thema im Programm:

NDR Talk Show classics | 17.08.2013 | 01:30 Uhr