Verfallenes Wohnhaus in Loitz © NDR

Kampf gegen den Leerstand: Loitz startet Modellprojekt

Stand: 21.12.2020 18:05 Uhr

Ein Jahr zur Probe nach Loitz: Nun steht fest, wer im Rahmen eines Zukunftsprojektes in die Kleinstadt zieht und ein monatliches Grundeinkommen von der Stadt bekommt. Zur Wahl standen sieben Teams.

von Susann Moll

Die Kleinstadt Loitz im Peenetal hat ein großes Problem: Gerade in der Innenstadt stehen zahlreiche Häuser leer und drohen zu verfallen. Das wollen die Loitzer nun aber angehen und haben Menschen aus der Großstadt aufgerufen, für ein Jahr zur Probe in die Stadt zu ziehen. Sie sollen eines der alten Häuser in Stand setzen und dort für die Einwohner einen Treffpunkt einrichten. Die Stadt zahlt dafür ein Grundeinkommen von monatlich 1.000 Euro pro Person. Mehr als 90 Menschen aus Deutschland und der ganzen Welt haben sich beworben. Sieben Teams sind in die engere Auswahl gekommen.

In Mexiko kennengelernt - nun nach Loitz

Seit Anfang Dezember haben rund 5.400 Menschen auf www.deinjahrinloitz.de abgestimmt. Die meisten für Annika und Rolando. Das Ehepaar lebt derzeit in Berlin und wohnt dann ab April zur Probe in Loitz. Annika ist 35 Jahre alt. Sie organisiert Kunstausstellungen und Bildungsprojekte. Rolando (31) stammt ursprünglich aus Venezuela und dreht beruflich Videos - hauptsächlich für Social Media. Die beiden haben sich in Mexiko kennengelernt und möchten sich in Loitz nun gemeinsam verwirklichen.

Neu-Loitzer wollen "offenes Wohnzimmer" einrichten

Annika und Rolando
Das Berliner Ehepaar Annika und Rolando zieht nach Loitz.

Sie schätzen die Gestaltungsfreiheit, die das Projekt mit sich bringt. Sie können sich zum Beispiel vorstellen, im Untergeschoss des Hauses zukünftig ein offenes Wohnzimmer einzurichten, in dem sie Spielenachmittage oder kleine Konzerte organisieren. Genaueres wollen Annika und Rolando aber mit den Einwohnern gemeinsam entwickeln. Bei den Menschen aus Loitz, die sich an der Abstimmung beteiligt haben, lag jedoch ein anderes Paar vorne. Annika und Rolando sind bei ihnen auf Platz drei gelandet. Allerdings war die Beteiligung an der Abstimmung seitens der Loitzer auch nicht so groß: Von den rund 4.200 Einwohnern haben lediglich 138 mitgemacht - online oder per Stimmzettel vor Ort.

Bürgermeisterin hofft auf Nachahmer

Das Paar, das sie favorisieren, ist aber fest entschlossen trotzdem nach Loitz zu ziehen - auch ohne Grundeinkommen. Genug freie Häuser gibt es ja. Und genau das ist es auch, was sich Bürgermeisterin Christin Witt (CDU) von dem Projekt "Dein Jahr in Loitz" verspricht. Durch die Öffentlichkeit, die das bundesweit einmalige Modellprojekt mit sich bringt, hofft sie, dass noch weitere Menschen die Vorzüge der Kleinstadt im Peenetal entdecken und dorthin ziehen wollen. Die Bürgermeisterin will auf jeden Fall zwischen Interessenten und den Besitzern der leer stehenden Häuser vermitteln. Das Projekt "Dein Jahr in Loitz" ist Teil des Wettbewerb Zukunftsstadt 2030. Loitz hatte sich dafür neben großen Städten wie Dresden, Gelsenkirchen und Ulm qualifiziert und bekommt nun Gelder vom Bund, um die Stadt voranzubringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 21.12.2020 | 17:10 Uhr