Lars Ruschmeyer im Stall vor seinen Kühen.

Auf dem Land: Ein Blick in die Zukunft der Landwirte

Stand: 15.11.2020 11:22 Uhr

Die ARD-Themenwoche steht unter dem Motto: #WIELEBEN. Sechs junge Menschen erzählen, wie sie sich zusammen mit anderen für eine bessere Zukunft engagieren.

von Marc Hoffmann

Lars Ruschmeyer, ein junger Landwirt in Niedersachsen, studiert Agrarwissenschaften und engagiert sich in der Landjugend - für eine attraktive Zukunft der Landwirtschaft. Ein Hof-Besuch im niedersächsischen Landkreis Rotenburg.

Viel Verantwortung: Rund 200 Tiere müssen versorgt werden

Lars Ruschmeyer führt über den Hof seiner Eltern. Vorbei an Milchkühen, die unbeeindruckt vor sich hin kauen. Etwa 200 Zuchttiere leben hier. Zweimal am Tag kommen sie an die Melkmaschine. Vor allem am Wochenende packt Lars mit an. Unter der Woche ist der 24-Jährige zum Studium in Kiel. Im kommenden Jahr will er seinen Bachelor in Agrarwissenschaften machen.

Im Hörsaal die Theorie - im Stall die Praxis

"Es ist irgendwie ein schwer zu beschreibendem Gefühl, diese Momente: Man ist morgens der erste, man ist um fünf Uhr vielleicht ein bisschen müde, dann kommen die Kühe rein, die müssen gemolken werden, weil die auch irgendwo Druck haben. Dann weißt du, du bist wichtig. Die Kühe brauchen dich. Du kannst sehen, wenn es den Kühen gut geht und wenn es denen nicht gut geht. Du weißt eben einfach: Du hast einen Sinn und jeden Tag siehst du in jeder Sekunde, wo du arbeitest", sagt Ruschmeyer.

Faire Lebensmittelpreise und zumutbare Auflagen für Landwirte

Er ist gern Landwirt, aber eben auch nicht um jeden Preis. Die Rahmenbedingungen müssten in der Zukunft für den Familienbetrieb stimmen. Faire Lebensmittelpreise nennt er zum Beispiel, auch zumutbare Auflagen, die die Politik macht. Auch seine Mutter mache sich Sorgen, ob der Druck nicht zu groß sei, die viele Arbeit, die finanzielle Verantwortung und im Prinzip nie frei haben.

Es geht auch um gesellschaftliche Anerkennung

Es geht dem jungen Argar-Studenten auch um gesellschaftliche Anerkennung, das hört man deutlich heraus, wenn er davon erzählt, wie wir in Zukunft auf dem Land leben und arbeiten. Er mache sich auch Sorgen um die Dörfer, die eine nicht so gute Infrastruktur hätten, wie seine Region zwischen Hamburg und Bremen. Aber Wegziehen in die Stadt sei für ihn auch keine Option, er will auf dem Land bleiben.

Das Landleben attraktiv mitgestalten - mit der Landjugend

Mit der Landjugend Niedersachsen setzt er sich gerade dafür ein, dass Leben und Arbeit außerhalb der Städte attraktiv bleiben, in modern entwickelten Dörfern. Ruschmeyer ist der Sprecher des Agrarausschusses in der Landjugend und macht sich viele Gedanken über die Menschen auf dem Land, sie sollen sich nicht allein gelassen fühlen und ihre Zukunft mitgestalten können.

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AUDIO: Wie wollen wir leben? Junge Menschen und ihre Visionen (27 Min)

In der Dorfgemeinschaft Traditionen pflegen

Mit Projekten will die Landjugend diesem Trend entgegenwirken. Das bedeutet für Lars: sich ins Ortsleben einzumischen und ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. Ein Wert, der gerade in der Corona-Krise für viele wieder an Aktualität gewonnen hat. "Dorfgemeinschaft, Tradition pflegen, jeder kennt jeden, dieses Gefühl in die Zukunft zu bringen und das Dorf weiter lebenswert zu machen, das ist unser Ziel", schiebt Jungbauer Ruschmeyer hinterher und verabschiedet sich dann. Gleich will er noch in den Ort und an der Gemeinderatssitzung teilnehmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Das Forum | 16.11.2020 | 20:35 Uhr