Stand: 15.09.2020 15:12 Uhr  - NDR Info

Zukunft: Bildung in einer digitalisierten Welt

Schriftzug "Bildung" steht über einer Brille © photocase Foto: David-W-
Bildung in einer digitalisieren Welt ist eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft.

Eine Ausbildung im Handwerk, ein Studium an einer Hochschule oder eine Weiterbildung im Erwachsenenalter: Die Nachfrage nach Bildungsangeboten in Deutschland steigt. Auch der Bedarf an Betreuungs- und Fördermöglichkeiten für kleine und große Kinder wächst. Zu den zentralen Herausforderungen für alle Bildungseinrichtungen gehört laut Bildungsbericht 2020 aber vor allem das Thema "Bildung in einer digitalisierten Welt".

Große Unterschiede in Ausstattung und Nutzung von digitalen Medien

Vor der Corona-Pandemie zeigten sich deutliche Unterschiede in der Ausstattung und Nutzung von digitalen Medien in den Bildungsangeboten: In allgemeinbildenden Schulen gaben 2018 mehr als drei Viertel aller Schülerinnen und Schüler der achten Klasse an, weniger als einmal pro Woche in der Schule digitale Medien einzusetzen, ein Sechstel sogar nie. Deutschland schneidet in der technischen Ausstattung im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich ab, Finnland, Luxemburg und Dänemark statten Schulen bis zu doppelt so umfangreich aus (ICILS-Studie, 2018, S.147 ff.). An Hochschulen sieht die Situation ganz anders aus: Digitale Technologien sind in der Lehre, Forschung und Verwaltung weit verbreitet, Studierende und Lehrende zeigen sich insgesamt zufrieden (Bildungsbericht, S.244 ff.).

Bildung in Deutschland

Der Bericht "Bildung in Deutschland" bietet alle zwei Jahre eine Bestandsaufnahme des deutschen Bildungssystems. Eine wissenschaftlich unabhängige Autorengruppe analysiert Bildungsvoraussetzungen, Bildungswege und Bildungsergebnisse von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Die kompakte Zusammenfassung des Bildungsberichtes informiert über die zentralen Befunde, widmet sich dem Schwerpunkthema "Bildung in einer digitalisierten Welt", zeigt übergreifende Trends, Problemlagen und benennt die zentralen Herausforderungen für Bildungspolitik und Bildungspraxis.

Weiterbildung aller Lehrenden ist entscheidend

Es wird nicht ausreichen, Bildungs-und Betreuungseinrichtungen mit digitaler Technik auszustatten, die Autoren des Bildungsberichts empfehlen, auch in die Qualifizierung der Lehrenden zu investieren. Bisher hängt der Einsatz von digitalen Medien oft vom Einzelnen, der Grundhaltung und der eigenen Kompetenz ab, und obwohl viele Lehrkräfte in den allgemeinbildenden Schulen der Meinung sind, digitale Medien können Schülerinnen und Schüler motivieren und ihnen helfen, sehen sie wenig Potenzial Lernergebnisse zu verbessern oder individualisiertes Lernen zu ermöglichen. Auch das dürfte sich in Corona-Zeiten deutlich ändern, die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie digitale Medien verstärkt eingesetzt werden.

Die soziale Herkunft entscheidet über den Zugang zu den digitalen Medien: Internetverbindung, Smartphone oder Tablet sowie Drucker stehen nicht selbstverständlich in jedem Haushalt zur Verfügung. Das wird eine weitere große Herausforderung für Bildungseinrichtungen: Die verbesserte Chancengleichheit der letzten Jahre dürfe nicht durch die Corona-Pandemie bedingten verschlechterten Voraussetzungen zurückfallen, so die Autoren des Bildungsberichtes.

Zentrale Herausforderungen für die Gesellschaft

Auch wenn das erste Etappenziel zurzeit ist, die Bildungseinrichtungen wieder flächendeckend zu öffnen und alle Angebote wieder uneingeschränkt zur Verfügung zu stellen, die zentralen Herausforderungen bleiben: Aus- und Umbau der Bildungsinstitutionen, Förderung und Unterstützung des pädagogischen Personals, Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses von Bildung und die Austausch- und Abstimmungsprozesse zwischen allen zu verbessern, die für die Bildung in Deutschland arbeiten. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie unterschiedlich Bildungseinrichtungen in Deutschland reagieren und wie wichtig das Thema "Bildung in einer digitalisieren Welt" ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 14.08.2020 | 17:08 Uhr

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